Volleyball

Berlin Volleys scheitern an Zenit Kasan und verpassen Finale

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Dietmar Wenck

Foto: Lukas Schulze / dpa

Die Sensation blieb aus, und am Ende setzte sich der Favorit Zenit Kasan durch. Doch die Berlin Volleys zeigten bei ihrer ersten Halbfinal-Teilnahme in der Champions League eine beherzte Vorstellung.

Enttäuscht waren sie schon ein bisschen, obwohl sie gar nicht enttäuscht hatten. „Natürlich haben wir uns etwas anderes gewünscht“, sagte Scott Touzinsky, der Kapitän der BR Volleys, „aber wir können erhobenen Kopfes hier rausgehen.“ Das Endspiel beim ersten Final Four der Champions League im Volleyball in Deutschland findet ohne den Deutschen Meister statt. Die Berliner konnten sich ihren Traum vom Finaleinzug nicht erfüllen, sie verloren in der Schmeling-Halle gegen den russischen Favoriten Zenit Kasan trotz heftigen Widerstands mit 1:3 (24:26, 25:21, 22:25, 15:25). Im Spiel um Platz drei treffen sie an diesem Sonntag (13 Uhr) auf den Verlierer der anderen Partie zwischen Polens Meister Skra Belchatow und dem Meisterschaftszweiten Resovia Rzeszow (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe beendet). Das Finale beginnt um 15.45 Uhr.

Drei Durchgänge auf Augenhöhe

Die Stimmung in der Arena war des Großereignisses würdig. 9300 Zuschauer, so viele wie noch nie in dieser Arena bei einem Volleyballspiel, machten die Partie zu einem wahren Fest. Das Publikum hatte anfangs einigen Grund, fast sprachlos den Darbietungen der Russen zu folgen. Der Kubaner Wilfredo Leon und der Russe Maxim Michailow mit ihrer Sprung- und Schlagkraft, der Iraner Mir Saeid Marouflakrani mit seiner Finesse im Zuspiel: Manchmal raunten die Fans nur noch ob der scheinbaren Unberührbarkeit der athletisch überlegenen Gäste. Doch der Respekt hielt bei den BR Volleys nicht allzu lange. Der individuellen Unterlegenheit setzten sie Teamwork entgegen. Mit zunehmendem Erfolg.

Die ersten drei Durchgänge fanden komplett auf Augenhöhe statt. „Drei Sätze haben wir super gespielt“, sagte der Tscheche Tomas Kmet. „Sie waren knapp“, sagte Berlins Trainer Mark Lebedew, „hätten wir den ersten Satz gewonnen...“ – die Fortsetzung ließ der Australier im Raum stehen. Die Chance war da, und sie war groß. Wie in jedem Satz hatten die BR Volleys immer wieder Rückstände aufgeholt, mehrfach ausgeglichen, aber nur einmal in Führung gelegen: beim 24:23, das bedeutete gleich Satzball. Michailow hatte den Ball ins Aus geschmettert, lange Diskussionen waren die Folge. Wie so oft an diesem Abend wurde der Videobeweis gefordert. Als die Entscheidung negativ für sein Team ausfiel, nahm Zenit-Coach Vladimir Alekno eine Auszeit. Danach punkteten seine Stars dreimal in Folge zum Satzgewinn.

Anfangs verlief der zweite Spielabschnitt wie der erste. Kasan legte vor, Berlin glich aus. Wieder gingen die Gastgeber erst spät in Führung, machten ihre Sache diesmal aber besser. Als der Amerikaner in Reihen Kasans, Matthew Anderson, eine kurze Schwächephase durchlitt, zog Lebedews Team auf 22:19 davon, hatte bei 24:20 vier Satzbälle. Den zweiten verwandelte der Australier Paul Carroll, mit insgesamt 20 Punkten bester Berliner Angreifer vor Robert Kromm (19). Der sagte: „Den zweiten Satz zu gewinnen, hat uns noch einmal einen riesigen Schub gegeben.“ Und den Glauben vergrößert, dass die Sensation gelingen kann.

„Phasenweise hat die Mannschaft ihren besten Volleyball gespielt“, lobte Manager Kaweh Niroomand sein Team, „nur hatten wir ein paar Dellen drin. Die hat Kasan eben nicht. Vielleicht war das der Unterschied.“ Doch der Favorit war spürbar nervös. Alekna tigerte an der Außenlinie hin und her und wirkte unzufrieden. Vielleicht hatte er vor Augen, dass seine Mannschaft, die dieses Turnier schon zweimal gewonnen hat (2008 und 2012) auch im vergangenen Jahr als haushoher Favorit zum Final Four gereist war, jedoch nur den enttäuschenden vierten Rang belegt hatte.

Lebedew hatte vor dem Aufeinandertreffen gesagt: „Wir können Helden werden.“ Und daran erinnerten sich wohl seine Schützlinge. Bis zum 19:19 im dritten Satz hatten sie erneut mehrere Rückstände aufgeholt, da lebte der Traum noch. „Aufgegeben haben sie nie“, lobte Niroomand, „phasenweise haben sie so gut gespielt wie noch nie, in allen Bereichen.“ Die Russen begannen schon zu diskutieren und machten alles andere als glückliche Gesichter. Die Berliner dagegen forderten die begeisterten Zuschauer zu noch mehr Unterstützung auf. Dann fand Kasan doch wieder seinen Rhythmus, gerade im rechten Moment. Die Herausnahme des Zuspielers Marouflakrani erwies sich als kluger Schachzug von Alekno. Mit Hilfe seines Ersatzmannes Igor Kobzar gewann Zenit mit 25:22. Und beherrschte danach Abschnitt vier.

Eine Medaille ist noch drin

„Unsere Strategie ist beinahe aufgegangen“, ärgerte sich Mittelblocker Felix Fischer, „sie mussten schwer arbeiten für ihre Punkte. Warum das im vierten Satz plötzlich aufgehört hat, weiß ich auch nicht.“ Da war sein Team vom 4:9 zum 9:10 die letzte Aufholjagd an diesem Abend geglückt. Danach kippte die Partie noch einmal zu Gunsten der Russen. Nach knapp zwei Stunden war der Traum vorbei. Die Art, wie Kasan feierte, zeigte: Die BR Volleys hatten sie ganz schön zum Nachdenken gebracht.

„Mit unserer Leistung bin ich zufrieden“, sagte Lebedew. Nach dem verlorenen ersten Satz habe er sich gedacht: „So lange wir dieses Niveau durchhalten, können wir auch gewinnen.“ Aber Kraft und Konzentrationsfähigkeit hielten nicht bis zum Schluss – bei Kasan schon. Jetzt geht es also ins (kleine) Finale der Verlierer. Ist die Luft raus? „In keinem Fall“, beteuert Kromm. So sieht es auch sein Coach: „Morgen geht es um eine Medaille.“ Auch wenn der ganz große Traum vorbei ist.