Volleyball

Friedrichshafen entreißt den BR Volleys den Meistertitel

Der VfB Friedrichshafen ist zum 13. Mal deutscher Volleyball-Meister. Der Rekordchampion bezwang am Sonntag Titelverteidiger Berlin Volleys im entscheidenden fünften Spiel der „Best of five“-Serie.

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Die 13 ist eine Glückszahl. Zumindest gilt das in dieser Saison für die Volleyballspieler des VfB Friedrichshafen. Zu Jahresbeginn hatte sich die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu bereits den 13. deutschen Pokalsieg geholt. Nun kam zur Krönung der Saison auch noch der 13. Meistertitel hinzu. Dementsprechend glücklich waren die Schwaben. Moculescu wollte gar nicht aufhören, seine Spieler zu herzen und zu küssen.

Teilnahmslos daneben stand die Mannschaft des gescheiterten Titelverteidigers. Mit 3:1 (25:19, 18:25, 25:20, 26:24) gewann der VfB gegen die BR Volleys und gewann die Play-off-Serie um die Deutsche Meisterschaft nach dem Modus „Best of five“ mit 3:2. Nach drei Jahren Dominanz ist die kurze Dynastie der Berliner beendet, Friedrichshafen in dem seit 1998 wechselnden Titelkampf zwischen diesen beiden Teams wieder die Nummer eins.

Viertes Spiel als Knackpunkt

„Wir haben heute sehr gut gespielt“, sagte ein schwer enttäuschter Volleys-Coach Mark Lebedew, „aber Friedrichshafen war ein bisschen stärker. Sie haben die Meisterschaft verdient gewonnen.“ Zuspruch für sein Team gab es auch von der anderen Seite. „Bei so engen Ergebnissen ist immer ein bisschen Glück dabei“, analysierte Moculescu, „es war ein Finale von hoher Qualität und mit guten Ballwechseln. Es hätte auch andersherum ausgehen können.“ Nun lobt es sich immer leichter, wenn man als Gewinner auf dem Parkett steht. Aber im Kern traf zu, was der gebürtige Rumäne sagte.

In den vergangenen beiden Jahren hatten die Berliner am Bodensee gefeiert; diesmal waren sie nicht wirklich nahe dran, dieses Kunststück zu wiederholen. Im ersten Satz waren die Gastgeber deutlich überlegen, was insbesondere an ihren starken Aufschlägen und der schwachen Ballannahme der BR Volleys lag. Im alles entscheidenden Match wuchs keiner der Berliner über sich hinaus; wie bereits am vergangenen Donnerstag bei der 2:3-Niederlage vor eigenem Publikum waren neben einigen Hochs zu viele Tiefs in ihrem Spiel. Kaweh Niroomand, der Geschäftsführer des sechsmaligen Meisters aus Berlin, meinte sogar: „Die große Chance auf den Titel haben wir schon am Donnerstag verpasst.“ Da hatte seine Mannschaft im fünften Satz 13:11 geführt, nur zwei Punkte fehlten zum Triumph. Aber die große Erwartungshaltung in der Schmeling-Halle lähmte die Berliner eher, als dass sie Ansporn war. „Im Gegensatz zu uns haben die Friedrichshafener es verstanden, die Unterstützung der Zuschauer so zu nutzen, dass sie beflügelt wurden.“ Die ZF Arena war im fünften Endspiel mit 3804 Zuschauern erstmals ausverkauft.

Günthör beendet seine Karriere

Ein entscheidender Faktor war sicher auch die schwere Verletzung des australischen Diagonalangreifers Paul Carroll, der sich im Training am vergangenen Dienstag einen Riss des Außenmeniskus zugezogen hatte. Bei den Spielen vier und fünf schaute er so nur zu, in denen Christian Dünnes sich nach Kräften bemühte, ihn zu ersetzen. „Christian war super heute“, sagte Lebedew, „aber Pauls Verletzung war trotzdem sehr hart für uns, sein Ausfall hat unseren ganzen Rhythmus geändert.“ Dennoch kämpften die Berliner um ihre letzte Chance, im zweiten Satz fanden sie besser in ihr Spiel, dominierten diesen Durchgang so klar wie Friedrichshafen den ersten. Ausgerechnet Dünnes, mit 17 Punkten zweitbester Berliner Punktesammler nach Robert Kromm (20), verwandelte den Satzball.

Doch der VfB ließ sich dadurch nicht verunsichern, diktierte das Geschehen im dritten Abschnitt mit zunehmender Spieldauer immer klarer, blockte viel besser, riskierte mehr und wurde dafür belohnt. Einen Berliner Block gab es quasi nicht, nur vier Blockpunkte standen deren elf beim VfB gegenüber. Im vierten Satz bäumte sich der Titelverteidiger trotz verpatzten Starts ein letztes Mal auf, führte sogar 21:19, ehe einmal mehr ein Block von Max Günthör die letzte Wende einleitete. Der Rumäne Adrian Gontariu verwandelte den zweiten Matchball zum 26:24.

„In jedem der fünf Spiele hat die Mannschaft gewonnen, die besser aufgeschlagen hat“, jubelte Günthör, „das waren heute wir.“ Während die jungen Häfler ihren Titel feierten, war Niroomand traurig, „dass die beste Spielergeneration, die ich je in Berlin hatte, keinen guten Abschluss geschafft hat.“ Und fügte hinzu, was in den kommenden Tagen ansteht: „Es wird bei uns jetzt einen Umbruch geben.“ Nicht nur in Berlin übrigens: Günthör erklärte nach dem Spiel sein Karriereende.