Volleyball

Christian Dünnes ist bei den BR Volleys der perfekte zweite Mann

Er hat es nicht geschafft, erster Diagonalangreifer zu werden, an Paul Carroll kam er nicht vorbei. Doch Christian Dünnes spielt bei den Volleys eine große Rolle. Trainer Mark Lebedew schwört auf ihn.

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Die Stimme scheint irgendwie nicht so richtig zur Statur zu passen. Der Name auch nicht, doch den kann man ja nicht beeinflussen. Christian Dünnes ist ein Bär von einem Mann, 2,07 Meter groß. Alles an dem Volleyball-Profi wirkt riesig, kraftstrotzend. Aber er redet leise, jede Antwort kommt wohlüberlegt, kaum einmal leistet er sich einen Versprecher. Der 30-Jährige spielt jetzt fast eine Saison für die BR Volleys, die an diesem Mittwoch (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) im zweiten Finale um die Deutsche Meisterschaft den VfB Friedrichshafen empfangen. Er hat es bisher nicht geschafft, den Australier Paul Carroll von der Position des ersten Diagonalangreifers zu verdrängen, und er wird es wohl auch nicht mehr schaffen. Trotzdem sagt Dünnes, diesmal ohne Bedenkzeit: „Ich fühle mich in Berlin wohl.“

Endlich einmal Meister werden

Lange hat es gedauert, bis der ambitionierte Verein und einer der besten deutschen Spieler zusammengefunden haben. Oft hat man verhandelt, nie hat es gepasst. Stattdessen spielte der gebürtige Siegener in Düren, wo er zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt wurde, in Haching, zuletzt eine Saison in Friedrichshafen. Im VfB-Trikot hat er den Berlinern besonders weh getan, denn im Pokalfinale standen die Volleys vergangene Saison im fünften Satz sehr dicht vor dem ersehnten Titelgewinn. Bis Dünnes eingewechselt wurde und mit seiner Aufschlagskraft den Gegner förmlich vom Feld schoss.

Nun ist er in der Hauptstadt gelandet und wollte endlich zum ersten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister werden. Nicht nur die verlorene Auftaktpartie am vergangenen Sonnabend hat ihm und seinen Kollegen gezeigt, „dass es schwer werden könnte“, den Titel zu verteidigen, „es würde mich nicht wundern, wenn es in ein fünftes Spiel gehen würde“. Das klingt in der aktuellen Situation schon beinahe optimistisch.

60 Einsätze im Nationalteam bestritten

So merkwürdig sich das anhören mag: Trainer Mark Lebedew schwört auf Christian Dünnes, obwohl er im zweiten Finale erneut Carroll den Vorzug geben wird. „Christian ist ein sehr intelligenter Mensch“, lobt der Australier den 60-maligen Nationalspieler, der neben der Profikarriere seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften gemacht hat und bis nächstes Jahr den Master nachlegen will, „auch das Volleyballspiel versteht er sehr gut.“ Dünnes wurde als zweiter Mann verpflichtet, „es war eine gute Verpflichtung. Er passt in jeder Weise zu uns.“

Nicht zuletzt deshalb, weil der Edelreservist niemals schlechte Stimmung erzeugt. „Jeder Sportler will seine Leistung zeigen dürfen“, sagt er zwar, „aber ich habe kein Problem mit meiner Rolle.“ Er sieht es pragmatisch. Wird er eingesetzt, sei er sicher zufriedener; spielt er nicht, zeige das andererseits, dass es gerade für die Mannschaft gut läuft. Und das ist nun mal das Ziel.

Erfahren in der Rolle als zweiter Mann

Dünnes ist da abgeklärt – und nicht unerfahren mit der Situation. Vier Jahre lang hat er in Italien sein Geld verdient, ist mit Copra Piacenza Meister geworden. Dort war er nur eine Saison lang Stammspieler, aber keineswegs unglücklich. Auch in Friedrichshafen musste Dünnes sich mit der Position des zweiten Mannes begnügen. Und tat es. „Man hat ja die Möglichkeit, konstant im Training besser zu sein. Es sich zu erarbeiten“, sagt er. Offenbar ist er selbst der Ansicht, dass ihm dies bisher nicht überzeugend gelungen ist.

Dass er sich trotzdem in Berlin wohl fühlt, liegt am Verein, aber nicht allein. Mit offenen Augen geht er durch die Stadt, die er bereits von 2002 bis 2004 kennen lernte, als er als Riesentalent für den VC Olympia spielte. „Berlin macht sich“, sagt er, „die Wiedervereinigung gab einer Stadt wie Berlin, die vorher schon schön war, noch einmal die Chance, einen Schritt nach vorn zu gehen.“ Das hat auch für ihn persönlich einen positiven Nebenaspekt: Erstmals ist dem Volleyball-Wanderarbeiter seine Frau, eine Italienerin, in seine neue Wahlheimat gefolgt. Um Düren, Haching und Friedrichshafen hatte sie noch einen Bogen gemacht. Aber aus Modena gibt es einen Direktflug nach Berlin, und die deutsche Metropole, nun ja, sie hat auch eine gewisse Anziehungskraft, sagt Dünnes: „Der Stellenwert von Berlin ist international noch einmal höher als national.“

Starker Auftritt beim ehemaligen Verein in Düren

Das alles soll aber nun nicht den Eindruck erwecken, als wäre Dünnes als Tourist hier. Nach kleinen Eingewöhnungsschwierigkeiten hat er sich in der Mannschaft längst eingelebt. So einfach war das nicht für jemanden, der aus Haching und Friedrichshafen kam, sozusagen aus feindlichem Volleyball-Gebiet. „Die Beziehung ist gewachsen“, hat Lebedew beobachtet; langsam, so ist das bei ruhigen Menschen. Der 30-Jährige ist auch topfit und wartet geduldig auf seine sportliche Chance.

Ein paar Mal war sie schon da, zuletzt im zweiten Halbfinale in Düren. Da deutete vieles auf eine Berliner Niederlage hin. Lebedew wechselte auf der Zuspielerposition Sebastian Kühner für Kawika Shoji ein und brachte Dünnes für Carroll. Die BR Volleys gewannen noch, der zweite Diagonalangreifer war mit 22 Punkten bester Mann des Spiels.

Die Stärke der BR Volleys liegt in ihrer tiefen Besetzung

Sein Trainer war davon nicht überrascht, für ihn liegt die besondere Stärke seiner Mannschaft in dieser Saison in ihrer tiefen Besetzung. Mal ist es Kühner, der dem Spiel eine Wende geben kann, mal Mittelblocker Felix Fischer, auch Francesco de Marchi hat sich im Laufe des Jahres immer mehr gesteigert und seinen Wert für das Team bewiesen. In Düren, ausgerechnet dort, wo er drei Jahre gespielt hat, war es Christian Dünnes.

„Er ist ein super Spieler“, findet Lebedew, „jedes Mal, wenn wir ihn eingesetzt haben, wurden wir besser in dem Moment. Er ist ein sehr, sehr guter Back-up.“ Der Spieler selbst sieht seine Leistung ebenfalls positiv, wie es scheint: „Wenn ich gespielt habe, konnte die Mannschaft damit zufrieden sein.“ Leise gesagt, klingt das viel sympathischer als laut.