Volleyball

Wenn der Bruder auf die andere Seite des Netzes wechselt

| Lesedauer: 4 Minuten
Dietmar Wenck
Erik Shoji (l.) und sein Bruder Kawika Shoji sind in der Champions League Kontrahenten

Erik Shoji (l.) und sein Bruder Kawika Shoji sind in der Champions League Kontrahenten

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Vier Jahre war Kawika Shoji Publikumsliebling bei den BR Volleys. Nun tritt er mit Arkas Izmir als Gegner in der Schmeling-Halle an.

Berlin.  Die Frage, was ihm an seinem neuen Arbeitsplatz besser gefällt, ist für Kawika Shoji leicht beantwortet. „Das Wetter“, sagt er grinsend. Gerade ist er auf dem Flughafen Tegel gelandet, und die Stadt, in der er vier Jahre für die BR Volleys antrat, hat ihn doch mit freundlicher Herbstsonne empfangen. Aber an der türkischen Ägäis, wo Shoji jetzt das Trikot von Arkas Izmir trägt, strahlt sie eben wärmer auf die Haut des Hawaiianers, mit 16, 17 Grad. „Ich fühle mich dort sehr wohl“, sagt der 28-Jährige.

Der leidenschaftliche Kämpfer war Liebling der Fans

Es ist ein bisschen verrückt, dass er an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) bei seinem ersten internationalen Einsatz ausgerechnet auf den Klub trifft, für den er auch sein bis dahin letztes Champions-League-Spiel bestritt: BR Volleys gegen Arkas Izmir. Im März stand Shoji noch im Final Four, jetzt ist es das erste Gruppenspiel der neuen Saison. „Ich freue mich darauf, meine alten Teamkameraden wiederzusehen und die einmaligen Fans.“ Der leidenschaftliche Kämpfer Shoji war der Liebling der Zuschauer in der Schmeling-Halle.

Natürlich freut er sich auch auf seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Erik, der in Berlin blieb. Aber die Trennung der Beiden währte nicht lang genug, um Sehnsucht aufkommen zu lassen. Sie waren bis Anfang Oktober gemeinsam monatelang mit der US-Nationalmannschaft unterwegs und haben sich dabei für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert. Außerdem vergeht kaum ein Tag, an dem sie sich nicht über FaceTime oder Textmitteilungen jeglicher moderner Art austauschen. Mal darüber, wie es ihnen persönlich geht, mal darüber, wie sich ihre neu zusammengestellten Teams entwickeln. Beide sind also komplett auf dem Laufenden, was die Mannschaft des anderen angeht.

Arkas hat in der türkischen Liga zweimal verloren

Kawika Shoji hat zusätzlich die Partien der BR Volleys im Internet verfolgt. Und war durchaus angetan: „Es gefällt mir gut, was ich gesehen habe“, lautet sein Urteil, „die BR Volleys sind wieder eine ganz gute Mannschaft. Man muss nur sehen, wie sie sich in den entscheidenden Momenten eines wichtigen Spiels präsentieren. Darauf kommt es an.“

Vermutlich würde er sich wünschen, dass dies seinem aktuellen Team schon besser gelänge. Die ersten beiden Saisonspiele in der nationalen Liga hat der viermalige türkische Meister jeweils unglücklich 2:3 verloren. Einige Verletzungen schwächen das wie die BR Volleys sehr international aufgestellte Arkas-Ensemble. Doch solcherlei Probleme werden bei den Berliner Fans kaum Mitgefühl erzeugen. Für beide Klubs geht es in diesem Spiel schon um zu viel.

Rang zwei ist zum Erreichen des Play-off nötig

Hinter dem vermeintlichen Gruppenfavoriten Belogorie Belgorod (Russland) streiten sie sich um Rang zwei, der zum Erreichen der Play-off-Runde nötig ist. „Das erste Spiel ist gleich enorm wichtig“, bestätigt Erik Shoji, da ruhen die Verwandtschaft und die Sympathien der Fans für vielleicht fünf Sätze. Der jüngere Bruder geht ohnehin mit den geringeren Emotionen in die Auseinandersetzung. Sowohl an der Highschool als auch in der Bundesliga, als er noch für CV Mitteldeutschland antrat, sind sich beide als Kontrahenten begegnet. Und die Fans stehen jetzt hinter ihm.

Aber das ist nur Sport. Im Frühjahr, wenn er etwas mehr Zeit hat, verspricht Kawika Shoji, Berlin einen privaten Besuch abzustatten. Seine Frau Megan tut das bereits jetzt, sie bleibt nicht nur zwei Tage, sondern eine Woche, Freunde besuchen. Egal, wie das Wetter wird.