Fussball

Unruhe im Berliner Fußball-Verband

Im Berliner Fußball-Verband rumort es gewaltig. Besonders Präsident Bernd Schultz steht in der Kritik.

Seit 16 Jahren schon ist Bernd Schultz Präsident des Berliner Fußball-Verbandes.

Seit 16 Jahren schon ist Bernd Schultz Präsident des Berliner Fußball-Verbandes.

Foto: Fotostand / Bansemer / picture alliance / Fotostand

Berlin. Am Mittwochabend müsste Bernd Schultz eigentlich gemerkt haben, dass der Ball nicht mehr in die von ihm gewünschte Richtung rollt. Der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) wollte erreichen, dass im Protokoll der BFV-Sondersitzung vom 13. Mai eine Änderung vorgenommen wird. Doch in dem zwölfköpfigen Präsidium sitzen auch Juristen, und die teilten ihrem Chef mit, dass die Geschäftsordnung derlei Eingriffe gar nicht vorsehe. Ihr Gegenvorschlag: Er solle eine persönliche Erklärung abgeben, um richtigzustellen, was in der Protokollnotiz falsch war. In jener Notiz, in welcher der Chef selbst zitiert wurde.

Der Vorgang ist peinlich. Hintergrund ist eine Personalie aus dem April, die den BFV noch immer nicht zur Ruhe kommen lässt. Es ging um die Wahl eines Nachfolgers für den zurückgetretenen Gerd Liesegang als Vizepräsident für Qualifizierung und Soziales. Der Bewerber Sascha Kummer hatte sich sehr stark im Berliner Fußball engagiert und tut dies noch. Aber er ist 2019 verurteilt worden wegen Körperverletzung, weil er 2018 in einem Trainingscamp ein Kind sehr grob angefasst hatte. Obwohl er sich dafür mehrfach entschuldigte, war er somit für den Posten des Vizepräsidenten nach heutigen Maßstäben disqualifiziert. Zumal in seinen Aufgabenbereich auch Kinder- und Jugendschutz gehören. Schultz wollte ihn trotzdem. Mit 7:4 Stimmen wurde Kummer gewählt.

Irritation über eine angebliche Aussage des LSB-Präsidenten Härtel

In besagter Sitzung am 13. Mai wurde darüber heftig diskutiert. Vor allem von der Schultz-Opposition im Präsidium, die aus Jörg Wirtgen, Jendrik Gundlach, Jörg Wehling und Lyés Bouziane besteht. Bei der Diskussion warf der Präsident laut Protokoll ein, „dass der Bereich des Kinderschutzbeauftragten nicht zwingend mit der Position des Vizepräsidenten Qualifizierung und Soziales verbunden sei. Von Thomas Härtel bestehen keinerlei Bedenken bei der Berufung von S. Kummer.“ Dies habe ihm der Präsident des Landessportbundes Berlin in einem Telefonat mitgeteilt. Als der jedoch von dieser Äußerung erfuhr, soll es zwischen den beiden Funktionären sehr laut geworden sein. Zumindest von einer Seite.

„Dass ich das gesagt haben soll, stimmt natürlich nicht, das weiß auch Herr Schultz“, sagt der LSB-Präsident der Berliner Morgenpost, „er hat mir erklärt, seine Worte seien in dem Protokoll nicht korrekt wiedergegeben und wolle es ändern lassen.“ Woraus wie eingangs erwähnt nichts wurde, auch wenn Schultz sich das nach 16 Jahren im Amt wohl so einfach vorgestellt hatte. Härtel ergänzt, dass LSB-Direktor Friedhard Teuffel dem Fußballverband gegenüber sogar schriftlich seine Sorge zum Ausdruck gebracht habe. „Kinderschutz ist ein Thema, das persönliche Integrität voraussetzt“, sagt Teuffel.

Schultz spricht von einem Missverständnis

Extrem naiv war es vom BFV zu glauben, dass er mit dieser Personalie durchkommen könne. Und am Ende standen alle Beteiligten beschädigt da. Der Vizepräsident trat nach drei Wochen im Amt zurück. Auf die Frage, ob er erkenne, dass er in der Causa einen Fehler begangen habe, antwortet Schultz der Morgenpost: „Wenn, dann sicher in der moralischen Einschätzung.“ Um wenig später anzufügen: „Wir haben das als Präsidium als Fehler eingestuft.“ Allerdings sei das Thema doch längst erledigt. Dann fragt sich nur, warum immer noch Protokolle geändert werden sollen. „Es war missverständlich, deshalb habe ich dazu jetzt eine persönliche Erklärung abgegeben“, so der Präsident.

Alles nur ein Missverständnis – so schnell will sich Bernd Schultz eben nicht in Erklärungsnot bringen lassen, obwohl nicht nur Jörg Wirtgen, BFV-Vizepräsident für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, erkennt: „Irgendwer erzählt hier was Falsches.“ Dem Unternehmensberater geht es allerdings nicht allein um diesen einen Fall von Fehlentscheidung. Er ist mit dem Ansehen seines Verbandes insgesamt unzufrieden. „Meine Zielsetzung ist, dass der BFV bekommt, was ihm zusteht“, sagt der 66-Jährige, „er soll der innovativste und professionellste Verband innerhalb des DFB sein“, also des Deutschen Fußball-Bundes.

Opposition kritisiert: BFV findet in Berlin nicht statt

Das jedoch, meint er, werde mit dem 62-jährigen Schultz an der Spitze nicht zu erreichen sein. „Wir haben 160.000 Mitglieder in der Stadt, sind ein riesiger politischer und wirtschaftlicher Faktor, aber wir finden in Berlin nicht statt.“ Wer so lange im Amt sei wie Schultz, der „hat selten die Kraft, neue Entwicklungen anzuschieben“. Auch Thomas Härtel ist nicht entgangen, wie angespannt die Situation im BFV ist: „Die Debatten sind unüberhörbar.“ Nicht angenehm für den LSB, wenn im größten Verband Unruhe herrscht.

Um so entspannter gibt sich Schultz: „Gegenwind gibt es nicht erst seit der Personalie Kummer“, aber er halte sich ansonsten an die Absprache des Präsidiums, Themen nicht öffentlich auszudiskutieren. Wirtgen dürfe natürlich seine persönliche Auffassung äußern. Für die Zukunft des BFV sei sie jedoch nicht entscheidend, das sei im Juni 2021 der Verbandstag mit der Wahl des neuen Präsidiums. Schultz wirkt irgendwie zuversichtlich, dass bis dahin der Ball wieder so rollt, wie er das will.