Rudern

Ruderer Karl Schulze hält an seinem Olympia-Traum fest

Fast alle Wettkämpfe auf dem Weg nach Tokio sind abgesagt. Dass die Spiele nicht stattfinden, will Schulze aber noch nicht glauben.

Das zweite Olympia-Gold für Karl Schulze (l.): In Rio gewann er an der Seite von Philipp Wende, Lauritz Schoof und Hans Gruhne.

Das zweite Olympia-Gold für Karl Schulze (l.): In Rio gewann er an der Seite von Philipp Wende, Lauritz Schoof und Hans Gruhne.

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Wenn die Kinder in ihren Mittagsschlaf gehen, dann setzt sich Karl Schulze auf sein Ruderergometer. Zwar ist der Mann zweifacher Olympiasieger im Doppelvierer, aber so ein Gerät hat er normalerweise trotzdem nicht zu Hause. Er kann es ja im Trainingsstützpunkt nutzen. „Doch weil niemand weiß, wie sich gerade alles entwickelt, haben wir jetzt ein Ergometer mit nach Hause bekommen“, sagt Schulze. Für den Sportler vom Berliner Ruder-Club (BRC) kein Problem, eher für die Nachbarn, denn „es ist ganz schön laut“.

Immerhin ist die Ruderakademie in Ratzeburg, wo sich die deutschen Skull-Männer auf die Olympischen Spiele vorbereiten, derzeit noch offen für die Olympiakader. Und auch der Olympiastützpunkt in Hamburg, der zweite Standort der Skuller, gewährt Tokio-Kandidaten mit Sondergenehmigung Einlass. In diesen dynamischen Zeiten kann sich aber alles schnell ändern. Mit den Ergometern wäre dann wenigstens ein Mindestmaß an Training auch daheim möglich.

Aktuell macht dem Athleten aus dem Doppelvierer die Heimarbeit nichts aus, die Skuller waren bis zum Sonnabend planmäßig für über zwei Wochen in Portugal im Trainingslager. „Jetzt ist ohnehin mehr Regeneration, wir haben gut trainiert. In Portugal haben wir schon überlegt, wie es weitergehen kann. Allerdings waren wir sehr abgeschieden. Richtig bewusst geworden ist uns die ganze Lage erst nach der Rückkehr“, so der 32-Jährige.

Der Traum vom Triple begleitet Schulze

Während viele Sportler sich gerade schnell Klarheit darüber wünschen würden, ob die Spiele Ende Juli in Japan nun verschoben werden, bleibt Schulze noch ruhig. „Der Zeitraum bis dahin ist noch relativ lang, vieles ist ungewiss. Helfen die Maßnahmen, wie schnell helfen sie? Ich bin optimistisch und hoffe, dass Olympia stattfinden kann“, sagt der Goldgewinner von 2012 und 2016. In Tokio will er das Triple schaffen, drei Siege im Doppelvierer in Folge.

Der Traum lebt, erst für Ende Mai rechnet Schulze mit einer Entscheidung: „Die Motivation für Olympia ist noch groß. Aber die ganzen Wettkämpfe sind abgesagt, das macht es nicht einfacher.“ Die komplette Weltcup-Saison musste vom Weltverband gestrichen werden, auch die Qualifikationsregatta in Luzern, wo der deutsche Verband noch einige Boote zu den Spielen bringen wollte.

Die Skuller waren mit ihren drei Booten (Einer, Doppelzweier, Doppelvierer) längst qualifiziert. Neben Olympia ist derzeit nur noch die EM in Poznan für Anfang Juni im Wettkampfkalender existent. „An die EM glaube ich aber auch nicht mehr, sie ist zu früh“, so Schulze. Eine skurrile Vorstellung, die Olympischen Spiele allein aus dem Training anzugehen. Ohne einen echten Wettkampf zuvor.

Nur daheim zu trainieren, wäre sehr schwierig

Aber so weit geht der Blick derzeit nicht, wichtig wäre es, „in Ratzeburg normal weitertrainieren zu können“. Wenn man etwa wie die Achter-Crew in Dortmund nur in den „eigenen vier Wänden trainieren könnte, ist es schwierig, Motivation und Fokus zu behalten“. Schulze könnte wohl auch damit leben, wenn das Team der acht Skuller demnächst in Ratzeburg „einkaserniert“ wäre.

Was er nicht weiß, ist, wie es bei einer Verschiebung der Spiele für ihn weitergehen würde. „Alles ist auf diesen Zeitpunkt geplant. Zum einen trainingsmethodisch, aber auch der ganze Alltag ist daraufhin abgestimmt. Das hat viele Entbehrungen für die Familie beinhaltet“, so Schulze. Die sollten eigentlich im Sommer enden, er wollte mit der Familie zurückkehren in die Heimat nach Dresden. Frau und Kinder kurz vor Olympia, er kurz danach. Würde Olympia nun nicht wie geplant stattfinden, wäre die Frage, was dann passiert, mit „einer schweren Entscheidung“ verbunden.