Volleyball

Der TSV Herrsching wandelt abseits der Norm zum Erfolg

Der nächste Gegner der BR Volleys fällt in der zweiten Bundesliga-Saison auf – durch ausgefallene Kleidung und zwei Nationalspieler.

Patrick Steuerwald (links) und Julius Höfer sind nicht auf dem Weg auf die Wiesn, sondern nach Berlin, wo sie und Trainer Max Hauser (rechts) auf die BR Volleys treffen.

Patrick Steuerwald (links) und Julius Höfer sind nicht auf dem Weg auf die Wiesn, sondern nach Berlin, wo sie und Trainer Max Hauser (rechts) auf die BR Volleys treffen.

Foto: TSV Herrsching / BM

Berlin.  Mal springen die Volleyballspieler vom TSV Herrsching zu Werbezwecken in den eiskalten Ammersee, mal trampen sie zu Auswärtsspielen. Der Verein aus dem 10.000-Seelen-Ort in Oberbayern, der als selbsternannter „Geilster Club der Welt“ seit der vergangenen Saison die Bundesliga aufmischt, macht vieles anders als es der Norm entspräche. Momentan fällt die Mannschaft durch ihre Trikots auf: Blau-weiß-kariertes Hemd mit Hosenträgeraufdruck und eine Shorts in Lederhosenoptik. So werden die Herrschinger auch am Sonnabend in Berlin antreten, wenn sie gegen die BR Volleys spielen (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Herrschings Auftreten provoziert und polarisiert

„Unser Auftreten kommt nicht bei allen gut an“, sagt Herrschings Trainer Max Hauser, 31. Zu arrogant, zu provokant finden das einige Fans anderer Vereine. In Berlin ist das anders. „Die Zuschauer haben uns schon in der vergangenen Saison total abgefeiert“ sagt Hauser, und auch bei Unternehmen kommt das Produkt „Geilster Club der Welt“ gut an: Dank regionaler Sponsoren konnte Herrsching den Etat auf 420.000 Euro anheben. Das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Es geht von Jahr zu Jahr ein bisschen besser“, sagt Hauser. Das liegt auch daran, dass Herrsching nicht nur provoziert, sondern auch sportlich einiges zu bieten hat. Als Aufsteiger landete der Klub in der vergangenen Saison auf dem achten Tabellenplatz.

Das überraschte selbst Hauser. „Jetzt kann ich es ja sagen, ich hätte eigentlich gedacht, dass wir ganz schön verdroschen werden“, sagt Hauser und fügt an: „Wir hatten teilweise Spieler im Kader, die aus der Landesliga oder Verbandsliga kamen.“ Inzwischen hat der TSV aufgerüstet. Mit Patrick Steuerwald und Ferdinand Tille konnten die Oberbayern zwei deutsche Nationalspieler verpflichten. Libero Tille kam sogar von sich aus auf Herrsching zu: „Wir waren vor ungefähr einem Jahr zusammen auf einer Geburtstagsfeier, da hat er mich angesprochen, ich möge ihm einen Platz im Team freihalten“, sagt Hauser.

Nationalspieler Tille lehnt Angebote aus Berlin und Friedrichshafen ab

Zu dieser Zeit spielte Tille noch beim polnischen Spitzenklub Belchatow, Zweiter der Champions League 2015. Dort fühlte er sich aber nicht wohl, schon länger zog es ihn zurück nach Deutschland. Erstaunlich war nur, dass er nicht die lukrativen Angebot von Friedrichshafen oder Berlin annahm, die ihm laut eigenen Angaben vorlagen. In Herrsching aber gefiel ihm das Gesamtpaket: „Ich kann ab Januar ein Praktikum machen, meine Freundin wohnt in München, meine Familie in Mühldorf. Ich habe ein gutes Gefühl dabei“, sagt er. Individuelle Lösungen für jeden Sportler zu finden, ist gar nicht so einfach, weiß Hauser. „Wir sprechen viel mit Firmen, das ist sehr arbeitsintensiv“, sagt er. Doch die Spieler wissen das zu schätzen.

Der Umzug in eine höhere Halle steht bevor

Nur die Heimhalle stellt noch ein Problem dar. Sie ist mit sieben Metern Höhe zu niedrig und damit eigentlich nicht erstligatauglich. Die Volleyball-Bundesliga drückte bislang ein Auge zu, weil derzeit neue Hallen in Herrsching gebaut werden. „Die werden aber wohl nicht vor 2020 fertig“ bemängelt Hauser. Weg aus der Region will man eigentlich nicht, „aber vielleicht haben wir bald keine andere Wahl“, sagt Hauser. An diesem Wochenende muss er sich aber über andere Dinge Gedanken machen, zum Beispiel über die Schmeling-Halle, an die er trotz 16 Metern Höhe nicht so gute Erinnerungen hat: „Letztes Jahr haben wir hier ganz schön auf den Sack bekommen.“