Volleyball

BR Volleys probieren es mit dem nächsten Angriff aus Amerika

Der sechsmalige Deutsche Meister BR Volleys hat einen Nachfolger für Scott Touzinsky gefunden: Der Amerikaner Paul Lotman soll seinen Landsmann auf der Position des Außenangreifers ersetzen.

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Einer wie Scott Touzinsky ist schwer zu ersetzen. Der US-Amerikaner war eine der prägenden Figuren der vergangenen, erfolgreichen Jahre im Team der BR Volleys. Er war ihr Mannschaftskapitän, Motivator auf und neben dem Feld. Der 33-jährige, exzellente Annahmespieler führte die Berliner zu drei Deutschen Meisterschaften und auf Platz drei in der Champions League. Bevor er Berlin Richtung Shanghai verließ, wurde er zum zweiten Mal nach 2012 zum wertvollsten Spieler (MVP) der Volleyball-Bundesliga gewählt. Einer wie Scott Touzinsky ist wirklich schwer zu ersetzen.

Viele Parallelen zu Touzinsky

Die BR Volleys haben nun aber zumindest einen Nachfolger für den Außenangreifer gefunden. Einen, der erstaunlich viele Parallelen zu seinem Vorgänger aufweist. Auch Paul Lotman, 29, ist US-Amerikaner und Nationalspieler seines Landes. Er hat wie Touzinsky in Kalifornien, an der Long Beach Club University, studiert. Er ist ebenfalls in Puerto Rico Meister geworden. Er hat sein Land bereits bei Olympischen Spielen vertreten, wurde 2012 in London Fünfter mit dem US-Team.

Lotman ist viel herumgewandert in der Volleyball-Welt, hatte außer in Puerto Rico einjährige Engagements in Griechenland, Frankreich, Italien. Zuletzt, und deshalb ist Paul Lotman kein Unbekannter für die BR Volleys, trug er vier Jahre lang das Trikot des europäischen Topteams Resovia Rzeszow. Beim Final Four der Champions League wurden die Polen Zweiter; in der Gruppenphase hatte es Rzeszow zweimal mit den BR Volleys zu tun.

Die schwierigste Aufgabe hat Manager Niroomand gelöst

Der sechsmalige Deutsche Meister weiß also, wer da kommt. Geschäftsführer Kaweh Niroomand kommentiert seinen bisher prominentesten Zugang so: „Es war vielleicht die schwierigste Aufgabe, einen adäquaten Ersatz für Scott Touzinsky zu finden. Mit der Verpflichtung von Paul Lotman konnten wir die Lücke, die Touzinsky hinterlassen hat, exzellent schließen.“ Das muss sich natürlich auf dem Feld noch erweisen, Lotman hat zunächst einen Einjahresvertrag unterschrieben.

Seine sportliche Vita spricht für ihn. Die polnische Liga ist neben der russischen die stärkste des Kontinents, und der Amerikaner wurde dort mit seiner Mannschaft dreimal Meister. So ist auch Berlins neuer Trainer Roberto Serniotti von der Verpflichtung begeistert: „Paul ist in allen Elementen ein sehr kompletter Spieler. Ich bin mir sicher, dass er der Mannschaft helfen wird, noch besser zu werden.“

Lottman kennt die Atmosphäre in der Schmeling-Halle

Lotman weiß genauso, wo er hinkommt. Natürlich waren die BR Volleys in der US-Nationalmannschaft, in der auch die Shoji-Brüder Kawika und Erik zum Stamm zählen, ein Thema. Und die spezielle Atmosphäre in der Schmeling-Halle konnte der Außenangreifer als Gegner bereits ausgiebig – beim Final Four und in der Vorrunde – kennenlernen. „Die BR Volleys sind ein großartiger Klub“, hat er festgestellt, „der sich immer weiter in der europäischen Elite etabliert.“ Daran mitzuwirken, ist eines seiner Motive, zumal er seinen internationalen Wert weiter in der Champions League beweisen kann.

Es gibt noch ein paar andere. Nach vier Jahren in einer Kleinstadt lockte die Chance, in eine europäische Metropole zu wechseln, Berlin hat andere Reize zu bieten als Rzeszow. Dafür nahm Lotman in Kauf, sich finanziell nicht verbessert zu haben, obwohl er trotzdem sicher zu den Besserverdienenden im Team der BR Volleys gehört. Schließlich war sein Ehrgeiz ein Grund zur Veränderung. Lotman war in seiner vierten Saison in Polen kein Starter mehr, er wünschte sich aber mehr Spielanteile.

Großes Lob von seinem Vorgänger von den Fidschis

Die wird er nun sicher bekommen, wenn andererseits die Wünsche seines neuen Arbeitgebers in Erfüllung gehen. Niroomand erwartet nicht unbedingt, dass Lotman die Rolle Touzinskys als Antreiber übernimmt. „Er ist eher der ruhige, freundliche, abgeklärte Typ“, schätzt der Manager ihn ein. Dennoch bringe er die „typisch amerikanische Mentalität mit: immer hundert Prozent im Training, immer motiviert im Spiel“.

Und er soll auf der Außenposition mit Robert Kromm harmonieren. Bisher war es so: Der Deutsche ist der stärkste Angreifer der Bundesliga, offenbart aber an manchen Tagen Schwächen in der Annahme. Touzinsky ist herausragend in der Annahme, allerdings als Angreifer nicht auf konstant hohem Niveau gefährlich. Vom 2,01 Meter großen Lotman versprechen sich die BR Volleys nun, dass er ähnlich gut annimmt wie Touzinsky und in der Offensive noch mehr Qualität ins Berliner Spiel bringt. Touzinsky, derzeit im Urlaub auf den Fidschi-Inseln, ist von seinem Nachfolger überzeugt: „Ich kenne ihn vom College und aus dem Nationalteam. Er hat viel internationale Erfahrung, ist ein ähnlicher Spielertyp wie ich und genau der Spieler, der die BR Volleys weiterbringen wird.“

Ziel: Friedrichshafen den Titel gleich wieder abjagen

Die Außenposition ist im Volleyball eine sehr anspruchsvolle. Mit deren hochkarätiger Besetzung die BR Volleys nun wieder ein wichtiges Puzzleteil im Teamfoto für die nächste Saison eingefügt haben. Der neue Trainer Roberto Serniotti und acht Spieler stehen fest: Paul Lotman, der französische Mittelblocker Nicolas Le Goff, Robert Kromm, Diagonalangreifer Paul Carroll, Zuspieler Sebastian Kühner, Libero Erik Shoji sowie die Mittelblocker Felix Fischer und Tomas Kmet. Vier bis fünf Spieler könnten folgen. Mit dem klaren Ziel, Meister VfB Friedrichshafen den Titel sofort wieder abzujagen.