Wasserfreunde Spandau

Russe Kholod fordert mit Spandau Revanche

Dmitri Kholod verlor mit Spandaus Wasserballern das Meisterschaftsfinale gegen Hannover. Im Pokal will er Revanche.

200 Zentimeter groß, knapp 100 Kilogramm schwer: Dmitri Kholod ist ein Modellathlet im Wasser.

200 Zentimeter groß, knapp 100 Kilogramm schwer: Dmitri Kholod ist ein Modellathlet im Wasser.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Zu Hause ist die Welt von Dmitri Kholod gerade völlig in Ordnung. Der Wasserball-Profi der Wasserfreunde Spandau hat seine Familie um sich, seine Frau und die beiden Kinder. „Wir sind sehr glücklich hier“, sagt er. Der Sommer in Berlin hatte viel mehr warme Tage zu bieten, als er erwartet hätte. Sein fünfeinhalb Jahre alter Sohn ist seit einem Monat im Kindergarten, die vier Jahre jüngere Tochter soll irgendwann folgen. „Sie sollen Deutsch lernen“, sagt der stolze Vater – in tadellosem Englisch. Sprachen seien wichtig, sagt Kholod, und wie um das zu unterstreichen, fügt der 28-Jährige plötzlich hinzu: „The people in Berlin sind sehr nett.“

Da lässt sich sogar die Corona-Krise verkraften. Und dass seine erste Saison in Spandau viel kürzer ausgefallen ist als geplant. Sie war ja wie der gesamte Sportbetrieb für Monate unterbrochen. Aber das Ende, das nagt noch an ihm. „Wir wollen alle beweisen, dass wir viel besser sind als das, was wir in der Finalserie um die Meisterschaft gezeigt haben.“ Vor zweieinhalb Wochen endete diese Serie mit 3:1 zugunsten von Waspo Hannover. Zweieinhalb Wochen, in denen Zeit genug war, darüber nachzudenken, was an diesem Wochenende besser laufen muss. Jetzt geht es im Final Four um den nationalen Pokal. Berlin ist Gastgeber des Turniers in der Schwimmhalle Schöneberg. Auch die Frauen sind hier am Start, mit dem Cupverteidiger Wasserfreunde Spandau, erster Gegner ist am Sonnabend (13.45 Uhr) Nikar Heidelberg.

Kholod und Kollegen wollen Lehren aus der Meisterschaft ziehen

Die Männer treffen um 19 Uhr als klarer Favorit auf den ASC Duisburg. Wenn sich wie erwartet Waspo gegen den OSC Potsdam durchsetzt, könnte es im Endspiel am Sonntag (15.15 Uhr) zur Revanche kommen. „Wir haben an unseren Fehlern gearbeitet“, erzählt Kholod. Nichts anderes erwartet Hagen Stamm. „Es muss ein Ruck durch die Truppe gehen“, fordert der Präsident der Spandauer. Ihn wurmt, dass die Rekordmeister sich von Waspo Hannover den wichtigsten nationalen Titel haben abnehmen lassen, ohne entschlossene Gegenwehr zu leisten. „Das war unter unserem Niveau“, sagt der 60-Jährige, „jetzt stehen wir vor einem Wochenende, wo man zeigen muss, was wir wirklich können.“

Nichts anderes haben Kholod und seine Kollegen vor. „Natürlich wollen wir den Pokal gewinnen“, sagt der Rückraumspieler, der in Eberswalde geboren ist, obwohl in seinem Pass Potsdam als Geburtsort steht. Der simple Grund dafür: Sein Vater war dort als Soldat stationiert. Ein Jahr später zog die Familie weiter nach Brest in Weißrussland, weitere 15 Jahre darauf nach Moskau, wo Dmitri Kholod zum Nationalspieler reifte. Mit dem Wechsel nach Berlin schloss sich insofern ein Kreis.

Kholod ist der schnellste Anschwimmer der Bundesliga

Bei den Wasserfreunden wurde Kholod schnell zum Leistungsträger, hatte starke Auftritte in der Champions League und glänzte auch im dritten Meisterschaftsfinale gegen Hannover, das die Berliner nicht zuletzt wegen seiner sechs Treffer 12:9 gewannen. Außerdem erobert er bei jedem Anschwimmen den Ball für seine Mannschaft, „in Deutschland schlägt ihn da keiner“, glaubt Stamm. Athletisch ist der zwei Meter große und knapp 100 Kilo schwere Hüne sehr gut ausgebildet, auch technisch verfügt er über ein großes Potenzial.

Was ihm noch fehlt, ist die Konstanz. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass er in nationalen Wettbewerben nicht immer mitspielen konnte. Hier sind nur zwei Ausländer aus Nicht-EU-Staaten gestattet, mit dem Serben Nikola Dedovic und dem Montenegriner Stefan Pjesivac haben die Spandauer zwei weitere. Trainer Petar Kovacevic steht also vor einer schwierigen Entscheidung. Was er von Kholod erwarten kann, weiß er allerdings: „Dmitri ist immer sehr präsent im Spiel. Und ein guter Teamplayer.“ Davon wird es gegen Hannover einige brauchen.

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