Volleyball

Der Pokal für die BR Volleys war erst der Anfang

Nach dem Pokalsieg haben die BR Volleys weitere Titel im Visier. Über den Triumph freute sich eine Volleys-Ikone besonders.

Foto: imago/Sebastian Wells

Mannheim.  Er würde gern öfter mal ein Bier trinken, sagte Roberto Serniotti schmunzelnd. „Aber ihr seid ja immer so professionell“, ergänzte der Trainer der BR Volleys an seinen Kapitän Robert Kromm gewandt.

Serniotti war ziemlich gesprächig am Sonntagabend. Das lag einerseits daran, dass seine Mannschaft gerade den deutschen Volleyball-Pokal gewonnen und damit eine 16 Jahre währende Durststrecke des Vereins beendet hatte. Zum anderen hatte der Italiener mit Kapitän Robert Kromm einen Dolmetscher an der Seite.

„Jetzt kann ich endlich mal sagen, was ich schon in den vergangenen zwei Monaten gern erzählt hätte“, sagte Serniotti. Zum Beispiel das: „Als ich nach Berlin kam, hieß es immer nur: der Pokal, der Pokal. Es war wichtig, diesen Titel endlich mal zu holen“, sagte der Trainer, dem das anders als einigen seiner Spieler nun im ersten Anlauf gelungen ist.

Als ein Mann die Arbeit von acht machte

Einer weiß genau, was dieses „endlich“ bedeutet. Nein, hier ist nicht Leonardo DiCaprio gemeint, für den am Sonntag ebenfalls eine lange Zeit des Wartens endete, als er 22 Jahre nach seiner ersten Nominierung endlich den Oscar als bester Hauptdarsteller in den Händen hielt.

Die Rede ist vielmehr von Günter Trotz, 1993 bis 2009 Geschäftsführer der Berliner Volleyballer. Drei Pokalsiege konnte er mit dem Klub feiern, 1994, 1996 und 2000. Auf den neuerlichen Triumph musste er neun Jahre im Amt warten und weitere sieben darüber hinaus. „Das wurde jetzt auch mal Zeit. Ich freue mich, das ist ja mein Baby“, sagte er.

Der heute 74-Jährige hat in seinen Anfängen alle Bereiche allein beackert, für die heute acht hauptamtliche Mitarbeiter bei den BR Volleys zuständig sind. Inzwischen hat Volleyball in Berlin ganz andere Dimensionen erreicht – allerdings nicht nur dort.

Mannheim war gut für das deutsche Volleyball

Auch in Mannheim gelang ein Pokalfinale, wie es bis dato noch keines gegeben hatte. „Das Fazit fällt sehr positiv aus“, sagte DVV-Präsident Thomas Krohne. „Wir haben einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt, waren fünf Stunden live im TV und haben mit den Möglichkeiten der SAP Arena das Niveau der Veranstaltung auf ein neues Level gehoben.“

Michael Evers, Präsident der Volleyball-Bundesliga, fügte an: „Das war schon fast zu perfekt für die Premiere und hat mich an die Volleyball-WM 2014 in Polen erinnert.“

Perfekt war auch der Auftritt der Berliner Volleyballer, die sich in einen regelrechten Rausch gespielt hatten und so viel auf dem Feld lachten, wie man es in dieser Saison noch nicht oft gesehen hat. „Wir sind dabei, eine Mannschaft zu bilden und das geht nur über solche Spiele“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand.

Der Teamgeist führte Kromm, Francesco De Marchi und Sportdirektor Roko Sikiric dann auch als erstes ins Krankenhaus. Mit dem Pokal im Gepäck besuchten sie den verletzten Tomas Kmet, bevor sie ihren Sieg in der Mannheimer Innenstadt begossen.

Der Slowake war am Sonnabend wegen einer plötzlich aufgetretenen Entzündung im Ellenbogen operiert worden und konnte daher nicht im Endspiel dabei sein. „Er hat sich sehr gefreut, aber natürlich sind auch gemischte Gefühle dabei“, sagte Kromm, als er ins Mannschaftshotel zurückkehrte.

Die Berliner widmen den Pokal dem verletzten Tomas Kmet

Seit 2011 spielt Kmet in Berlin, auch ihn hatte die Sehnsucht nach dem Titel erfüllt. Am Montag konnte er nicht einmal mit der Mannschaft zurückfliegen, das erlaubte sein Gesundheitszustand noch nicht.

„Wir widmen diesen Titel Kmet. Den nächsten holt er dann mit uns“, sagte Roberto Serniotti, und das klang wie eine Ansage. Tatsächlich könnten die BR Volleys in dieser Saison noch zwei weitere Titel gewinnen. Der eine betrifft die Meisterschaft, der andere den CEV-Cup.

Der europäische Wettbewerb ist allerdings schnell vorbei, wenn die BR Volleys am Donnerstag nicht 3:0 oder 3:1 gegen VaLePa Sastamala gewinnen (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Und selbst dann muss der Einzug ins Halbfinale direkt im Anschluss in einem sogenannten goldenen Satz zwischen den beiden Teams ausgespielt werden, da die Volleys in Finnland verloren hatten (1:3). Zwei Tage später steht dann schon die Reise nach Frankfurt an, zum Tabellendritten United Volleys RheinMain.

„Die Feier ist für die Spieler“

„Es ist notwendig, die Situation jetzt unter Kontrolle zu halten“, sagte Roberto Serniotti. Diagonalangreifer Paul Carroll, der mit 17 Punkten zum besten Spieler des Finales gewählt wurde, weiß genau, wovon sein Trainer spricht.

2011 gewann er mit Haching den DVV-Pokal. „Danach war die Spannung raus, und wir haben im Play-off verloren“, sagte er. Das war auch der Grund, warum Serniotti sich bereits vor 22 Uhr aus der Hotellobby in Mannheim verabschiedete.

„Ich starte gleich die Analyse für das CEV-Spiel“, sagte er. Assistenztrainer Koichiro Shimbo habe zwar gefragt: „Was ist mit der Party?“, aber Serniotti blieb zunächst hart: „Die Feier ist für die Spieler.“

Die starteten ihre Party recht gemächlich, begaben sich zunächst zu zwölft in eine Mannheimer Cocktailbar, bevor dann nach und nach alle Spieler und Betreuer zu einem ausgelassenen Miteinander einfanden – am Ende war sogar Serniotti dabei. Der ließ es aber ruhig angehen. „Wenn du das letzte Spiel der Saison gewinnst, ist das etwas anderes“, sagte er. Ganz professionell eben.