Tischtennis

TTC Berlin Eastside stellt sich in der Krise neu auf

Ob der TTC Eastside Meister wird, wissen die Berlinerinnen noch nicht. Aber für die neue Saison haben sie ihr Team schon zusammen.

Shan Xiaona (r.) und Nina Mittelham werden auch kommende Saison für den TTC Eastside an der Platte stehen.

Shan Xiaona (r.) und Nina Mittelham werden auch kommende Saison für den TTC Eastside an der Platte stehen.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Zum Glück hat Shan Xiaona die Eltern an ihrer Seite. Die Deutsch-Chinesin, die für den TTC Berlin Eastside spielt, aber in Düsseldorf lebt, hat deren Besuchervisum noch einmal verlängern lassen, auch wegen der komplizierten Lage in der Heimat. So kann die 37-Jährige ab und zu joggen gehen, um halbwegs in Form zu bleiben. Oma und Opa bespaßen in der Zeit ihre Enkeltochter. „Anfangs“, sagt Shan, „dachte ich, es ist ganz schön, ein paar Tage Pause zu haben. Da dachte ich, das geht vielleicht zwei Wochen so.“ Inzwischen hat auch sie das Gefühl: „Das dauert noch lange.“

TTC Berlin Eastside ist national noch ungeschlagen

„Das“ – damit meint sie den Stillstand im Sport in der Corona-Krise. Auch an Tischtennis ist momentan kaum zu denken – weder in Düsseldorf im Bundesleistungszentrum noch in Berlin bei ihrem Klub. Erst mal heißt es, wie in so vielen Bereichen: abwarten. „Aktuell wird in der Bundesliga diskutiert, die Saison abzubrechen“, sagt TTC-Präsident Alexander Teichmann.

Mit verschiedenen Szenarien. Meister ist, wer nach der Hinrunde die Tabelle anführte. Oder Meister ist, wer nach den letzten ausgetragenen Spielen Anfang März vorn lag. Oder gibt es gar keinen Meister? Die Antwort in den beiden ersten Fällen lautet jedenfalls Eastside, national noch ungeschlagen in dieser Saison. Mit der besten personellen Besetzung, die es je gab.

Die es aber nicht wieder so geben wird. „Wir werden defensiv in die nächste Spielzeit starten“, kündigt Teichmann an. Unabhängig davon, ob die Sponsoren wie angekündigt dem TTC treu bleiben, „jeder ist doch gerade mit sich selbst beschäftigt“, weiß der Eastside-Präsident.

Die Rumänin Bernadette Szöcs wird ihren Vertrag nicht verlängern, die Schwedin Matilda Ekholm ihre Karriere beenden. Die Ungarin Gina Pota erwartet im Mai ihr erstes Kind und möchte eine Babypause einlegen. Mit der Portugiesin Yu Fu wollten die Berliner verlängern, doch in Zeiten ohne Einnahmen sollte man nicht zu viel investieren, weil damit die Zukunft des Gesamtvereins mit seinen 300 Mitgliedern in Gefahr geraten könnte. „Dafür tragen wir Verantwortung“, sagt Teichmann, „das alles soll erhalten bleiben.“

Shan und Mittelham bleiben in Berlin

Sicher bleiben Shan, die deutsche Meisterin Nina Mittelham und Kathrin Mühlbach; bisher einziger Zugang ist Bundesliga-Routinierin Jessica Göbel, die vom TV Busenbach kommt, der sein Team zurückzieht. Das Gute ist, dass die neue Saison unter anderen Vorzeichen beginnt. Nach der Punkterunde gibt es wieder ein Play-off, und die Vereine dürfen Anfang 2021 Verstärkungen verpflichten. Für das Play-off, ist Teichmann zu Recht überzeugt, wird es auch so reichen, „auch in der Champions League werden wir die Vorrunde überstehen. Dann legen wir personell nach.“ Ein kluger Ansatz, nicht allein unter dem aktuell herrschenden Zwang, sein Geld zusammenzuhalten.

Noch offen ist außerdem, wie in diesem Frühjahr die Champions League abgeschlossen wird. Eastside ist auch dort erfolgreich, steht im Halbfinale, gemeinsam mit Tarnobrzeg (Polen), Saint Quentinois (Frankreich) und Linz (Österreich). Es gibt Überlegungen, an einem Tag ein Final Four dieser vier Klubs zu veranstalten. Wann und wo, steht allerdings in den Sternen. Natürlich würden die Berlinerinnen, die diesen Wettbewerb in den vergangenen zehn Jahren vier Mal gewannen, dazu je fünf Mal Meisterschaft und Pokal, die Sache gern zu einem positiven Ende bringen.

Shan glaubt, dass diese Saison nicht mehr gespielt wird

Doch wie anderswo hat auch beim TTC Eastside längst die Einsicht Einkehr gehalten, dass im Moment Titel und Erfolge nicht das sind, was am meisten zählt. „Ich glaube, diese Saison spielen wir nicht mehr“, sagt Shan Xiaona. Teichmann pflichtet ihr bei: „Realistisch betrachtet, wird man die Saison beenden.“ Ob mit oder ohne Meister, ist dann eher ein B-Thema. Oder, wie der Klub-Präsident sagt: „Es wäre ein blöder Titel.“

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