Volleyball

Schlimmer Abschied für Deutschlands besten Trainer

Stelian Moculescu war erfolgreich wie kein anderer. Ausgerechnet seine letzte Saison endet Sonntag bei den BR Volleys wohl ohne Titel.

Simon Tischer (M.) und Trainer Stelian Moculescu gewannen im Vorjahr den Titel mit Friedrichshafen, diesmal haben sie kaum Chancen gegen Berlin

Simon Tischer (M.) und Trainer Stelian Moculescu gewannen im Vorjahr den Titel mit Friedrichshafen, diesmal haben sie kaum Chancen gegen Berlin

Foto: Felix Kästle / picture alliance / dpa

Wenn Stelian Moculescu den Kopf senkt, die Augenbrauen hochzieht und die Lippen zusammenpresst, ist Achtsamkeit geboten. Der Blick, den der aus Rumänien stammende Volleyball-Trainer dann über seine randlose Brille hinaus ­verteilt, sagt unmissverständlich: „Was du machst, passt mir gar nicht.“

Ob Spieler, Schiedsrichter, Trainer, Geschäftsführer oder auch Funktionäre des Deutschen Volleyball-Verbandes – in den über 40 Jahren, in denen Moculescu den deutschen Volleyball geprägt hat wie kaum ein anderer, haben sich einige Wegbegleiter angesammelt, die diesen Blick schon einmal empfangen durften, zumeist gefolgt von ein paar passenden Worten.

Der 65-jährige Erfolgstrainer, der mehr als 40 Titel in seiner Karriere gewonnen hat, ist überaus deutlich in der Ansprache. „Wir machen zu viel Bullshit“, sagte er beispielsweise während des zweiten Spiels der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem VfB Friedrichshafen und den BR Volleys. Damit waren unter anderem die 28 Aufschlagfehler gemeint, die den Rekordmeister vom Bodensee am Ende den Sieg ­kosteten und Moculescu ein spezielles Endspiel in Berlin bescheren.

Titel und Geldstrafen pflastern seinen Weg

Das dritte Aufeinandertreffen der beiden Klubs an diesem Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) könnte das letzte Spiel sein für Moculescu, der seine beispiellose Karriere nach dieser Saison beendet. 13 Mal gewann er mit dem VfB die Deutsche Meisterschaft, 13 Mal den Pokal und 2007 die Champions League. Verliert der VfB heute in der Finalserie „Best of five“ auch die dritte Partie, muss Moculescu sich mit seiner zweiten titellosen Saison seit seiner Amts­übernahme 1997 verabschieden.

Vor drei Jahren blieb der VfB schon einmal ohne Titel, nach dem vierten Finalspiel feierten die BR Volleys in Friedrichshafen die Meisterschaft. Damals wetterte Moculescu derart über den Unparteiischen, dass er eine Rote Karte erhielt, eine Sperre für ein Spiel und eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro. „Er ist sicher oft angeeckt, aber er hat den deutschen Volleyball vorangebracht wie kein anderer“, sagt der 280-fache deutsche Nationalspieler Björn Andrae, der seit dieser Saison wieder beim VfB Friedrichshafen unter Vertrag steht.

Moculescus Kommentare zur Lage der Volleyball-Nation waren bisweilen bissig, meist aber zutreffend. „Durch sein ständiges Fordern hat er viel gefördert“, findet DVV-Vizepräsident Michael Evers. Andrae bezeichnet Moculescu gar als seinen ersten richtigen Förderer. Vor 16 Jahren holte der Rumäne den gebürtigen Berliner in die Nationalmannschaft und führte diese aus den Tiefen der Weltrangliste kontinuierlich bis in die Top Ten. Erstmals nach 36 Jahren brachte er die deutschen Volleyballer 2008 wieder zu Olympischen Spielen. ­„Moculescu hat immer einen Bombenjob abgeliefert“, sagt Evers.

Den Berlinern war er ein wichtiger Antreiber

Dabei hat der ehemalige rumänische Nationalspieler legendäre Ausraster an der Seitenlinie geboten. „Früher hat er immer seinen Schlüssel geschmissen, wenn es nicht lief“, sagt Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys. Inzwischen trägt Moculescu eine Bauchtasche, in der der Schlüssel ruht, während der temperamentvolle Rumäne an der Seitenlinie tobt. Dieses Bild wird es in der kommenden Saison nicht mehr geben.

„Moculescu wird der Bundesliga fehlen, vor allem uns als antreibender Gegenpol“, sagt Niroomand. „In den vergangenen Jahren war immer klar: Wenn du im deutschen Volleyball etwas erreichen willst, musst du besser sein als Stelian Moculescu.“ Fünf Mal ist das den BR Volleys in der Meisterschaft gelungen. Den sechsten Triumph wollen die Schwaben ihren Kontrahenten unbedingt vermiesen – auch, weil sie ihrem Trainer einen würdevollen Abschied bereiten wollen. „Das sollte für uns alle eine extra Motivation sein“, sagt Andrae. Andernfalls gibt es am ­Ende wieder einen strengen Blick.