Volleyball

Wenn der Manager nach dem Spiel das Geschirr abräumt

Die BR Volleys und die Netzhoppers Königs Wusterhausen trennen Welten. Am Sonnabend treffen die Teams in der Bundesliga aufeinander.

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Bestensee/Berlin.  Vier große, prall gefüllte Geschirrkörbe nähern sich dem Flur. An der Türschwelle bleiben sie kurz hängen, dahinter lugt ein Kopf hervor. „Kein Problem, ich mache das schon“, sagt die dazugehörige Stimme, ein Arm schnellt hervor, hebt die Korbladung kurz an und zieht sie über die Erhöhung.

Die Uhr zeigt 22.15 Uhr, das Spiel zwischen den Volleyball-Bundesligisten Netzhoppers Königs Wusterhausen und VfB Friedrichshafen ist seit fast anderthalb Stunden beendet. Der Mann, der im weißen T-Shirt und Jogginghose die Geschirrberge durch die Räumlichkeiten der Arena Bestensee transportiert, ist Arvid Kinder (35), Geschäftsführer der Netzhoppers.

Zwei Tage zuvor hätte sich eine ähnliche Szene in der nur 50 Kilometer entfernten Max-Schmeling-Halle so wohl kaum zugetragen. Auch die BR Volleys spielten da gegen den VfB Friedrichshafen.

Zwei Millionen gegen 400.000 Euro

Anderthalb Stunden nach Spielende räumte allerdings das Reinigungspersonal Geschirr und Essensreste aus dem VIP-Raum, in dem Kaweh Niroomand (63), Geschäftsführer der BR Volleys, zuvor in eleganter Stoffhose und edlem Kaschmirpullover Gespräche mit Partnern und potenziellen Geldgebern geführt hatte.

Wenn sich die Berliner und ihre Nachbarn aus Brandenburg am Sonnabend in der Max-Schmeling-Halle gegenüberstehen (18.30 Uhr, sportdeutschland.tv), ist das nicht nur ein Kampf zwischen dem Tabellenführer und dem Tabellenvorletzten.

Es treffen auch ein Etat von zwei Millionen Euro und ein Budget von 400.000 Euro aufeinander. „Die Höhe des Etats und die Tabellensituation hängen sicher zusammen“, sagt Arvid Kinder.

Hauptamtlicher Geschäftsführer war Vorgabe der Liga

Von 2005 bis 2015 war Kinder selbst Spieler bei den Netzhoppers. Nachdem er seine aktive Karriere nach der vergangenen Saison beendet hatte, wechselte der Diplom-Sportwissenschaftler hauptamtlich in die Geschäftsführung – Volkmar Mann, der den Verein noch als Finanzmanager unterstützt, machte das zuvor ehrenamtlich.

„Ein hauptamtlicher Geschäftsführer war Vorgabe der Liga, zudem haben wir unser Team rund um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit professioneller aufgestellt“, sagt Kinder. Eine neue Internetverbindung wurde gelegt, um das Kamera-Streaming der Spiele aus der Arena Bestensee zu gewährleisten.

Dazu gehörte auch die Anschaffung von professionellem Equipment. Diese Investitionen machen sich im Haushaltsplan bemerkbar. „Entweder man schafft es, mehr Etat zu generieren, oder man muss an anderer Stelle sparen, zum Beispiel bei den Personalkosten“, sagt Kinder.

Fast alle Spieler haben einen regulären Job oder studieren noch

Drei bis vier Spieler im Kader betreiben den Sport professionell, der Rest geht nebenbei regulären Jobs nach oder studiert. Es ist ein Kompromiss, den vor allem die Spieler derzeit bereitwillig eingehen. „Die Jungs verdienen nicht viel, aber der Aufwand, den sie betreiben, mit 20 bis 25 Stunden Training die Woche, ist absolut bundesligatauglich“, sagt Kinder.

Dass sie sportlich mithalten können, zeigten die Netzhoppers im Hinspiel gegen die BR Volleys, da nahmen sie ihren Nachbarn den ersten Satz der Saison ab und sorgten über vier Sätze für ein nahezu ausgeglichenes Spiel, das die BR Volleys am Ende 3:1 gewannen.

„Wenn man uns unterschätzt und nicht hundert Prozent gibt, nutzen wir unsere Chance“, sagt Kinder. Darauf hofft er auch am Sonnabend, denn er kann sich an keinen Satz erinnern, den die Netzhoppers je auswärts gegen Berlin gewonnen haben. „Das sollte am Sonnabend das erste Ziel sein“, sagt er.

Eine Steigerung des Etats um 20 Prozent für die kommende Saison ist der nächste Schritt. „Ich denke, dass es möglich ist, den Verein langfristig unter den zehn besten Teams der Bundesliga zu etablieren“, glaubt Kinder. Dafür räumt er nach den Heimspielen auch gern weiter das Geschirr zusammen.