Sporteignis

Beim Berlin-Marathon kommen Kleine groß raus

Am Wochenende fällt der Startschuss zum 38. Berlin-Marathon. Auch die Kleinen sind wieder mit dabei: Am Bambini-Lauf werden mehr als 1300 Kinder teilnehmen. Morgenpost Online hat den Mann getroffen, der das Nachwuchsrennen organisiert.

Foto: Buddy Bartelsen

Franz Feddema lädt die Pistole und drückt ab. Der Knall ist ohrenbetäubend. Einige Kinder schreien, stecken sich die Finger in die Ohren. Dann stürmen sie los. Der 38. Berlin-Marathon ist eröffnet. Doch ganz so laut wird es am Sonnabend nicht sein: Damit die jungen Athleten beim Start des Bambini-Lauf nicht mehr erschrecken, tauscht Feddema dieses Mal die Pistole gegen die Startklatsche.

Auch in diesem Jahr gibt er das Startkommando des Berlin-Marathons. Um 11 Uhr beginnt am Sonnabend auf dem Flughafen Tempelhof der Bambini-Lauf, um 15.20 Uhr der Mini-Marathon an der Potsdamer Straße. Mit 40 Kindern fing 1992 alles an, inzwischen sind es über 1300. Geplant war das so nicht. Franz Feddema ist eher aus Versehen ein Urgestein des Berlin Marathons geworden.

Talentsuche beim Bambini-Lauf

Jahrelang lief er die 42,195 Kilometer selber, dann wollte er junge Menschen für seinen Sport begeistern und organisierte die Nachwuchsrennen. „Die Kinder freuen sich so, wenn sie im Ziel sind. Das macht wahnsinnig viel Spaß, es anzuschauen“, sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. Entdeckt er beim Bambini-Lauf ein Talent, spricht er die Eltern an und rät ihnen zu einem Verein: „Damit wir die Kids auf die Tartanbahn kriegen. Weg von der Bank im Park.“

67 Jahre ist Feddema alt, fünf Mal in der Woche schult er Läufer in Technik, Taktik und Kondition. Über die lange Strecke. „Ich bin immer noch in der Lage, ihnen was vorzumachen“, sagt er. Kurze, graue Haare, drahtig, trainiert. In der letzten Woche hat er 100 Kilometer in Leipzig abgespult, davor ist er mit seinem Laufteam 24 Stunden durch Bernau gerannt. Wie das geht? „Wir laufen einfach.“ Feddema hat gelernt, sich durchzubeißen.

35 Helfer im Einsatz

Das hilft beim Berlin-Marathon. Die Strecke präparieren, Gitter aufstellen, Startnummern verkaufen, Anmeldungen registrieren. 35 Helfer sind von Mittwoch an im Einsatz, um mit Feddema die Wettkämpfe vorzubereiten. Ehrenamtlich. Der Trick: Alle Helfer laufen selber, trainieren regelmäßig unter Anleitung Feddemas. „Engagieren sie sich nicht, gibt es Straftraining“, sagt der Chef nicht ganz ernst. Die jungen Läufer beim Bambini-Lauf muss er nicht antreiben – manchmal Kinder und Eltern sogar bremsen.

Am Sonntag gehen dann die Spitzensportler auf die Strecke. Spitzenläufer, Hobbyathleten und Power-Walker laufen gemeinsam. Teilnehmer aus 125 Nationen sind dabei: ein neuer Rekord. Um 9 Uhr fällt auf der Straße des 17. Juni der Startschuss, zwischen „Kleiner Stern“ und Yitzak-Rabin-Straße. Franz Feddema sitzt dann schon längst im Auto – Frauen gucken. Im Rennwagen fährt er dem Lauffeld voraus, immer die Spitzenläuferin und ihre Zwischenzeiten im Blick. „Andere schauen den Frauen auf den Busen, ich gucke auf die Beine“, sagt er. Gefällt ihm der Laufstil, gern auch mal länger.

Für die Sehenswürdigkeiten am Streckenrand bleibt da wenig Zeit. Aber die kennt er ohnehin schon. 2005 schnürte er noch einmal die Laufschuhe, um die blinde Läuferin Regina Vollbrecht ins Ziel zu führen. Über ein Seil sind die beiden Läufer miteinander verbunden. Tempo machen, die Laufstrecke beschreiben – Feddema übernahm ab Kilometer 30 die Führung, in 3 Stunden und 22 Minuten stürmte das Duo ins Ziel. Weltrekord. Dieses Jahr geht Vollbrecht nicht an den Start und Feddema sitzt im Rennwagen.

Die Strecke gehört am Sonntag anderen Sportlern: seiner Lebensgefährtin Sabine Aschke zum Beispiel. Franz Feddema erwartet sie im Ziel – er hat ein paar Minuten Luft.