Volleyball

BR Volleys: Die „beschissenste“ Saison kann die beste werden

Die Berliner steuern nach dem CEV-Pokal und DVV-Pokal das Triple an. Dabei sind die Probelme riesig.

Was für eine Saison: Die BR Volleys mussten häufig durchpusten

Was für eine Saison: Die BR Volleys mussten häufig durchpusten

Foto: Hundt/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

BERLIN.  Nach über 40 Jahren im deutschen Volleyball könnte man annehmen, jede Szenerie inzwischen einmal erlebt zu haben. Am Sonnabend wurde Kaweh Niroomand aber eines Besseren belehrt. „Ich habe in meiner gesamten Volleyball-Historie noch nie so ein knappes Spiel gesehen“, sagt der 63-jährige Geschäftsführer der BR Volleys.

26:28, 26:28, 25:23, 30:28 und 15:11 hatten die Berliner am Sonnabend in der Gellersenhalle gegen die SVG Lüneburg gewonnen und stehen nun im Finale um die Deutsche Meisterschaft.

„In dieser Halle haben wir bislang noch nie gewonnen“, freut sich Zuspieler Sebastian Kühner, der den verletzten Tsimafei Zhukouski (Rücken) vertrat und eines der besten Spiele seiner Karriere ablieferte.

Nun haben die BR Volleys die Chance, nach dem deutschen und dem europäischen Pokal die jetzt schon erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte mit dem dritten Titel zu krönen. „Dabei hätte man 100 Gründe anführen können, warum das die beschissenste Saison ist, die wir je hatten“, sagt Niroomand.

Alles fing mit dem Umbruch an

Angefangen hatte alles mit dem großen Umbruch im Sommer, als sechs Spieler und Trainer Mark Lebedew den Verein verließen. Nachfolger Roberto Serniotti hatte keine Zeit für eine vernünftige Vorbereitung, denn durch den internationalen Spielplan kehrten die Nationalspieler erst kurz vor Saisonbeginn nach Berlin zurück.

Europameister Nicolas Le Goff stieß sogar erst drei Tage vor dem ersten Spieltag zum Team. Zudem mussten die BR Volleys ihre Trainingsstätte am Horst-Korber-Zentrum an Flüchtlinge abtreten und ins 20 Kilometer entfernte Sportforum Hohenschönhausen umziehen.

Der Höhepunkt war dann aber das Ausscheiden in der Champions-League-Gruppenphase, weil Belgorod Russland wegen des politischen Streits mit der Türkei nicht in Izmir antrat und der europäische Verband Izmir dafür drei Punkte zugestand.

Schon früh war damit das erste Saisonziel der Berliner verpasst, es in die Endrunde der Königsklasse zu schaffen – sie rutschten so in den Europacup. „Im Nachhinein hat uns das aber gut getan“, sagt Kühner. Sechs Spiele auf hohem Niveau konnten die BR Volleys im CEV-Cup bestreiten und ihren ersten internationalen Titel holen. „Dadurch haben wir ein ganz anderes Selbstbewusstsein bekommen“, sagt der Zuspieler.

Sturheit von Trainer Serniotti führt zu erstaunlichen Erfolgen

Für den 29-Jährigen war die Saison nicht leicht. Von Beginn an musste er hinter Zhukouski auf Spielanteile warten, die er nur selten erhielt. Trainer Serniotti hatte sich schon früh auf seine Stammformation festgelegt, an der er ohne Not nichts änderte. „Man hätte schon einigen Spielern aus der zweiten Reihe mehr Anteile geben können“, sagt Niroomand.

So klagte Kapitän Robert Kromm im Dezember über die hohe Belastung und fiel kurz danach mit einer Bauchmuskelverletzung aus. Auch Tomas Kmet und Zhukouski hatten immer wieder Probleme. Als es darauf ankam, konnten Felix Fischer, Ruben Schott und Sebastian Kühner die Lücken aber nahtlos schließen. „Der Erfolg gibt Serniotti recht“, gesteht Kühner ein.

Auch beweist der Italiener viel taktisches Geschick. In Lüneburg gab er nach dem 0:2 vor, den Aufschlagdruck zu erhöhen, mit dem Risiko, Fehler zu machen. „Das war der Schlüssel zum Sieg“, sagt Niroomand. In der Liga haben die Berliner nur drei Spiele verloren, eines davon gegen den VfB Friedrichshafen.

Wenn der am Donnerstag gegen die United Volleys gewinnt (20 Uhr, sportdeutschland.tv), kommt es in der am Sonntag beginnenden Finalserie (16 Uhr, Schmelinghalle) zum Traditionsduell. Niroomand warnt: „Wir dürfen uns mit dem, was wir bis jetzt erreicht haben, noch nicht zufrieden geben.“ Ein Triple hat der gebürtige Iraner in seiner langen Volleyball-Historie nämlich auch noch nicht erlebt.