Volleyball

Entscheidung zwischen BR Volleys und Friedrichshafen fällt am Bodensee

Zwei Punkte fehlten den BR Volleys nur zur vierten Meisterschaft in Folge. Doch die Berliner nutzten die Chance nicht, verloren daheim in fünf Sätzen und müssen nun zum Showdown nach Friedrichshafen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Zum Glück war nicht allzu viel vorbereitet, kein Show-Act verpflichtet, der nun vergebens in den Katakomben gewartet hätte. Ordentlich Sieger-Lametta hätte es geregnet. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller wäre sicher hocherfreut gewesen, die Medaillen an die deutschen Volleyball-Meister zu überreichen. Aber vor allem hätten die 8553 Zuschauer in der ausverkauften Schmeling-Halle den BR Volleys ein ganz neues Gefühl vermittelt: vierter Meistertitel in Folge, erstmals Meister daheim. Statt dessen: Schockstarre. Mit einem Schlag von Christian Dünnes in den Block des VfB Friedrichshafen war alles vorbei. Die Schwaben gewannen 3:2 (20:25, 25:21, 25:27, 25:23, 16:14) und glichen die Finalserie zum 2:2 aus. Der Showdown findet nun am Bodensee statt, ZF-Arena, Sonntag, 14.30 Uhr.

Zwischen Hadern und Attacke

„Es wäre ein Traum gewesen“, sagte Berlins Star Robert Kromm, „aber jetzt müssen wir eben Sonntag in Friedrichshafen gewinnen.“ Das klang trotzig, schon wieder angriffslustig. „Wir haben uns ja zwei Chancen erarbeitet. Schade, dass wir die erste nicht nutzen konnten.“ Das kam eher hadernd, nicht so positiv. Beide Stimmungen prägen diesen Volleyball-Klassiker in seiner x-ten Auflage. Das hin und her hopsende Momentum, das Auf und Ab bei Titelverteidiger Berlin wie bei Herausforderer Friedrichshafen, scheint das Konstanteste zu sein beim Aufeinandertreffen der besten deutschen Volleyball-Mannschaften.

Eigentlich müßig, all die Situationen aufzuzählen, in denen die Gastgeber auf die Siegerstraße eingebogen zu sein schienen. Andererseits zeigt es, wie riesengroß ihre Chance war. Sie gewannen den ersten Satz, lieferten einen schwachen zweiten Durchgang ab, lagen trotzdem plötzlich 19:16 vorn. Gaben ihn leichtfertig ab, gewannen den dritten nach langem Hinterherrennen. Wieder Vorteil Berlin. Lagen im vierten zurück, führten plötzlich 16:15, um sich just dann die nächste Schwächephase zu erlauben.

Gefeiert haben die Berliner immer nur in der Fremde

Im Tiebreak, dem entscheidenden fünften Satz, machte der VfB den entschlosseneren Eindruck, lag mehrfach mit zwei Punkten vorn. Bis die Berliner zu ihrer letzten großen Aufholjagd dieses denkwürdigen Spiels ansetzten, 13:11 in Führung gingen. Zwei Punkte nur fehlten bis zum Lametta, zum Regierenden, zum losbrechenden Orkan der erwartungsvollen Fans. Dann schmetterte Kromm einen Ball um Zentimeter ins Aus, „das passiert Robert in zehn Wochen zweimal“, klagte Trainer Mark Lebedew, „heute war leider einmal davon“. Und Dünnes, für den mit Meniskusriss am rechten Knie ausgefallenen Paul Carroll ins Team gerutscht, scheiterte am Friedrichshafener Block. Aus, vorbei.

Es soll wohl nicht sein. Vor drei Jahren gewannen die BR Volleys ihren vierten Meistertitel im fünften Finale in Haching. In den folgenden beiden Spielzeiten gelang jeweils das 3:1 in Friedrichshafen. Gefeiert wurde immer in der Fremde. Die Chance auf das Fest in Berlin gab es 2013 schon einmal, auch da hatte die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu den Berlinern einen dicken, hässlichen Strich durch die Partyrechnung gemacht. „Natürlich, jeder von uns wollte heute gewinnen, vor unseren Fans, in unserer Halle“, sagte Libero Martin Krystof. „Jetzt müssen wir einfach den heutigen Tag vergessen“, fügte der Tscheche an, „das ist schwer, aber es ist die einzige Lösung.“

Die letzten Reserven mobilisieren

Die Frage stellt sich natürlich, wie bedeutsam bei den vielen Auswärtssiegen der Heimvorteil für den VfB am Sonntag überhaupt ist. „Sie haben jetzt die Favoritenrolle, die Chance liegt jetzt bei ihnen“, sagte Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys, „sie sind im psychologischen Vorteil, so ein Auswärtssieg kann beflügeln.“ Er kann aber, wie man an seinem Team sah, auch eine Winzigkeit Konzentration stehlen. Hatten die Berliner doch beim 3:0 am Bodensee zuvor so überzeugt. Wo derlei Winzigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden, ein wichtiges Kriterium.

Und nun? Das vielleicht Beste an der Niederlage war aus Berliner Sicht noch, wie angefressen alle waren, Spieler, Trainer, Offizielle. Sie treten heute mit einer großen Portion Wut im Bauch ihre letzte Dienstreise der Saison an. Niroomand sagte: „Jetzt muss der VfB die Serie erst mal zu Ende spielen.“ Dem Gegner ist selbst klar, was ihn erwartet. „Am Sonntag geht es nur über Kampf“, sagte Max Günthör, der bärenstarke Mittelblocker des VfB. Alle sind müde von einer langen Saison, wollen sie aber nicht mit leeren Händen beenden. „Wir müssen da jetzt gewinnen, egal wie“, forderte Martin Krystof. Mit Bürgermeister oder ohne.