Volleyball

Die BR Volleys legen im Finale vor

Die BR Volleys steuern mit dem ersten Sieg im Play-off-Finale gegen den ewigen Rivalen VfB Friedrichshafen dem Triple entgegen.

Die BR Volleys feiern den Sieg im ersten Spiel des Play-off-Finales gegen Friedrichshafen

Die BR Volleys feiern den Sieg im ersten Spiel des Play-off-Finales gegen Friedrichshafen

Foto: Paul Zinken / dpa

BERLIN.  50 Minuten vor Spielbeginn betrat Stelian Moculescu den Innenraum der Max-Schmeling-Halle, setzte sich auf die Trainerbank und tippte auf seinem Smartphone herum. Vor dem ersten Spiel der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft zwischen den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen ließ der VfB-Trainer sich nicht stören – weder von der Präsentation des Europapokals noch vom Einlauf beider Mannschaften.

Bis kurz vor Spielbeginn sah Moculescu nur zweimal auf: Als ein Mitarbeiter der BR Volleys ihm das WLAN auf seinem Telefon einrichtete und ein zweites Mal, als ihm ein anderer Mitarbeiter einen Becher Kaffee reichte.

Knapp drei Stunden später war der erfolgreichste Trainer der deutschen Volleyball-Historie gar nicht mehr so entspannt. Er stürmte kurz nach Spiel­ende wutentbrannt aus der Halle, denn die BR Volleys hatten das erste von maximal fünf Spielen für sich entschieden. 3:1 (25:21, 25:23, 23:25, 25:19) gewannen die Berliner, damit ist Mocules­cu nach wie vor drei Siege von seinem 42. Titel entfernt. Nur zu gern würde er den VfB, den er zum Saisonende verlässt, mit dem 14. Meistertitel in die Hände von Bundestrainer Vital Heynen übergeben.

Zwei Asse von Paul Carroll leiten Satzgewinn ein

An diesem Sonntag waren die BR Volleys aber stärker. Volleys-Trainer Roberto Serniotti war darüber vor allem erleichtert: „Ich hatte eigentlich Bedenken, dass es möglicherweise nicht so gut geht, weil wir jetzt acht Tage nicht gespielt haben.“ Die Berliner hatten sich schon am vergangenen Sonnabend für das Finale qualifiziert, während Friedrichshafen erst am Donnerstag im dritten Spiel gegen die United Volleys aus Frankfurt den Finaleinzug feiern konnte.

Den besseren Start erwischten aber dennoch die BR Volleys, bei denen Zuspieler Tsimafei Zhukouski nach überstandener Rückenverletzung in die Startformation zurückgekehrt war. Zu Beginn profitierten sie von den zahlreichen Fehlern der Gäste. Elf Punkte schenkte ihnen der Rekordmeister vom Bodensee, damit war es aber im zweiten Durchgang vorbei.

Immer wieder wechselte die Führung begleitet von spektakulären Ballwechseln. Zwei Asse von Paul Carroll (18:16) und sein letzter Angriff nach schlechter Annahme der Berliner sorgten dann aber für den entscheidenden Vorsprung. Carroll, der gut mit dem VfB-Libero Luke Perry befreundet ist, freute sich darüber besonders: „Ich habe Luke vorher gesagt, dass ich ihm ein Ass gebe, ich glaube, das ist mir gelungen.“ Außerdem habe er eine unheimliche Freude daran, Stelian Moculescus Gesicht zu beobachten, wenn er einen Punkt gemacht hat, freute sich der Australier.

Ruhe und Abgeklärtheit als Trümpfe

Die Miene der Trainerlegende hellte sich im dritten Satz kurz auf. Da lagen die BR Volleys bereits 12:10 vorn, doch dann steigerten sich die Schwaben und boten den 6.773 Zuschauern noch einmal etwas mehr Spannung, indem sie durch kluge Aktionen und gute Aufschläge den dritten Durchgang für sich entschieden. „Die Aufschläge sind in so einem Spiel entscheidend“, sagte Serniotti, der seinen Spielern im vierten Satz wieder zu mehr Aufschlagdruck riet.

Dadurch gingen einige Bälle weg, die Berliner zwangen die Gäste aber auch zu Fehlern in der Annahme. „Gerade gegen Friedrichshafen müssen wir gut aufschlagen, weil sie mit Simon Tischer einfach einen überragenden Zuspieler haben, den besten, gegen den wir in dieser Saison gespielt haben“, sagte Serniotti. Seit Tischer im Januar nach seinem Bandscheibenvorfall ins Team des VfB zurückgekehrt war, hatte Friedrichshafen nur ein Spiel verloren – bis zu diesem Sonntag.

„Es war wichtig, dass wir uns nach dem Satzverlust nicht aufgeregt haben“, sagte Tsimafei Zhukouski. Durch die Ruhe und Abgeklärtheit, die die BR Volleys seit Wochen ausstrahlen, gelingt es ihnen immer wieder, knappe Spiele zu ihren Gunsten zu entscheiden. So auch am Sonntag, als die letzten beiden Flatteraufschläge von Felix Fischer letztlich zum Sieg führten. „Unser Aufschlag ist unsere beste Waffe“, sagte Zhukouski.

Enttäuschung aus dem Vorjahr noch nicht vergessen

Für das zweite Aufeinandertreffen am Donnerstag in der ZF-Arena am Bodensee (20 Uhr, sportdeutschland.tv) erwarte er wieder einen Sieg, sagte der Kroate. „Und am nächsten Sonntag werden wir die Sache dann in eigener Halle beenden.“ Das sähe Stelian Moculescu mit Sicherheit nicht gern, aber der VfB-Trainer hat den BR Volleys diesen Triumph ja schon einmal vermasselt.

Im vergangenen Jahr, als Berlin in der Serie bereits 2:1 vorn lag, entführte er den sicher geglaubten dritten Sieg aus der Schmeling-Halle und freute sich am Ende über die Meisterschale. Diese Episode hat auch Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand noch im Gedächtnis und warnte: „Du darfst niemals an das Ende denken, das ist das A und O im Play-off.“