Leichtathletik

Lisa-Marie Kwayie startet durch Richtung Tokio

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Philip Häfner
Sag es mit Blumen: Lisa-Marie Kwayie kam nach ihrem Sieg beim Istaf Indoor kaum noch aus dem Lächeln heraus.

Sag es mit Blumen: Lisa-Marie Kwayie kam nach ihrem Sieg beim Istaf Indoor kaum noch aus dem Lächeln heraus.

Foto: nordphoto / Engler via www.imago-images.de / imago images/Nordphoto

Ihr Sieg beim Istaf Indoor in Berlin zeigte Lisa-Marie Kwayie, dass sie in der Olympiasaison auf einem sehr guten Weg ist.

Berlin. Eigentlich wollte Sprinterin Lisa-Marie Kwayie beim Istaf Indoor bloß ihre Form testen. Eine Hallensaison hatte sie ursprünglich gar nicht geplant – mit dem Rennen in der Mercedes-Benz Arena wollte sie lediglich überprüfen, ob sie im Training auf der richtigen Fährte ist. „Das geht nun einmal am besten im Wettkampf“, sagt sie.

Lisa-Marie Kwayie will in Leipzig ihren Titel verteidigen

Herausgekommen ist dabei am vergangenen Freitag der Sieg über 60 Meter beim weltgrößten Leichtathletik-Hallenmeeting; zudem erzielte die Berlinerin mit 7,25 Sekunden eine deutsche Jahresbestzeit. Nach diesem rasanten Auftakt fährt Kwayie am Wochenende mit besten Aussichten zu den deutschen Hallenmeisterschaften. „Der Start war beim Istaf Indoor noch nicht so berauschend, aber die Beschleunigung hat schon ganz gut funktioniert“, meint sie. „Dieser Erfolg gibt mir viel Motivation für die Meisterschaften. Das gute Gefühl nehme ich mit nach Leipzig.“

An die dortige Bahn hat sie ohnehin gute Erinnerungen. Im vergangenen Jahr hatte sich die Leichtathletin von den Neuköllner Sportfreunden dort mit persönlicher Bestleistung von 7,19 Sekunden erstmals die Goldmedaille gesichert. Damals hatte sie vor der Hallen-DM sogar überhaupt kein Rennen bestritten und keine Ahnung, in welcher Verfassung sie sich befindet.

Gina Lückenkemper verzichtet auf Hallensaison

2019 kam der Sieg deshalb selbst für sie überraschend. Dieses Mal kann sie sich allerdings sicher sein, dass die Form stimmt. Als Jahresschnellste geht Lisa-Marie Kwayie sogar als Favoritin an den Start, auch weil Gina Lückenkemper (SCC) in diesem Winter mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio auf eine Hallensaison verzichtet. „In Berlin habe ich gesehen, dass vom Körper her alles stimmt. Wenn der Kopf mitspielt, kann das in Leipzig auch wieder ein richtig schnelles Rennen werden“, sagt Kwayie.

Sie wäre die erste Kurzsprinterin seit 2015, die ihren Titel erfolgreich verteidigt. Mit WM-Teilnehmerin Caterina Granz (LG Nord) hat über 1500 Meter eine weitere Berlinerin gute Chancen auf Edelmetall. Auch sie profitiert davon, dass mit Konstanze Klosterhalfen die stärkste Kontrahentin auf die Titelkämpfe verzichtet. Ob Granz am Wochenende außerdem über 3000 Meter antritt, entscheidet sich kurzfristig. Dort hätte sie ebenfalls Medaillenchancen.

In Tokio will Kwayie in drei Wettbewerben starten

Lisa-Marie Kwayie hatte sich vor einem Jahr mit ihrer Leistung aus Leipzig auch für die Hallen-EM qualifiziert. Für die 23-Jährige war es der Auftakt für ihre bislang beste Saison, die gespickt war mit internationalen Höhepunkten. Bei der Universiade in Neapel gewann sie zweimal Bronze, ebenso mit der Staffel bei den World Relays in Yokohama. Mit der Mannschaft holte sie Silber bei der Team-EM in Bydgoszcz. Zudem startete sie in Doha/Katar erstmals bei der Weltmeisterschaft und schaffte es über 200 Meter mit neuer persönlicher Bestzeit von 22,77 Sekunden bis ins Halbfinale. Über die kürzere 100-Meter-Distanz verbesserte sie sich 2019 auf 11,22 Sekunden.

In diesem Jahr hat der Weltverband die Hallen-WM in Nanjing (China) aufgrund des Corona-Virus abgesagt. Nach Leipzig gilt Kwayies ganze Konzentration deshalb bereits der Freiluftsaison. „Ich möchte auf beiden Strecken noch schneller laufen“, sagt sie. Die 100 Meter unter 11,20 Sekunden, die 200 Meter unter 22,70 Meter – so lauten ihre Ziele für den Sommer. Bei den Olympischen Spielen in Tokio will Kwayie auf beiden Einzelstrecken sowie mit der Staffel dabei sein. „Es ist ein hochgestecktes Ziel, aber man macht es ja auch nicht umsonst“, sagt die Berlinerin. Nach ihrem starken Auftritt beim Istaf Indoor weiß sie jetzt, dass sie sich mit Blick auf Olympia auf dem richtigen Weg befindet.

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