Istaf in Berlin

Das Istaf als Leuchtturm für die Leichtathletik

Beim Istaf in Berlin sind an diesem Sonntag trotz Corona viele Topstars dabei. Das Meeting ist für viele der Höhepunkt der Saison.

Armand Duplantis wurde 2018 in Berlin Europameister. 2020 stellte er in Glasgow mit 2,18 Metern den aktuellen Weltrekord auf.

Armand Duplantis wurde 2018 in Berlin Europameister. 2020 stellte er in Glasgow mit 2,18 Metern den aktuellen Weltrekord auf.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin. Das internationale Stadionfest in Berlin hatte schon immer eine besondere Strahlkraft für die Leichtathletik und darüber hinaus. Mit Zahlen zwischen 40.000 und 50.000 Zuschauern ist es seit Jahren das größte Ein-Tages-Meeting der Welt. Wegen der besonderen Atmosphäre und der vielen Rekorde, die im Olympiastadion aufgestellt wurden, zieht es immer aufs Neue Top-Athleten hin zur blauen Bahn. Doch jetzt, mitten in der Corona-Krise? Scheint das sogar noch mehr zuzutreffen. „Um das Istaf“, sagt etwa Johannes Vetter, der aktuell beste Speerwerfer des Planeten, „beneidet man Berlin in der ganzen Welt.“

In einem Jahr ohne Welt- und Europameisterschaft, nach der Verlegung der Olympischen Spiele auf 2021, sehnen sich viele Sportler nach Wettkämpfen auf höchstem Niveau bei gleichzeitiger Beachtung der Sicherheits- und Hygieneregeln. Zum Gesundheitsaspekt sagt Vetter, er habe in diesem Krisen-Jahr nichts Besseres erlebt als die Organisation in Berlin: „Hier klappt alles.“ Meeting-Direktor Martin Seeber reicht das Lob weiter: „Wir sind sehr froh, dass wir mit großer Unterstützung der Senatsverwaltung, der Politik sowie unserer Partner und in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten auch in dieser schwierigen Zeit ein Istaf organisieren können.“

Beim Istaf sind alle Wettbewerbe hochkarätig besetzt

Und was die Teilnehmer angeht, bleibt ebenfalls kaum ein Wunsch offen. Weltklasse beschreibt das Starterfeld am besten. Nur in elf Disziplinen messen sich zwar Athleten an diesem Sonntag (Beginn 15 Uhr, ARD-Livestream ab 16.30 Uhr, ARD-Sportschau ab 17.30 Uhr), doch in neun davon sind die Weltjahresbesten dabei. Ein ungewöhnlicher Quotient. Leute wie Vetter, dessen Speer vor einer Woche in Chorzow/Polen bei 97,76 Meter landete. Oder Weltmeisterin Malaika Mihambo. Die Weitspringerin kam am Dienstag in Dessau auf 7,03 Meter. Dabei hat sie den Anlauf von 20 auf 16 Schritte verkürzt, um ihren Rücken im Hinblick auf die kommende (Olympia-) Saison zu schonen. „In Dessau ist viel zusammengelaufen. Ich würde mich freuen, wenn das im Olympiastadion noch mal klappen würde“, sagt sie.

Die Stars der Veranstaltung kommen aber nicht nur aus Deutschland. Ein überaus starkes Quartett kämpft im Stabhochsprung um den Sieg. Favorit ist der Weltrekord-Inhaber Armand Duplantis (Schweden), der im Februar 6,18 Meter überquerte. Die Sechs-Meter-Springer Piotr Lisek (Polen), Sam Kendricks (USA, zweimaliger Weltmeister) und Thiago Braz da Silva (Brasilien, Olympiasieger) sind seine hochkarätigsten Herausforderer.

Vier Sechs-Meter-Springer beim Istaf im Stabhochsprung

Im Dreisprung-Wettbewerb der Männer gibt Christian Taylor (30) sein Berlin-Debüt. Der US-Amerikaner ist Olympiasieger von 2012 und 2016 sowie Weltmeister von 2011, 2015, 2017 und 2019 – das nennt man wohl Dominanz. Ihn ein bisschen ins Schwitzen bringen will Max Heß aus Chemnitz, Europameister von 2016. Spannend dürfte es ebenfalls zugehen im 100-Meter-Sprint der Frauen, wo die Holländerin Dafne Schippers sich der Attacken der deutschen Meisterin Lisa Kwayie von den Neuköllner Sportfreunden und der Hessin Rebekka Haase erwehren muss.

Ebenfalls außerordentlich gut besetzt ist der Diskuswurf der Männer mit dem amtierenden Weltmeister Daniel Stahl (Schweden). Der 28-Jährige ist in Bestform und scheint in der Lage, den Istaf-Rekord von Lars Riedel (70,60 Meter) aus dem Jahr 1996 zu brechen. Sein härtester Rivale dürfte der Litauer Andrius Gudzius sein, Weltmeister von 2017. Nicht am Start ist Olympiasieger Christoph Harting vom SCC Berlin. Zuletzt kam auch noch die Zusage des 400-Meter-Hürden-Europameisters Karsten Warholm. Der Welt- und Europameister aus Norwegen rannte vor drei Wochen in Stockholm in 46,87 Sekunden Europarekord, die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit.

Sicher hätte eine solche Ansammlung von Stars mehr Zuschauer angelockt als die erlaubten 3500, wenn nicht ein Virus dazwischengefunkt hätte. Doch ein Mutmacher, ein Schritt zurück in die Normalität, ist dieses Istaf allemal. Alle Tickets wurden personalisiert verkauft und sind längst vergriffen; am Stadion gibt es keine Karten mehr. Doch die Athleten freuen sich auch schon auf die Anfeuerung der 3500. „Für alle Sportler ist es grandios, dass wir hier sein dürfen“, sagt Johannes Vetter, „das ist ein riesiges Geschenk.“