Volleyball

BR Volleys – Erst vierter Titel, dann ein personeller Umbruch

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Dietmar Wenck

Foto: Lukas Schulze / dpa

Den BR Volleys drohen radikale Veränderungen. Beim Final Four der Champions League haben sich einige Spieler für andere Klubs empfohlen. Zehn von 13 Verträge beim Volleyball-Meister laufen aus.

Zwei Tage nach dem Final Four der Champions League hat Kaweh Niroomand seiner Mannschaft einen Besuch beim Training abgestattet. Der Geschäftsführer der BR Volleys lobte die Spieler für ihre „tolle Leistung“ und das „gute Finish“. Die Berliner Volleyballer hatten einen beachtlichen dritten Platz belegt. Gleichzeitig erneuerte er eine Ansage, die er schon vor Wochen an das Team gerichtet hatte: Es werde keine Vertragsverhandlungen geben, ehe der letzte Titel der Saison vergeben ist. An diesem Donnerstag (19.30 Uhr) bestreiten die BR Volleys in der Schmeling-Halle das erste Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft nach dem Modus „Best of five“ gegen die Powervolleys Düren.

Auch Lebedew machte Werbung

Erst mal abwarten, lautet die Devise, Konzentration auf die Titelverteidigung. Der Manager hat das in vergangenen Jahren oft anders gehandhabt, und gerade diesmal gäbe es genügend Gesprächsbedarf. Zehn der 13 Verträge laufen aus, sogar elf von 14, rechnet man Trainer Mark Lebedew mit. Nur Tomas Kmet, Sebastian Kühner und Erik Shoji haben noch einen gültigen Kontrakt. Zu einzelnen Personalien äußert sich Niroomand nicht. Er sagt nur: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir nächste Saison dieselbe Mannschaft und denselben Trainer haben. Es kann aber auch sein, dass wir zehn neue Leute bekommen.“ Er ist kein Freund solcher Umbrüche, aber die Entscheidung liegt ja nicht allein bei ihm.

Möglich, dass es den einen oder anderen in die Ferne zieht. Gerade Zuspieler Kawika Shoji, 27, und Diagonalangreifer Paul Carroll, 28, die zu den jüngeren Berliner Leistungsträgern zählen, haben mit starken Vorstellungen das Final Four als Bühne genutzt. Viele Spielerberater saßen auf der Tribüne. Besonders das Volleyball-Paradies Polen hat verlockende Argumente: mehr Geld, als man in Berlin nicht verdienen kann. Eine Liga, wo die Spieler an jedem Wochenende hart gefordert werden, sich entwickeln können. Damit sie nicht, wie Shoji, in ihren Nationalteams an Boden verlieren. Bei der WM in Polen zählte er zum US-Kader, wurde aber keine Minute eingesetzt. Auch Lebedew, mit einer Polin verheiratet, hat Werbung für sich gemacht.

Manager Niroomand steckt in einer Zwickmühle

„Wenn einer geht, weil er sich finanziell und sportlich weiterentwickeln will, muss er das tun“, sagt Niroomand. Natürlich sei Polen dafür ideal, das Land des Weltmeisters mit seiner Volleyball-Euphorie. Und nicht in Sibirien, sondern mitten in Europa. „Aber ich lasse mich nicht verrückt machen. Jetzt haben wir erst mal alle ein Ziel: die vierte Meisterschaft in Folge nach Berlin zu holen.“

Doch was kommt danach? Eine Verjüngung der Mannschaft scheint sinnvoll; der 26-jährige Erik Shoji ist aktuell der Junior. Am liebsten würde Niroomand eine ganze Reihe von Talenten verpflichten, doch der Manager steckt in einer Zwickmühle: „Dann müssten wir bei den Zielen Abstriche machen“, sagt er, „und das können wir uns in der Sportstadt Berlin mit dieser Konkurrenz nicht leisten.“ Im Gegenteil: Nach der Ausrichtung des Final Four müsse das sportliche Ziel im nächsten Jahr sein, in der Qualifikation für die Champions League unter die besten sechs Teams zu kommen. Das gehe nur mit fertigen Spielern, wie sie die BR Volleys jetzt haben.

Auf Talentsuche bei polnischen Topklubs

Oder man verpflichtet einen wie Srecko Lisinac, der auch mit jetzt 22 Jahren schon stark genug ist, in Europas Spitze mitzuhalten. Der Serbe spielte vergangene Saison in Berlin, war für ein Jahr ausgeliehen, ehe ihn sein polnischer Verein Skra Belchatow zurückholte. „Gespräche mit solchen Vereinen müssen wir suchen, denn die haben mehr Spieler, als sie brauchen“, erklärt Niroomand. Und sie suchen ambitionierte Klubs, wo sie Talente weiter reifen lassen können. Da kann sich bezahlt machen, wie sich die BR Volleys beim Final Four präsentiert haben. Nicht nur einzelne Spieler haben es als Bühne genutzt, glaubt Niroomand: „Dieses Wochenende hat auch uns vorangebracht.“