Volleyball

Die BR Volleys bewegen sich in neuen Höhen

Perfektionist Roberto Serniotti hat die Berliner zum Triple geführt. Ob der Italiener bei den Volleys bleibt, ist allerdings nicht sicher.

Die Hände zum Himmel: Mit dem Meistertitel macht das Leben mehr Spaß

Die Hände zum Himmel: Mit dem Meistertitel macht das Leben mehr Spaß

Foto: Fishing4

Berlin.  So ganz überzeugt wirkte Sebastian Kühner nicht, als er in der Umkleidekabine der Max-Schmeling-Halle stand, in der Hand einen riesigen, fast bis zum Rand gefüllten Bierkrug. Der Zuspieler der BR Volleys stand hinter seinem Trainer Roberto Serniotti und überlegte kurz, ob er es wagen konnte, dann aber goss er das Bier schwungvoll über den Kopf des Italieners. Serniotti zuckte kurz zusammen, dann drehte er sich um und die beiden lachten sich an.

Die Stimmung der BR Volleys war ausgelassen nach dem 3:0-Sieg gegen den VfB Friedrichshafen, der dem Team den siebten Meistertitel beschert hatte. Niemand sprach mehr über zu wenig Einsatzzeiten oder zu lange Trainingseinheiten, stattdessen flossen bei der Feier in der Grand Bar in Mitte neben Bier, Cuba Libre, Tequila und Wein noch diverse andere Köstlichkeiten, die Geschäftsführer Kaweh Niroomand gar nicht mehr so genau aufzuzählen vermochte. „Meine Rede habe ich aber noch halten können“, sagte er.

Diesmal gleich dabei

Anders als bei der Feier des Pokals war auch Roberto Serniotti von Beginn an zugegen. In Mannheim war der Italiener erst später zum Team gestoßen, weil er schon den nächsten Gegner im Europacup analysiert hatte. In Berlin feierten der 54-Jährige und seine Frau am Sonntagabend mit, Serniotti gestand aber: „Am liebsten würde ich mich direkt wieder in die Arbeit stürzen. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass wir jetzt frei haben sollen.“

Ob der Italiener in der nächsten Saison wieder bei den Volleys an der Seitenlinie steht, ist noch nicht geklärt. Er hat zwar einen Vertrag bis 2017, allerdings mit der beiderseitigen Option, diesen nach einem Jahr zu beenden. Dass Niroomand diese Option zieht, ist eher nicht zu erwarten, denn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokal und CEV-Cup hat Serniotti einige Argumente auf seiner Seite. „An seiner fachlichen Kompetenz gibt es nichts zu rütteln“, sagt Niroomand. „Paul Carroll, Robert Kromm und Felix Fischer haben ihre beste Saison gespielt.“

An dieser Weiterentwicklung hat Serniotti großen Anteil. Der Italiener ist ein Perfektionist. Mit seiner Einstellung ist er schon Meister und Pokalsieger in Italien geworden und hat mit dem französischen Klub Tours VB die Champions League gewonnen. Auch mit den Volleys möchte er in die Sphären der Königsklasse vordringen, qualifiziert sind die Berliner mit dem Titel.

Methodik nicht unumstritten

Der unermüdliche Arbeiter hat in dieser Saison aber auch gelernt, dass seine Methodik nicht zu jedem Klub passt. Bei den BR Volleys kam er mit seinen Vorstellungen, die Anzahl und Dauer der Trainingseinheiten betreffend, nicht gut an. Auch hatte er zu Beginn massive Kommunikationsprobleme, da er kein Deutsch und kaum Englisch spricht. Dadurch kam es zu Missverständnissen und Unzufriedenheit, die Spieler, Trainer und Manager im Januar nach der 1:3-Niederlage gegen VaLePa Sastamala gemeinsam entluden. „Ich habe da ein bisschen lauter mit Kaweh Niroomand gesprochen“, gibt Paul Carroll zu. Wünsche und Bedürfnisse wurden von da an in einem wöchentlichen Treffen ausgetauscht, was dazu führte, dass Serniotti seine Methoden überdachte.

„Als ich hier hergekommen bin, hatte ich ein System, das habe ich inzwischen verändert“, sagte er. „Diese Gruppe will auch mal allein entscheiden“, hatte er verstanden, ließ den Spielern mehr Freiräume und versuchte, sie nicht mit Informationen zu überfrachten. So hatte er nach dem gewonnenen Finale des Europapokals ein Video mit zahlreichen Fehlern seines Teams zusammengestellt, zeigte es der Mannschaft aber nie. „Nach dem Titelgewinn hätten die Spieler doch gedacht: ,Leck mich am Hintern’ , verriet er in einem Interview.

Inzwischen scheint sich die Mannschaft gefunden zu haben. Die Lücken, die Scott Touzinsky und Kawika Shoji mit ihrem Abschied gerissen haben, konnten Tsimafei Zhukouski und Paul Lotman schließen – sogar mehr als das, findet Carroll: „Paul hat eine viel stärkere Physis als Scott und er hat er hat auch mehr gepunktet.“ Die Führung des Teams übernahm Kromm, der in den vergangenen Monaten als Kapitän viel diplomatisches Geschick bewies und die Mannschaft zusammenhielt. „Er ist der geborene Kapitän, außerdem spricht er besser italienisch als ich“, sagt Serniotti.

Erste Personalien am Dienstag

Kromm wird dem Team wohl erhalten bleiben, genau wie Felix Fischer. Auch Nicolas Le Goff hat noch einen Vertrag bis 2017. Offiziell ist seine Zukunft aber noch nicht geklärt, genauso wenig wie die von Zhukouski, Carroll, Lotman und Libero Erik Shoji, für den schon vor einem Jahr lukrative Angebote vorlagen. Ein bis zwei Personalien werde man bei der Meisterfeier am Dienstag lüften, verriet Niroomand (19 Uhr Max-Schmeling-Halle). Eines machte er aber deutlich: „Diesen Aufwand, den die Mannschaft und ich im Bereich der Kommunikation betrieben haben, will ich in diesem Ausmaß nicht noch einmal haben.“