Kommentar

Weltklasse-Tennis in Berlin: Wenn alle an etwas verdienen

2020 gibt es in Berlin wieder Weltklasse-Tennis. Dietmar Wenck glaubt, dass der Sport Berlin auch wirtschaftlich stärkt.

Im Steffi Graf Stadion wird bald wieder Weltklassetennis zu sehen sein.

Im Steffi Graf Stadion wird bald wieder Weltklassetennis zu sehen sein.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Als 2008 die Scheichs aus Katar gescheitert waren mit dem letzten Versuch, die German Open zu retten und die Turnierlizenz nach Madrid verkauften, sah es trübe aus um die Zukunft des LTTC Rot-Weiß. Schulden in Millionenhöhe, Hunderte Austritte von Mitgliedern und ein teures Stadion, das nicht gebraucht wurde: Der Klub schien am Ende.

In relativ kurzer Zeit hat er sich aus seinem Loch herausgegraben, auf sein Kerngeschäft gestürzt, das Ausbilden junger Spieler und Spielerinnen. Die Stimmung drehte sich, die Spendenbereitschaft der betuchten Menschen im Klub wieder nahm zu. Heute ist die alte Mitgliederzahl nahezu erreicht, Schulden sind abgebaut. Das Präsidium hat deshalb nicht gleich neue Luftschlösser gebaut, ist nicht sofort dem ersten Angebot erlegen, wieder ein Turnier zu bekommen, sondern hat auf die richtigen Partner gewartet.

Mitglieder mussten erst zustimmen

Die scheinen jetzt gefunden zu sein, trotzdem wurden zunächst die leidgeprüften Mitglieder zur Abstimmung gebeten. Erst als sie einverstanden waren, wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Das Risiko wirkt überschaubar, Veranstalter Emotion Sports und der reiche Wimbledon-Club, der um die professionelle Erweiterung seiner weltweit vermarkteten Wimbledon-Series bemüht ist, tragen den Großteil der Kosten. Wie es aussieht, eine Win-Win-Situation.

Hilfreich war dabei das Engagement des Senats. „Damentennis passt perfekt in die sportliche Vielfalt unserer Stadt“, sagt Staatssekretär Aleksander Dzembritzki. 600.000 Euro für die Errichtung dreier Rasenplätze im Olympiapark wird der Steuerzahler verkraften, da werden in anderen Bereichen unserer Gesellschaft ganz andere Summen in Umlauf gebracht. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen Spitzensport als eine lästige Nebensache betrachtet wurde.

Durch Sport kommt Geld in die Kasse

Mag sein, dass dazu der wirtschaftliche Gewinn durch den Sport für die Stadt beiträgt, sei es durch die Top-Klubs in der Stadt, sei es durch Veranstaltungen wie die Leichtathletik-EM 2018 oder die Finals in diesem Jahr, um nur die jüngsten Beispiele zu nennen. Da wird viel Geld eingespielt. Nach Berechnungen der Investitionsbank Berlin erzielt Berlin zum Beispiel durch die Rückkehr des Tennisturniers in die Hauptstadt in fünf Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Sportmetropole kann sich freuen, ein weiteres Highlight zu bekommen und dabei auch noch mitzuverdienen. Und der LTTC Rot-Weiß steht wieder vor einer vielversprechenden Zukunft.