Wasserball

Wasserfreunde vor einer Saison mit Fragezeichen

Für die Wasserfreunde Spandau zählt traditionell nur der Meistertitel. Aber die Aufgabe wird in dieser Saison besonders schwer.

Stamm-Kraft bei den Wasserfreunden, derzeit nicht fit: Marko Stamm, der Kapitän der Mannschaft.

Stamm-Kraft bei den Wasserfreunden, derzeit nicht fit: Marko Stamm, der Kapitän der Mannschaft.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Als Spandauer Wasserfreund etwas anderes als Ziel auszugeben als den Gewinn der deutschen Wasserball-Meisterschaft, wäre irgendwie befremdlich. Schließlich haben die Berliner das schon 37 Mal geschafft seit 1979 – also quasi immer. Außerdem gehen sie als Titelverteidiger in die mit einem Heimspiel gegen den OSC Potsdam (Sonnabend, 16 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) beginnende Saison. Und Manager Peter Röhle sagt: „Ich glaube, dass wir stärker geworden sind.“

Russe Kholod ist eine Riesenverstärkung

Das liegt zum einen an der Verpflichtung des russischen Nationalspielers Dmitrii Kholod, der von Dynamo Moskau nach Spandau wechselte. Doch der 1,97 Meter große Hüne ist nicht der einzige Grund für Röhles Optimismus. „Die Mannschaft ist im Kern wieder zusammengeblieben“, sagt der einstige Weltklassetorhüter, „wir arbeiten im dritten Jahr in dieser Konstellation. Das ist ein großer Vorteil.“ Weil bestimmte Abläufe, bestimmte Spielzüge, bestimmte Hierarchien nicht jedes Mal aufs Neue abgesprochen werden müssen. Das Team versteht sich fast blind.

Doch gleichzeitig tun sich Fragezeichen auf vor der Saison. Denn Röhle sagt auch: „Wir sind abhängig davon, möglichst viel miteinander zu trainieren, damit unser Spiel auch auf Topniveau funktioniert.“ Übung macht bekanntlich den Meister. Zumal gegen Konkurrenten, die vom Talent und der Qualität her vielleicht noch stärker sind als die Wasserfreunde. National ist Waspo Hannover zumindest auf Augenhöhe. International sind fast alle Gegner stärker besetzt.

In der Champions League Auftakt gegen Barcelona

In der Champions-League-Vorrunde der Berliner trifft dies ganz sicher auf Olympiakos Piräus zu, Europas Champion von 2018, auch auf Jug Dubrovnik, Sieger 2016, oder Barceloneta, den Zweiten des Kontinents in der letzten Saison. Dennoch hat sich die Spandauer Mannschaft vorgenommen, einen der ersten vier Plätze in seiner Achtergruppe zu ergattern und damit ins „Final Eight“ einzuziehen. Ob dieser Wunsch ein Hirngespinst ist oder realistisch, kann sich schon am 8. Oktober erweisen, wenn die Wasserfreunde Barceloneta empfangen.

Auch auf die Frage, wie es um die Kräfteverhältnisse zwischen Hannover und Berlin steht, gibt es eine erste Antwort schon am 3. Oktober in der Schwimmsporthalle Schöneberg. Im Supercup treffen zunächst bei den Männern Meister Spandau und Pokalsieger Hannover aufeinander (15 Uhr), im Anschluss die Doublegewinnerinnen aus Spandau auf Vizemeister Bayer Uerdingen. Die Frauen aus der Hauptstadt sind dabei mehr favorisiert als die Männer.

Stamm und Saudadier schmerzlich vermisst

Denn sie haben einmal mehr mit personellen Ausfällen zu kämpfen. Der Franzose Remi Saudadier ist vermutlich für einige Wochen außer Gefecht, auch Kapitän Marko Stamm angeschlagen – zwei Säulen im Team. Sie werden sehnlichst zurückerwartet. Erschwerend kommt hinzu, dass die jetzt beginnende Saison eine besondere ist. Mit Nationalmannschafts-Lehrgängen, einer Europameisterschaft im Januar und einer Olympia-Qualifikation im März.

„Das wird natürlich eine hohe Belastung für unsere Nationalspieler“, stöhnt Röhle. Und eigentlich sind fast alle Spandauer Spieler in Nationalmannschaften aktiv, von Deutschland über Montenegro bis Rumänien. „Wir müssen lernen, damit umzugehen. Wir müssen lernen, noch fokussierter zu arbeiten, wenn wir mal gemeinsam in Berlin sind.“ Denn bei aller Belastung wollen sie in Spandau jetzt keine befremdlichen Ziele ausrufen. Deshalb stellt Röhle klar: „Den Pokal hätten wir natürlich gern von Hannover zurück. Und den Supercup, naja, den würden wir auch nehmen.“