Volleyball

BR Volleys wollen Roeselares Flug ins All stoppen

Die BR Volleys können sich zum ersten Mal für ein europäisches Endspiel qualifizieren. Hoffnung ziehen sie aus Videos des Gegners.

Ruben Schott (r.) ist einer von vier deutschen Spielern bei den BR Volleys

Ruben Schott (r.) ist einer von vier deutschen Spielern bei den BR Volleys

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  – Gerade einmal vier Wochen ist es her, da flog der erste Volleyball ins All. Was unvorstellbar klingt, machten vier Spieler von Knack Roeselare möglich. Als „Sons of Gravity“ lassen sich die Volleyballer des belgischen Klubs die verrücktesten Dinge rund um ihr Spielgerät einfallen und stellen die Videos davon ins Netz.

Der neunfache belgische Meister will hoch hinaus, aktuell ist das Finale des Europapokals ihr Ziel. Diesen Wunsch haben die Belgier mit den BR Volleys gemein, die sich am Sonnabend zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte für ein europäisches Endspiel qualifizieren könnten (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Während Roeselare dabei fast ausschließlich auf belgische Spieler setzt (elf von 15), sind im Kader der BR Volleys mit Robert Kromm, Felix Fischer, Ruben Schott und Sebastian Kühner lediglich vier deutsche Spieler zu finden (von zwölf). „Vor allem sind das bis auf Kromm Ergänzungsspieler“, sagt Vital Heynen.

Spieler der Spitzenteams kommen aus eigenem Land

Der Trainer der deutschen Männer-Nationalmannschaft, der ab 2017 die belgische Auswahl trainiert, meldet sich gern zu Wort, wenn es darum geht, dass in der Bundesliga zu wenig deutsche Talente eingesetzt werden. „In Belgien war das früher auch so, als Spieler war ich lange Zeit der einzige Belgier in meinem Team“, sagt er.

Inzwischen spielen die zwei Spitzenteams Roeselare und Maaseik anders als Berlin oder Friedrichshafen hauptsächlich mit eigenen Leuten. „Vielleicht verfügen die über mehr finanzielle Mittel oder die Qualität der belgischen Nationalspieler reicht nicht aus für einen internationalen Spitzenklub“, sagt Kaweh Niroomand.

Der Geschäftsführer der BR Volleys wünscht sich auch mehr deutsche Spieler in der Bundesliga. „Die finanziellen Mittel reichen aber nicht, um zum Beispiel einen Denis Kaliberda in Deutschland zu halten, und wenn wir mit den Deutschen spielen, die hier sind, müssen wir uns von solchen Zielen wie der Champions League verabschieden. Ich habe das mit dem SCC ja mal zwei Jahre versucht.“

Fischer profitiert von Kmets Ausfall

Dieses Modell funktioniere nur, wenn eine Ausländerquote eingeführt werde, die auch Heynen seit Jahren fordert. In vielen internationalen Ligen gibt es diese bereits, in Deutschland und Belgien aber nicht. „In Belgien haben die Klubs aber von sich aus reagiert“, sagt Heynen.

Warum das in Deutschland nicht funktioniert, versteht er nicht: „Ich glaube nicht, dass ein Felix Fischer so schlecht spielt, trotzdem ist er kein Stammspieler.“ Der Berliner Mittelblocker hat in den vergangenen Partien vor allem deshalb gespielt, weil Tomas Kmet wegen einer Operation am Ellenbogen weiterhin verletzt ausfällt.

Im Hinspiel gegen Roeselare sorgte er mit einem Ass für den Sieg seines Teams. „Er war der Matchwinner“, sagt Niroomand. „Wenn er diese Form beibehält, spielt er auch, wenn Kmet da ist.“ Am Sonnabend wird Fischer definitiv auf dem Feld stehen, genau wie Kromm, der im Hinspiel wegen eines Magen-Darm-Infekts kurzfristig passen musste.

„Wir müssen von Anfang an aggressiv sein“

Wenn die BR Volleys gewinnen, stehen sie aufgrund des 3:2 im Hinspiel im Finale. Sollte es erneut in den Tiebreak gehen und Roeselare gewinnt, erwartet das Publikum wie schon in der Challenge Round gegen VaLePa Sastamala ein „Golden Set“ bis 15 Punkte, der die Entscheidung bringen muss. Gewinnt Belgien 3:0 oder 3:1, müssen sich die Berliner von ihrem Finaltraum verabschieden. Und die Belgier kommen dem All ein wenig näher.

„Wir müssen von Anfang an aggressiv sein“, sagt Kromm. Heynen glaubt, dass für die Belgier einiges möglich ist. „Die haben vielleicht nicht die besten Spieler der Welt, aber das ist eine Mannschaft, die richtig kämpfen kann“, sagt er.

Das konnte man bereits im Hinspiel sehen, als sich beide Teams einen Kampf über mehr als zwei Stunden lieferten, den Kromm zu seinem Leidwesen nur im Live Score von seinem Hotelbett aus verfolgen konnte. „Die Internetverbindung war für einen Stream zu schlecht“, klagt er. Vor dem Spiel wird er sich den Gegner aber noch einmal im Video ansehen.

Den Film vom ersten Volleyball im All hat er sich bereits mit seinem Sohn angeschaut. „Das ist schon ziemlich cool, was die Jungs von Roeselare da machen“, sagt Kromm. „Das kostet aber sicher Zeit, vielleicht trainieren sie dafür nicht so viel“, fügt er an, in der Hoffnung, die „Sons of Gravity“ am Sonnabend auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.