Berlin Marathon

Kenenisa Bekele: „Ich bin schneller als alle anderen“

Kenenisa Bekele will am Sonntag allen davon laufen und beim 46. Berlin Marathon als erster ins Ziel kommen.

Der Äthiopier Kenenisa Bekele ist beim 43. Berlin-Marathon als erster Läufer im Ziel. Rechts hält Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Band.

Der Äthiopier Kenenisa Bekele ist beim 43. Berlin-Marathon als erster Läufer im Ziel. Rechts hält Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Band.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin. Der Berlin-Marathon wird häufig auch als die schnellste Sightseeing-Tour der Stadt bezeichnet. Für die 46. Auflage am Sonntag hat sich Kenenisa Bekele schon einmal als Stadtführer angeboten. „Ich versuche ihnen den Weg zu zeigen“, sagte der 37-jährige in Richtung seiner jüngeren Konkurrenten, die größtenteils zum ersten Mal in der Hauptstadt am Start sind. Fast beiläufig unterstrich er damit seine Ambitionen auf den erneuten Sieg bei Deutschlands größter Laufveranstaltung.

Schon 2016 hatte Bekele in Berlin gewonnen und mit 2:03:03 Stunden den damaligen Weltrekord nur knapp um sechs Sekunden verpasst. Auch dieses Mal ist er wieder der prominenteste Name unter insgesamt 46.983 Teilnehmern. Der Äthiopier ist eine echte Lauflegende, seine Fans nennen ihn ehrfürchtig den „König der Läufer“. Insgesamt 16 Mal war Bekele Weltmeister auf der Bahn oder im Crosslauf, bis heute hält er die Weltrekorde über 5000 sowie 10.000 Meter.

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Im Marathon hat er sein Talent dagegen bislang nur aufblitzen lassen. Mit dem Berliner Ergebnis von 2016 rangiert er zwar auf Platz fünf der ewigen Bestenliste, doch seitdem lief bei Kenenisa Bekele nicht mehr viel zusammen. Bei den vergangenen fünf Marathonstarts kam er drei Mal nicht ins Ziel, darunter auch 2017 beim bislang letzten Auftritt in Berlin. Ein Grund waren Verletzungen. Auch in diesem Jahr konnte Bekele im Frühjahr einige Zeit lang nur eingeschränkt trainieren. Nach der Reha blieben ihm nur noch drei Monate, um sich auf den Berlin-Marathon vorzubereiten – ein relativ kurzer Zeitraum für diese Distanz. Trotzdem bleibt Bekele optimistisch: „Ich fühle mich gut vorbereitet“, sagt er. Die Berliner Strecke mache es einem leicht, selbst wenn man nicht zu 100 Prozent fit ist.

Tatsächlich scheinen das flache Kursprofil und die vielen Zuschauer am Straßenrand die Läufer regelrecht zu beflügeln – nicht zu Unrecht gilt der Berlin-Marathon nach mittlerweile elf Weltrekorden als der schnellste der Welt. Im Vorjahr ist Eliud Kipchoge (Kenia) die Strecke in 2:01:39 Stunden gelaufen – die jüngste Weltbestmarke.

Neben Bekele werden dessen Landsleute Leul Gebrselassie (Bestzeit 2:04:02), Sisay Lemma (2:04:08) und Birhanu Legese (2:04:15) die größten Chancen eingeräumt. Kipchoge ist dagegen in diesem Jahr nicht am Start: Er läuft im Oktober lieber in Wien und will dort als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden absolvieren. Als offizieller Weltrekord würde die Zeit aber nicht anerkannt, weil es sich bei der Veranstaltung nach den Maßstäben des Leichtathletik-Weltverbandes nicht um ein reguläres Rennen handelt.

Bekeles Traum: Die Nummer eins der Welt zu werden

Auch Kenenisa Bekele hat seinen Traum, im Marathon die Nummer eins der Welt zu werden, noch nicht aufgegeben. Seine Qualitäten sind unbestritten. Allerdings fragte sich in der Vergangenheit selbst sein Manager Jos Hermens öffentlich, ob Bekele nicht zu wenig daraus macht, weil er sich auf Nebenschauplätzen verzettelt. In Äthiopien betreibt Bekele mehrere Unternehmen, unter anderem ein großes Hotel in der Hauptstadt Addis Abeba und ein Sportzentrum. „Ich habe viel Geld in mein Heimatland investiert und damit viele neue Arbeitsplätze geschaffen“, sagt er. Um das Tagesgeschäft kümmern sich zwar hauptsächlich seine Frau und andere Vertraute. Trotzdem beklagte Jos Hermens 2018 gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“, sein Schützling sitze bis zu drei Stunden täglich im Auto und trage viel zu oft italienische Designerschuhe.

Das Leben von Eliud Kipchoge dagegen, ebenfalls bei dem niederländischen Manager unter Vertrag, bestünde ausschließlich aus Laufen, Schlafen und Essen. Bekele hält dagegen – der Sport stünde für ihn immer noch an erster Stelle. „Ich habe im Marathon bislang nicht das gezeigt, was die Leute nach meinen großen Erfolgen auf der Bahn von mir erwartet haben“, sagt er. „Aber das liegt nicht daran, dass ich Geschäfte mache, sondern an den Verletzungen, die mich immer wieder zurückgeworfen haben. Ich bin überzeugt, dass ich noch schneller laufen kann. Ich kann schneller laufen als jeder andere.“ Beim Berlin-Marathon will er seine Kritiker am Sonntag eines Besseren belehren.