Tennis

Rot-Weiß feiert sein Comeback auf der großen Tennis-Bühne

Auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß Berlin wird im kommenden Juni ein Rasenturnier stattfinden. Elf Jahre nach den letzten German Open.

Bislang nur eine Fotomontage:_Das Steffi-Graf-Stadion als Rasenplatz-Arena

Bislang nur eine Fotomontage:_Das Steffi-Graf-Stadion als Rasenplatz-Arena

Foto: e|motion sports

Berlin. Seit Januar 2012 ist Werner Ellerkmann Präsident des LTTC Rot-Weiß Berlin. So manches Mal sei er gefragt worden: Ist das nicht der Klub, der dieses tolle Frauentennisturnier veranstaltet? Dann musste er erwidern, dass dies von 1979 bis 2008 der Fall gewesen sei, seitdem nicht mehr. Jetzt kann er antworten: „Ja, wir haben ein großes Turnier. Den letzten großen Test vor Wimbledon.“ Der Präsident gibt zu: „Die schönen Erinnerungen daran sind schon sehr groß gewesen.“ Und die Sehnsucht, eines Tages dahin zurückzukommen.

Bedeutung so hoch wie bei German Open

Nun wird sie bald erfüllt. Vom 13. bis 21. Juni 2020 finden auf der Anlage des Klubs am Hundekehlesee die „Grass Court Championships Berlin“ statt. Der Jahreskalender ist von der Spielerinnenvereinigung WTA neu sortiert worden, davon profitierte Berlin, das die Lizenz des Turniers in Birmingham bekommen soll. Veranstalter ist Emotion Sports, ein in Wien ansässiges Unternehmen mit dem Geschäftsführer Edwin Weindorfer, das unter anderem auch die Rasenturniere in Stuttgart und auf Mallorca in seinem Portfolio hat. Das Preisgeld, so Sprecher Karlheinz Wieser, werde rund 850.000 Dollar betragen.

„In jedem Fall ist es ein Premier Event“, sagt er, das bedeutet, von seiner Bedeutung her unterhalb der vier Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York angesiedelt – so wie seinerzeit die German Open in Berlin. Die begannen immer zwei Wochen vor dem Start der French Open in Paris und waren deshalb ein begehrtes Testturnier, bei dem meistens ein Großteil der Weltelite am Start war. Stefanie Graf gewann hier neun Mal. Genauso sollen nun kurz vor Wimbledon die Stars der Szene nach Berlin kommen: die Deutschen Angelique Kerber, Julia Görges und die Rot-Weiße Sabine Lisicki sowieso. Vielleicht aber auch die aktuelle Wimbledonsiegerin Simona Halep aus Rumänien oder gar Serena Williams (USA), die schon 2002 bei den German Open in Berlin im Endspiel stand?

Für fünf Jahre ist das Turnier sicher in Berlin

Das ist Zukunftsmusik, Verträge sind jetzt natürlich noch nicht unterschrieben. Auch Tickets soll es erst Anfang 2020 geben. Klar ist: Das Turnier wurde zunächst für fünf Jahre nach Berlin vergeben. „Aber Emotion Sports will langfristiger in Berlin bleiben“, sagt Ellerkmann. Der Verein muss dafür drei seiner insgesamt 19 Plätze auf der Anlage am Gottfried-von-Cramm-Weg von rotem Ziegelmehl auf Rasen umbauen.

Kein leichtes Unterfangen, allerdings eines, das unter anderem bereits 2015 in Stuttgart erfolgreich umgesetzt wurde. Dieselbe Baufirma wird nun auch in Berlin aktiv, tatkräftig unterstützt von Experten aus Wimbledon. Schon Ende dieses Monats soll damit begonnen werden. Die Veranstalter der All England Championships haben sehr großes Interesse daran, dass der Rasen bei den Vorbereitungsturnieren die gleiche Qualität hat wie im Londoner Tennis-Tempel und beteiligen sich auch finanziell.

Schritt für Schritt zurück nach oben

Eines der besten deutschen Tennisturniere kehrt damit nach Berlin zurück, wenngleich auf neuem Untergrund. Die Rot-Weiß-Verantwortlichen haben Schritt für Schritt auf dieses Ziel hingearbeitet. Nach dem Verlust der German Open 2008 lag der Verein mehr oder weniger in Trümmern, stand dicht vor dem Ruin und hatte ein großes Stadion zu versorgen, das eigentlich nicht mehr gebraucht wurde.

Zwar fanden nach wie vor internationale Juniorenturniere auf der Anlage statt. Noch größerer Sport wurde allerdings erstmals wieder 2015 geboten, als die „Grand Champions“ mit Wimbledonsieger Michael Stich und Publikumsliebling Henri Leconte aufliefen. Im Jahr darauf fand dort das Daviscup-Spiel gegen Polen (3:2) statt. Schon damals sagte Ellerkmann der Berliner Morgenpost: „Wir wollen ein Turnier hierher bekommen. Männer oder Frauen – das ist mir egal.“

Senat baut drei weitere Rasenplätze

Pläne mit der Agentur von Michael Stich, der ebenfalls eine Veranstaltung auf Rasen plante, zerschlugen sich wieder. Erst bei Weindorfer hatten die Rot-Weißen um ihren Präsidenten Ellerkmann und Sportdirektor Markus Zoecke ein uneingeschränkt gutes Gefühl. Dazu kam, dass der Berliner Senat sich einschaltete und die verschiedenen Parteien zusammenbrachte. „Der Senat hat schnell und kreativ gehandelt. Das war sehr hilfreich“, sagt Ellerkmann.

Das Ergebnis stimmt nun alle zuversichtlich. „Mit diesem Event liegt erstmals seit vielen Jahren der Fokus des internationalen Tennis wieder auf Berlin“, wird Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki in einer Mitteilung zitiert, „ich freue mich, dass es uns gelungen ist, gemeinsam mit dem LTTC und der WTA das Turnier nach Berlin zu holen.“ Einen finanziellen Beitrag leistet dabei auch das Land: Drei weitere Rasenplätze werden mit Unterstützung des Senats im Olympiapark entstehen. Mit drei Plätzen kann nämlich niemand ein Turnier ausrichten.