Volleyball

Lotmans Ziel ist das erste Triple

Paul Lotman will mit den BR Volleys das erste Triple holen. Und die Frau des US-Amerikaners hilft dabei sogar mit.

Paul Lotman (l.) schmettert im Halbfinale den Ball an den Lüneburger Block

Paul Lotman (l.) schmettert im Halbfinale den Ball an den Lüneburger Block

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berlin.  Paul Lotman weiß, wie man sich auf eine großes Finale einstimmt. Am vergangenen Wochenende ist der Außenangreifer der BR Volleys für einen Tag nach Krakau geflogen, um sich das Endspiel und die Partie um Platz drei der Volleyball-Champions-League anzusehen.

Mit Blick auf Rio nach Berlin gewechselt

Mit dabei war Lotmans alter Klub, Resovia Rzeszów, bei dem er von 2011 bis 2015 spielte. In der vergangenen Saison stand Lotman noch selbst mit dem sechsfachen polnischen Meister im Finale in Berlin. Da wurde der US-amerikanische Nationalspieler aber kaum eingesetzt – wie in der gesamten Spielzeit. „Das letzte Jahr war wirklich hart“, sagt er. „Ich liebe Resovia, es ist einer der besten Klubs überhaupt, aber ich wusste: Wenn ich es in die Olympiamannschaft der USA schaffen will, muss ich zu einem Klub wechseln, bei dem ich auch spiele.“

Bei den BR Volleys stand Lotman in nahezu jedem der bislang 40 absolvierten Spiele in der Startaufstellung. Er gewann den deutschen Pokal, den europäischen CEV-Pokal und hat nun die Chance, in der am Sonntag beginnenden Finalserie gegen den VfB Friedrichshafen (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle) auch noch die Deutsche Meisterschaft zu holen. „Mit keinem anderen Klub war ich jemals auch nur in der Nähe eines Triples.“ Rückblickend sei es definitiv die richtige Entscheidung gewesen, nach Berlin zu gehen, sagt der zwei Meter große Athlet.

Niederlage gegen Friedrichshafen nicht vergessen

Dreimal müssen die BR Volleys nun gewinnen, dann würden sie zum VfB Friedrichshafen aufschließen, dem 2007 mit dem Champions-League-Titel, der Meisterschaft und dem deutschen Pokal bereits ein Triple gelang. Das Duell mit den Gästen vom Bodensee hat Tradition. Während der vergangenen 18 Jahre ging der Meistertitel stets nach Friedrichshafen (13 Mal) oder Berlin (fünf Mal).

„Die Spiele gegen Friedrichshafen sind das Salz in der Suppe“, sagt Kapitän Robert Kromm, der sich noch gut daran erinnern kann, wie die Schwaben am Ende der vergangenen Saison die Meisterschale in die Höhe stemmen durften. „Ich freue mich, dass wir jetzt die Chance bekommen, uns für die bittere Niederlage zu revanchieren“, sagt der Außenangreifer.

Die Vergleiche mit Touzinsky waren hart

Zweimal sind sich die beiden Teams in dieser Spielzeit erst begegnet, das Hinspiel gewann Berlin 3:0 in Friedrichshafen, beim Rückspiel in Berlin rehabilitierten sich die Gäste vom Bodensee eindrucksvoll und ließen die BR Volleys mit einer 1:3-Niederlage zurück. „Als wir zum Saisonbeginn in Friedrichshafen gewonnen haben, hatten die noch personelle Probleme. Sie waren nicht das gleiche Team, das sie jetzt sind“, glaubt Lotman.

Das gilt für die Berliner aber auch, die einige Zeit brauchten, um sich nach dem Umbruch im Sommer zu finden. Dabei fällt besonders Lotmans Entwicklung auf. In den ersten Monaten wirkte er unsicher. Er wusste um die Erwartungen, die an seine Person gestellt werden: Er sollte Kapitän Scott Touzinsky ersetzen, der in den vergangen fünf Jahren nicht nur durch seine Leistung, sondern auch durch seine Persönlichkeit als Anführer beeindruckt hatte.

Wertvollster Spieler der letzten Wochen

„Ich wusste, dass Trainer, Geschäftsführer und die Mannschaft von mir erwarten, ein Führungsspieler zu sein“, sagt Lotman. Im Gegensatz zu Touzinsky ist er aber vor allem außerhalb des Feldes ein eher in sich gekehrter Typ, zudem hatte er in Rzeszów als Ergänzungsspieler viel weniger Verantwortung zu tragen. „Das war eine ganz schöne Umstellung für mich. Ich glaube, am Anfang bis zur Saisonmitte war ich nicht so gut darin, aber ich hab mich entwickelt und das gemacht, was das Team von mir gebraucht hat.“

Vor allem Lotmans spielerische Leistungen wurden immer konstanter. In den letzten fünf Partien wurde er dreimal zum wertvollsten Spieler gekürt. „Ich weiß nicht, was passiert ist, vielleicht liegt es daran, dass ich im November 30 geworden bin, aber ich habe richtig das Gefühl, dass ich aufgewacht bin“, sagt Lotman. „Ich glaube, ich habe mich noch nie so extrem weiterentwickelt wie in dieser Saison – ­ nicht nur als Spieler, sondern auch als Person.“

Trainer Serniotti ist seine Meinung wichtig

Das findet auch Trainer Roberto Serniotti: „Ich habe den Eindruck, er wird von Woche zu Woche besser“, sagt der Italiener, der gern mit Lotman über das Spiel diskutiert. „Manchmal gehen unsere Ansichten ein bisschen auseinander“, sagt Lotman. „Roberto hat die alte italienische Schule, ich die moderne amerikanische Ausbildung, aber das ist okay. Ich mag es, mit ihm zu analysieren.“

Auch Lotmans Frau Jessica Chu hat inzwischen ihren Anteil am Erfolg der Berliner. Die Ernährungswissenschaftlerin, die seit vier Jahren die US-Nationalmannschaft der Männer berät, hilft auch den BR Volleys seit Dezember im Sachen ausgewogene Ernährung auf die Sprünge. „Sie hat sich mit ein paar Spielern getroffen, Essenpläne gemacht. Mir hat das immer sehr geholfen, und ich hoffe, das hilft auch den anderen Spielern“, sagt Lotman.

Der Weltenbummler ist endlich in Berlin angekommen

Der US-Amerikaner, der schon in Puerto Rico, Griechenland, Italien, Polen und Frankreich gespielt hat, ist in Berlin angekommen, das merkt man. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in Berlin lande, aber jetzt liebe ich die Stadt“, sagt er. „Wir sind hier alle zusammen einen langen Weg gegangen, und ich würde mir wünschen, das wir den jetzt mit dem Triple krönen.“