Volleyball

Volleys-Coach Serniotti will alle drei Titel gewinnen

Der Italiener Roberto Serniotti kann in seiner ersten Saison als Trainer der BR Volleys gleich das Triple schaffen.

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Berlin.  Die BR Volleys greifen nach ihrem ersten internationalen Titel. An diesem Dienstag (19.30 Uhr) trifft die Mannschaft von Trainer Roberto Serniotti (53) in der Schmeling-Halle im Finalhinspiel des CEV-Cups auf das sibirische Team Gazprom-Ugra Surgut. Vor dem Match sprach der Italiener über eine trotz vieler Probleme erstaunlich erfolgreiche Saison, seinen Hunger auf Titel und Ziele in der Zukunft.

Berliner Morgenpost : Herr Serniotti, können Sie zaubern?

Roberto Serniotti: Ich zaubere nicht. Warum fragen Sie?

Nun, eine perfekte Saisonvorbereitung sieht anders aus. Ihre Spieler kamen müde oder verletzt von ihren Nationalmannschaften zurück. Ihre Trainingshalle wurde mit Flüchtlingen belegt. Trotzdem gewinnen Sie mit dem Team zum ersten Mal seit 16 Jahren den deutschen Pokal. Sie sind mit klarem Vorsprung als Bundesliga-Erster ins Play-off um die Deutsche Meisterschaft eingezogen und stehen jetzt auch noch im Finale eines europäischen Wettbewerbes.

Mit Zauberei hat das wenig zu tun. Ich habe eine Gruppe von Spielern, die gerade in schwierigen Situationen das Beste daraus machen, auch wenn die täglichen Fahrten zum Sportforum Hohenschönhausen eine ziemliche Umstellung waren. Sie sind einfach bereit dafür.

„Wir haben noch zwei Ziele, die wir erreichen wollen“

Erschwerend kam hinzu, dass Ihnen mit Robert Kromm und Tomas Kmet zwei Führungsspieler wochenlang ausfielen. Kmet ist immer noch nicht einsatzfähig. Auch diese Phasen haben Sie überstanden.

Ja, aber wir wollen jetzt nicht zurück, sondern nach vorn schauen. Was bisher war, zählt nicht mehr. Wir haben noch zwei Ziele, die wir erreichen wollen.

Einmal hake ich noch nach: Selbst Ihr sehr unglückliches Scheitern in der Champions League (dort schieden die BR Volleys aus, weil Belogorie Belgorod wegen des politischen Streits mit der Türkei nicht in Izmir antrat, sondern das Spiel abschenkte, d.Red.) hat sich zum Positiven gewendet. Nun stehen Sie vor dem Gewinn des CEV-Cups, dem größten internationalen Erfolg des Vereins.

Das liegt nicht nur an mir, sondern an der gesamten Organisation der BR Volleys und vor allem an den Spielern.

„Wir müssen ruhig bleiben und auf unsere Chance warten“

Sie haben den CEV-Cup schon einmal gewonnen als Cheftrainer mit Piemonte Volley Cuneo. Wie stehen die Chancen, dass Ihnen das jetzt gegen Surgut ein zweites Mal gelingt?

Surgut spielt einen anderen Volleyball als alle Teams, gegen die wir in dieser Saison angetreten sind. Physischer. Die werden zum Beispiel stärker aufschlagen als wir. Wir sollten erst gar nicht versuchen, da mitzuhalten, sondern unseren Volleyball spielen. Wir müssen ruhig bleiben und auf unsere Chance warten. Wir müssen geduldig bleiben.

Was spricht für Ihr Team?

Das werde ich Ihnen nicht vorher verraten!

Sie könnten in Ihrem ersten Jahr in Berlin gleich das Triple gewinnen, womit vor der Saison wohl kaum jemand gerechnet hat. Welcher Titel wäre Ihnen denn der liebste: der Pokal, weil Berlin den so lange nicht gewonnen hatte? Der CEV-Cup, weil es Berlins erster internationaler Triumph wäre? Oder doch die Meisterschaft?

Jeder Titel ist mir wichtig, ich will sie alle gewinnen. Ich mag diese Phase besonders, denn jetzt ist es einfach, mit den Spielern zu arbeiten. Alle sind motiviert, jedes nächste Spiel ist bedeutend. Sie trainieren gut, sind konzen-triert und wissen, dass es jetzt darauf ankommt.

„Warum sollten wir uns nicht weiterentwickeln?“

Hätten Sie gern mehr junge deutsche Spieler, um sie nach oben zu führen?

Ja, natürlich. Wenn ich ein Talent sehe, gern. Aber ich will mehr sehen.

Sie haben mit Tours die Champions League gewonnen, damals überraschend. Ist das mit den BR Volleys möglich? Der VfB Friedrichshafen hat es doch 2007 auch geschafft.

In diesem Moment glaube ich es nicht, dafür reicht aktuell unser Niveau noch nicht aus. Aber warum sollen wir uns nicht weiterentwickeln? In Zukunft glaube ich schon daran. Man kann die aktuelle Situation aber nicht mit 2007 vergleichen. Die Konkurrenz aus Polen, Russland und der Türkei ist jetzt viel stärker, als das damals der Fall war.