BR Volleys

"In Frankreich sind viel mehr Klubs auf einem Niveau"

Nicolas Le Goff spricht über seinen Wechsel zu den BR Volleys, seine Tattoos und den Bundesligastart der Berliner am Sonntag gegen Bühl

Europameister in Volley-Diensten: Nicolas Le Goff aus Frankreich

Europameister in Volley-Diensten: Nicolas Le Goff aus Frankreich

Foto: Reto Klar

Berlin.  Als Nicolas Le Goff mit einer Stunde Verspätung endlich bei den BR Volleys auftauchte, unterbrach Manager Kaweh Niroomand mit einem Handzeichen das Training. Coach Roberto Serniotti legte den Ball weg, den er gerade einwerfen wollte, und klatschte. Der Rest der Mannschaft tat es ihm nach. Normalerweise ist Applaus für Verspätungen bei den Berliner Volleyballern nicht üblich. Bei dem amtierenden Europameister, der wegen des Staatsbesuchs von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Außenminister John Kerry eine gute Stunde im Berliner Stadtverkehr verbracht hatte, machte das Team eine Ausnahme.

Berliner Morgenpost: Herr Le Goff, gerade gelandet, haben Sie schon die erste Erfahrung mit dem Berliner Verkehr hinter sich. Ihr Eindruck?

Nicolas Le Goff: Es war fürchterlich (lacht).

Versetzen wir uns lieber ein wenig zurück und denken an ein schönes Erlebnis: Gratulation zum EM-Titel. Vier Mal scheiterte Frankreich schon in einem EM-Finale. Warum hat es dieses Mal geklappt?

Unser Trainer hat uns vor der EM gesagt, wie wichtig es ist, gut abzuschneiden. Wir hatten die World League im Juli gewonnen, und nicht viele Teams schaffen es, zwei große Turniere in einem Sommer zu gewinnen. Wir wollten unbedingt beweisen, dass der World-League-Titel nicht nur Glück war.

Das ist in Frankreich sicherlich gut angekommen. Wie haben Sie den Empfang erlebt?

Ich war leider nur einen Tag dort, aber es war cool. Für mich war es der erste EM-Titel und für Frankreich ja auch. Es gab sehr viel Aufmerksamkeit für uns, und ich wäre natürlich gern noch etwas länger geblieben.

Stattdessen starten Sie heute mit den BR Volleys in die Bundesliga (16 Uhr, Schmeling-Halle). Was halten Sie von dem Zeitplan?

Das ist alles ein bisschen knapp. In Frankreich ging es ja auch schon gestern los. Im vergangenen Jahr hatten wir drei Wochen frei zwischen Weltmeisterschaft und Liga, jetzt war es gerade mal eine Woche. Das ist schon schwierig.

Haben Sie sich bei Ihren französischen Kollegen schon über die Bundesliga informiert?

Ja, ich habe mit Baptiste Geiler (VfB Friedrichshafen, d. Red.) gesprochen. Und auch mit Benjamin Toniutti und Jenia Grebennikov. Sie haben mir erzählt, dass es sich in jedem Jahr zwischen dem VfB Friedrichshafen und Berlin entscheidet. Das sei das große Spiel.

Ist das Niveau mit dem der französischen Ligue Nationale de Volley vergleichbar?

Ich glaube, Friedrichshafen und Berlin sind besser als die besten französischen Klubs, dafür ist die Liga in Frankreich kompakter. Da sind viel mehr Klubs auf einem Niveau.

Geiler, Toniutti und Grebennikov haben alle in Friedrichshafen gespielt, warum haben Sie sich für Berlin – und überhaupt für die Bundesliga entschieden?

Ich wollte eine neue Liga entdecken. Ich hatte zwei Anfragen aus Frankreich, eine aus Italien und eine aus der Türkei. Aber mit den anderen Klubs waren die Gespräche sehr lose. Das Projekt, das Berlins Sportdirektor Roko Sikiric mir von den BR Volleys vorgestellt hat, hat mich überzeugt. Ich möchte mich weiterentwickeln, außerdem kann ich hier Champions League spielen.

Wollten Sie schon immer Volleyballer werden?

Eigentlich nicht. Ich war lange im Schwimmverein. Ich weiß gar nicht mehr so recht, warum eigentlich Volleyball. Ich habe in der Schule damit angefangen, und nach der langen Zeit im Individualsport hat mir vor allem der Teamspirit gut gefallen.

Sie spielten erst in Paris, dann in Montpellier und starten nun mit 23 Jahren Ihre erste Auslandsstation. Fiel es Ihnen schwer, wegzugehen?

Nein, ich habe mich darauf gefreut. Ich möchte jetzt endlich die anderen Spieler kennenlernen und loslegen. Meine Freundin ist mit hier, sie will Deutsch lernen und dann einen Job suchen. Ein Appartement haben wir auch schon, direkt in der Nähe meiner Kollegen Tsimafei Zhukouski und Tomas Kmet.

Das passt ja gut, Kaweh Niroomand meinte, von Kmet könnten Sie noch etwas im Block lernen.

Da hat er wohl Recht. Ich bin noch jung, ich kann mich überall verbessern.

Haben Sie ein Vorbild im Volleyball?

Vorbild nicht so richtig, aber ich mag den Kubaner Robertlandy Simón. Der greift stark an, blockt gut, hat einen super Aufschlag und springt so hoch.

Darüber hinaus ist er für eigenwillige Rasuren am Hinterkopf bekannt. Sie haben stattdessen Tattoos an den Armen, die vergangene Saison noch nicht zu sehen waren.

Stimmt, da hatte ich die nur im oberen Bereich unter dem Trikot. Ich habe sie jetzt weitergeführt, aber sie sind noch nicht fertig.

Haben die eine Bedeutung?

Links trage ich ein Datum, das mir sehr wichtig ist. Und rechts, das ist einfach nur eine Zeichnung.

Die BR Volleys erwarten heute bis zu 5.000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle. Was sind Sie aus Montpellier gewöhnt?

Da haben wir vor ungefähr 1.000 bis maximal 2.000 Zuschauern gespielt. Da ist das hier schon etwas anderes. Ich freue mich drauf und hoffe mal, dass ich auch spielen darf.