Volleyball

Bühl kämpft um den Volleyball-Pokal und ums Überleben

Im Finale gegen die BR Volleys wird ein Zuschauerrekord erwartet. Die Berliner sind Favorit gegen Bühl, aber sie sind gewarnt.

Abgeschmettert: Das letzte Duell gegen Bühl verloren die BR Volleys mit Robert Kromm (am Ball) Anfang des Jahres

Abgeschmettert: Das letzte Duell gegen Bühl verloren die BR Volleys mit Robert Kromm (am Ball) Anfang des Jahres

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin.  Für das ganz besondere Spiel hat sich Francesco de Marchi etwas ganz Besonderes ausgedacht. Der italienische Außenangreifer der BR Volleys wird an diesem Sonntag (16.45 Uhr, Sport1) mit einer Schuh-Spezialanfertigung von Ausrüster Mizuno das Parkett der Arena in Mannheim betreten, verziert mit neuem Logo und der Aufschrift „DVV-Pokalfinale“. Das ist sehr hübsch.

Im Saisonetat klafft eine Lücke von 150.000 Euro

Beim Endspielgegner, dem Bundesligasechsten TV Bühl, haben sie andere Sorgen als „La bella figura“. In der badischen Kleinstadt nahe der französischen Grenze geht vor dem wichtigsten Tag in der mehr als 150-jährigen Klubgeschichte die Angst um, wie und ob es mit dem Volleyball dort weitergehen soll.

Zwar sind jetzt wenigstens die letzten ausstehenden Spielergehälter gezahlt worden, wie Teammanager Luciano Lago berichtete. Sponsoren seien eingesprungen, so dass sich die Mannschaft wieder auf ihre sportliche Aufgabe, sprich das Pokalfinale konzentrieren kann. Aber die Sorgen sind damit sicher nicht dauerhaft vom Tisch – der Verein gab vor Kurzem bekannt, dass im Saisonetat eine Lücke von 150.000 Euro klafft. Ein ärgerliches Störfeuer vor dem Finale gegen den sechsmaligen Deutschen Meister und Tabellenführer aus der Hauptstadt, auch wenn Kapitän David Sossenheimer seine Teamkollegen beschwört: „Mit viel Kampfgeist können wir als junge Mannschaft dem Favoriten gefährlich werden.“

Eine von zwei Niederlagen in dieser Saison gegen Bühl kassiert

Die Berliner werden nicht gerade vor Ehrfurcht erstarren, doch gewarnt sind sie allemal. Eine ihrer zwei Saisonniederlagen gegen nationale Konkurrenz erlitten sie zu Jahresbeginn beim 2:3 in Bühl. „Das zeigt die Qualität, die dieses relativ junge Team hat“, lobt Berlins Diagonalangreifer Paul Carroll.

Außerdem haben die Süddeutschen, trotz aller Probleme, die andere Branchengröße VfB Friedrichshafen geschlagen nach Hause geschickt. Und im bisherigen Verlauf des Pokalwettbewerbes haben sie drei andere Bundesligisten ausgeschaltet: zunächst Coburg, danach Rottenburg, im Halbfinale schließlich die starke Truppe aus Lüneburg. Zum ersten Mal stehen die Bühler im Cup-Endspiel.

Seit 2000 den deutschen Pokal nicht mehr gewonnen

Das kann man vom Favoriten nicht sagen. Allerdings fühlen sich auch die BR Volleys ein bisschen wie Neulinge, denn während sie in den vergangenen 15 Jahren allein fünf Mal Meister wurden, haben sie den deutschen Pokal seit 2000 nicht mehr gewonnen. Dreimal scheiterten sie im Endspiel am VfB Friedrichshafen, meistens kamen sie aber gar nicht so weit. „Dieses Jahr sind wir dran“, sagt Carroll, aber es klingt wie eine Mischung aus Überzeugung und großer Sehnsucht. In den zehn Jahren, in denen das Finale als größtes deutsches Volleyball-Fest in Halle/Westfalen stattfand, hatten die Berliner nie einen Grund zu feiern.

Nun findet die Premiere in Mannheim statt, den Neustart wollen die BR Volleys auch für sich als solchen nutzen. Der Zuschauerrekord vom März 2006 (11.100 Fans) dürfte an diesem Sonntag fallen; 12.500 Zuschauer fasst die Arena, die Organisatoren rechnen mit einer ausverkauften Halle. Es gibt neue Pokale zu gewinnen: Dunkelgrau-golden ist der für die Männer, perlhellgrau-rosé der für die Frauen, um den sich der MTV Stuttgart und der Dresdner SC (14.05 Uhr) vor dem Männer-Finale streiten.

Kromm will im vierten Anlauf endlich den Cup gewinnen

Bundestrainer Vital Heynen mag sich in seiner Prognose nicht völlig festlegen, eindeutig klingen die Worte des Belgiers trotzdem: „So groß war die Chance für Berlin noch nie.“ Schließlich hat das Team von Coach Roberto Serniotti in der Bundesliga als Spitzenreiter sechs Punkte Vorsprung vor Friedrichshafen, sogar 23 vor Bühl und zuletzt viermal in Folge 3:0 gewonnen. „Wir sind in guter Verfassung“, sagt der Italiener. Auch Robert Kromm (31), der bei allen drei verlorenen Endspielen dabei war, gibt sich darauf angesprochen kämpferisch: „Es wird Zeit, dass sich das ändert.“