Volleyball

Wie Aufsteiger Rüsselsheim die Liga verblüfft

2014 wurde Volleyball in Rüsselsheim noch in der Zweiten Liga gespielt. Jetzt mischt der Aufsteiger mit neuem Konzept die Liga auf.

Wie eine Wand: Die United Volleys Rhein Main (in blauen Trikots) wehren einen Angriff ab. Der Aufsteiger stürmte auf Platz zwei der Bundesliga

Wie eine Wand: Die United Volleys Rhein Main (in blauen Trikots) wehren einen Angriff ab. Der Aufsteiger stürmte auf Platz zwei der Bundesliga

Foto: imago/Rene Schulz

Berlin.  In der Volleyball-Bundesliga gibt es einen Klub, der die Experten in Erstaunen versetzt. Mit sechs Siegen aus acht Spielen haben sich die United Volleys Rhein Main auf Tabellenplatz zwei einsortiert. Als sei das nicht genug, warf der Aufsteiger vor zwei Wochen den VfB Friedrichshafen aus dem Pokal-Wettbewerb. Damit wird der Rekordmeister zum ersten Mal seit 2010 nicht am Cup-Endspiel teilnehmen. Am Donnerstag haben nun die United Volleys die Chance, mit einem Sieg gegen die BR Volleys (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) erstmals ins Pokalfinale einzuziehen.

Für Talente fehlte ein Konzept in Deutschland

„Dass es so gut läuft, damit konnte keiner rechnen“, sagt Christian Dünnes. Der Diagonalangreifer, der in der vergangenen Saison noch in Berlin spielte, ist der Anführer des Klubs, der aus der TG Rüsselsheim hervorgegangen ist. Angeworben wurde er von Manager Henning Wegter (28). Der war einmal ein vielversprechendes Volleyball-Talent. Zwischen 2004 und 2007 trainierte der zwei Meter große Mittelblocker in Berlins Nachwuchsschmiede VC Olympia und spielte für die Junioren-Auswahl. „Ich kenne den Aufwand, den junge Sportler betreiben“, sagt er. Dass davon oft nicht viel übrig bleibt, sieht er auch in der mangelnden Anschlussförderung begründet.

„Der Sprung zwischen 18 und 23 Jahren ist zu groß, da fehlt ein Konzept in Deutschland“, sagte er. Das dachte sich auch Geschäftsmann Jörg Krick, dessen Sohn Tobias (17) mit 2,11 Meter aktuell zu den deutschen Nachwuchshoffnungen gehört. Krick hatte den Plan, mit Liga und Verband eine U23-Nationalmannschaft ins Leben zu rufen.

Christian Dünnes ist Anführer des jungen Teams

Die Zusammenarbeit scheiterte aber, also taten sich Krick und Wegter zusammen. „Ich will erreichen, dass sich die Jungs, die mit 18, 19 Jahren vom VCO weggehen, in einer professionellen Umgebung weiterentwickeln können“, sagt Wegter. Mit einem Altersschnitt von 22 Jahren stellen die Rüsselsheimer das jüngste Team der Liga. Erfahrene Profis wie Dünnes und Lukas Bauer stabilisieren das Gerüst. „Dieses ambitionierte Projekt, fast von Null eine Mannschaft aufzubauen, hat mich interessiert“, sagt Dünnes.

Interesse allein genügt bei so einer Aufgabe aber nicht. Auf knapp 750.000 Euro beläuft sich der Etat der United Volleys, der etwa zur Hälfte von Krick bereitgestellt wird. Ein großer Kostenpunkt ist die 5.000 Zuschauer fassende Ballsporthalle Frankfurt, die der Klub für jedes Ligaspiel mietet. „Es war natürlich mutig, gleich in diese Arena zu gehen“, sagt Dünnes.

BR Volleys sind Vorbild des Rüsselsheimer Start-ups

Krick hatte sich die BR Volleys als Vorbild genommen, die seit 2011 alle ihre Heimspiele in der 9.000 Zuschauer fassenden Schmeling-Halle austragen. „Jörg war häufig in Berlin und hat Tipps von uns bekommen“, sagt Kaweh Niroomand. Der Manager der BR Volleys hält viel von dem Rüsselsheimer Projekt. „Es ist ja in unserem Interesse, wenn durch solche Initiativen die Liga attraktiver wird.“

Allerdings gibt es auch Vorbehalte, schließlich hat die Liga in den vergangenen Jahren an Moers oder Unterhaching erlebt, wie von nur einem Investor abhängige Klubs scheiterten. „Ein Mäzen ist aber genau das, was wir nicht wollen“, sagt Wegter. Er sieht Krick eher als „Business-Angel“, die United Volleys als Start-up, das sich bald selbst finanzieren soll und erst innerhalb der nächsten drei Jahre die Spitze angreifen wollte. Dass der Klub schon jetzt oben mitspielt, liegt auch an Trainer Michael Warm. Dem ehemaligen Coach der BR Volleys, der nebenbei die österreichische Auswahl trainiert, wird ein Händchen für die Ausbildung junger Spieler nachgesagt. „Er ist einer von ganz Wenigen, die für diese Anforderungen geeignet wären und wichtiger Bestandteil für unseren Erfolg“, sagt Dünnes, der seine gesamte Jugend unter Warm trainiert hat.

Im Pokal wurde der Titelverteidiger überrumpelt

Auf Augenhöhe mit den BR Volleys sieht Dünnes sein Team aber nicht: „Die sind bislang über alle drübergefahren, da müssen wir uns demütig hinten anstellen“, sagt er. Wegter bezeichnet die Berliner gar als „das Bayern München im Volleyball. Davon sind wir meilenweit entfernt.“ Das hoffen auch die BR Volleys; die wollen endlich ihren Pokalfluch besiegen und am 28. Februar in Mannheim ganz oben auf dem Podest stehen. „Ich hatte diesen Wettbewerb fast abgeschrieben“, sagt Niroomand. „Entweder spielten wir schlecht, oder wir hatten ein schlechtes Los. Dieses Mal ist das Los ganz ordentlich.“ Schließlich haben die United Volleys mit Friedrichshafen den bislang größten Konkurrenten der Berliner ausgeschaltet.