Volleyball

Warum Kaweh Niroomand Angst vor der nächsten Saison hat

Bald beginnt die Saison in der Bundesliga. Volleys-Manager Kaweh Niroomand beklagt die Ohnmacht der Klubs gegenüber den Verbänden.

Darauf ein Bier: Kaweh Niroomand (M.) bei seiner bisher letzten Meisterfeier 2014

Darauf ein Bier: Kaweh Niroomand (M.) bei seiner bisher letzten Meisterfeier 2014

Foto: dpa Picture-Alliance / Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Die Volleyball-Europameisterschaft endete für das deutsche Team schon im Viertelfinale mit einem 0:3 gegen Bulgarien. Kaweh Niroomand hat das wie viele Fans am Livestream von Laola1.tv verfolgt. Die Begeisterung des Geschäftsführers der BR Volleys wurde jedoch nicht nur dadurch getrübt; ihn ärgerte, dass die EM überhaupt zu diesem Zeitpunkt stattfand. Denn am 25. Oktober beginnt bereits die Bundesligasaison, für sein Team mit dem Spiel in der Max-Schmeling-Halle gegen den TV Bühl (15 Uhr).

Berliner Morgenpost: Herr Niroomand, wie hat Ihnen die Volleyball-EM gefallen?

Kaweh Niroomand: Einerseits gut, weil ich mich natürlich freue, wie viel über dieses Großereignis berichtet wird. Was mir nicht gefällt, ist, dass man den Zeitpunkt des Turniers so gewählt hat, dass er für alle Vereine, die europaweit Nationalspieler haben, sehr ungeeignet ist. Er schadet uns sogar kolossal.

Können Sie das konkreter sagen?

Eine vernünftige Saisonvorbereitung ist unmöglich. Wenn man zurückschaut, was seit dem letzten Finale um die Deutsche Meisterschaft im Mai passiert ist: Unsere amerikanischen Spieler mussten sofort weg, durften gerade noch die Abschlussfeier mitmachen. Auch alle anderen internationalen Spieler haben über die vergangenen sechs Monate verschiedene Turniere mitspielen müssen. Ob das der Weltcup in Japan war oder die Weltliga – das war ja auch immer verbunden mit wochenlangen Trainingslagern, um sich darauf vorzubereiten ...

... und jetzt noch die EM ...

Die wurde sonst meistens wenigstens im September ausgetragen, aber jetzt erst im Oktober. Das bedeutet, weil unser französischer Nationalspieler Nicolas Le Goff im Halbfinale steht, dass die BR Volleys ihren Kader erst drei oder vier Tage vor dem Saisonstart zusammenhaben werden.

Ist das denn so problematisch, wenn es fast alle betrifft?

Das ist jetzt ja nur der reine Zeitfaktor. Wie das in den Köpfen der Leute zugeht, die psychische Komponente, das ist eine andere Sache. Ich sehe das an unseren Amerikanern Erik Shoji und Paul Lotman: Von Japan sind sie nach Hawaii oder LA geflogen, haben ihre Wäsche gewechselt und kamen dann, nach über fünf Monaten mit ihrem Nationalteam, nach Berlin. Die wissen gerade gar nicht, wo sie sind. Sich jetzt auf den Verein einzustellen, ist schwer.

Sind sie wenigstens fit?

Alle werden von unserer medizinischen Abteilung durchgecheckt. Alle bräuchten jetzt eigentlich eine Regeneration, und alle haben ihre Wehwehchen mitgebracht. Wir stehen vor der Frage, wie wir einerseits ihre Verletzungen kurieren, andererseits eine vernünftige Saisonvorbereitung hinkriegen sollen. Das ist quasi unmöglich. Ich habe jetzt schon Angst, dass wir während der Saison mit vielen Verletzungen zu kämpfen haben werden.

Warum sagen Sie nicht: Wir stellen keine Spieler mehr ab?

Weil wir als Vereine das schwächste Glied der Kette sind.

Sie bezahlen doch die Spieler!

Wir bezahlen sie. Bekommen aber keinen Cent für das Abstellen der Spieler wie etwa im Fußball. Wir haben keine Mitspracherechte, sondern müssen in den Transferformularen, die wir mit den ausländischen Verbänden abschließen, de facto alle ihre Bedingungen akzeptieren. Die Verbände vom Weltverband FIVB über die Kontinentalverbände bis zu den nationalen Verbänden diktieren, was geschieht.

Ihnen würde also nur helfen, wenn ein Spieler selbst sagt: Ich will nicht mehr für mein Land spielen, sondern nur noch für meinen Verein?

Ja, allerdings muss er selbst dann noch damit rechnen, dass er von seinem nationalen Verband suspendiert wird. Er geht das Risiko ein, dass er nicht die Freigabe bekommt, um im Ausland zu spielen. Kein Spieler lässt sich auf einen Streit mit seinem Verband ein.

Das klingt alles nicht gut.

Die Konstellation ist sehr einseitig. Wir stellen die Spieler ab, haben das Risiko, dass sie bei uns nicht ihre Topleistung abrufen können, aber die ganze finanzielle Last liegt auf Vereinsseite.

Ist das besser oder schlimmer geworden in den vergangenen Jahren?

Ich habe den Eindruck, das wird schlimmer. Weil immer mehr Turniere dazu kommen.

Warum wehren sich die Klubs nicht?

Die Vereine werden immer ohnmächtiger. Und auf die Frage an andere europäische Klubs, ob wir nicht eine gemeinsame Initiative bilden wollen, war die Antwort: Es hat doch eh keinen Sinn. Dazu kommt, dass in vielen Ländern Vereinsfunktionäre zugleich Verbandsfunktionäre sind. Es ist eine frustrierende Situation. Stellen Sie sich vor: Die Bundesligasaison kann für einen Verein, der das Play-off nicht erreicht hat, nach fünfeinhalb Monaten beendet sein, dann noch mit einer dreiwöchigen Pause wegen der Olympia-Qualifikation drin. Aber bezahlt werden die Spieler schließlich von den Klubs für eine komplette Saison. Und sehen Sie das Loch, in dem wir hier in Berlin als Verein waren: Wir haben als erster der sechs Topklubs in der Stadt aufgehört und steigen als letzter in die neue Saison ein. Das ist unter Vermarktungsaspekten für uns eine Katastrophe.

Was müsste denn passieren, damit sich diese Verhältnisse ändern?

Die Lösung des Problems wäre, dass eine gewisse Sperrzeit zugunsten der Vereine vom Weltverband ausgesprochen wird: Zumindest vom 15. September bis zum 1. Mai finden keine internationalen Turniere statt. Auch keine Vorbereitung darauf. Es sei denn, alle vier Jahre, wenn Olympia ist, dass man die Saison für ein bestimmtes Fenster von drei Wochen unterbrechen kann.

Sehen Sie Chancen dafür?

Ehrlich gesagt: im Moment nicht.