Volleyball

Russische Einflussnahme sorgt für Bitterkeit bei BR Volleys

CEV sperrt russichen Klub Belgorod nicht. BR Volleys haben dadurch kaum noch Chancen auf das Weiterkommen in der Champions League

Gegen den Dreierblock setzt sich Paul Carroll (links) durch, gegenüber der Entscheidung des europäischen Volleyball-Verbandes ist auch er machtlos

Gegen den Dreierblock setzt sich Paul Carroll (links) durch, gegenüber der Entscheidung des europäischen Volleyball-Verbandes ist auch er machtlos

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  14 Tage ist es her, dass die Volleyballspieler aus Belgorod wegen politischer Spannungen zwischen Russland und der Türkei nicht zum Champions-League-Spiel in Izmir angetreten sind. Noch immer hat der europäische Dachverband CEV keine offizielle Stellungnahme bezüglich der Wertung des Spiels formuliert. „Ich gehe davon aus, dass wir spätestens am Donnerstag oder Freitag die Entscheidung kommunizieren“, sagte CEV-Generalsekretär Torsten Endres der Morgenpost.

Favorit Belgorod verzerrt das Gruppenergebnis

Die BR Volleys wissen schon mehr: „Inoffiziell ist durchgesickert, dass das Spiel 3:0 für Izmir gewertet wird“, sagte Manager Kaweh Niroomand am Sonntag. Wird die Entscheidung bestätigt, hat Izmir beste Aussichten, den zum Weiterkommen benötigten zweiten Platz in Gruppe A zu belegen. Belgorod kann das 0:3 verschmerzen, der Favorit hat bislang jedes Spiel 3:0 gewonnen.

„Normalerweise gewinnen die auch in Izmir“, sagte Niroomand, der die Disqualifikation der Russen gefordert hatte – genau, wie es dem USC Münster 2012 passiert war, als der Klub wegen des Nahost-Konfliktes nicht nach Israel fliegen wollte. „Münster war raus, weil es in diesem Fall nur ein Hin- und Rückspiel gab, prinzipiell wurde auch dieses Spiel 0:3 gewertet“, sagte Endres. Paul Carroll hat eine andere Theorie: „Die russischen Klubs haben das meiste Geld, die will der Verband nicht belangen“, sagte der Topscorer der Berliner.

Sonderregeln auch in der Fußball-Champions-League

Auch im Fußball nimmt Russlands Politik Einfluss: Als bei der Champions-League-Auslosung nur noch St. Petersburg und Manchester City als mögliche Gegner von Benfica Lissabon im Topf lagen, stand die Ansetzung bereits vor der Ziehung fest. Im anderen Lostopf rollte nämlich nur noch die Kugel von Dynamo Kiew, und das Uefa-Exekutivkomitee hatte vorab festgelegt, dass Teams aus Russland und der Ukraine wegen des Ostukraine-Konfliktes nicht gegeneinander antreten.

In der Europa League muss Lokomotive Moskau bei Fenerbahce Istanbul antreten. Ob diese Partie im Februar stattfinden wird, ist noch fraglich, wenn man die Erfahrung aus dem Volleyball heranzieht. Die BR Volleys müssen nun am Mittwoch in Bulgarien gewinnen, bevor sie am 20. Januar die starken Russen empfangen. Niroomand reagierte ob seiner Machtlosigkeit mit bitterem Spott: „Vielleicht sollten wir Frau Merkel anrufen, ob sie nicht einen kurzen Streit mit Wladimir Putin anzetteln kann. Dann bekommen wir auch drei Punkte.“