Tennis

Wird Rot-Weiß zu Klein-Wimbledon?

Deutschland soll Tennisturniere auf Rasen bekommen. Eines findet vor Wimbledon in Bad Homburg statt, das zweite vermutlich in Berlin.

Vielleicht spielt auch sie bald auf Rasen in Berlin: Angelique Kerber, Wimbledonsiegerin 2018.

Vielleicht spielt auch sie bald auf Rasen in Berlin: Angelique Kerber, Wimbledonsiegerin 2018.

Foto: Clive Brunskill / Getty Images

Bad Homburg/Berlin. Der Weg nach Wimbledon führt über Deutschland: Nachdem seit einigen Jahren bereits die Männer vor dem Grand-Slam-Klassiker von London in Stuttgart und Halle/Westfalen aufschlagen, dürfen sich nun auch Angelique Kerber und Co. auf eine Generalprobe in der Heimat freuen. Die beiden neuen WTA-Turniere in Berlin und Bad Homburg machen die Bundesrepublik ab 2020 zur Rasen-Hochburg - und bringen heiße deutsche Tennis-Wochen im Juni.

Männer spielen schon in Halle und Stuttgart

Denn die internationale Tennis-Elite dürfte sich durch die neuen beiden „Mini-Wimbledons“ künftig nach den French Open zu großen Teilen in Deutschland einfinden. Vier von zwölf Rasen-Turnieren im Vorfeld des Major-Highlights im „All England Lawn Tennis Club“ finden hierzulande statt. In der Woche nach dem Finale von Paris geht es los in Stuttgart, es folgen parallel die Events in Berlin und Halle, den Abschluss bildet das Turnier in Bad Homburg. So ist der Plan.

In der Kleinstadt nördlich von Frankfurt hatten am Donnerstagabend die Stadtverordneten mit breiter Mehrheit für die Pläne zur Ausrichtung des Events gestimmt und den Weg somit frei gemacht. Nachdem am Montag bereits der Magistrat das Vorhaben abgesegnet hatte, stand am Freitag nur noch die Unterzeichnung der Verträge mit der Profiorganisation WTA und dem Londoner Lizenzinhaber aus.

Kerber soll das Zugpferd sein

Zugpferd der Veranstaltung vom 20. bis 27. Juni soll die frühere Wimbledonsiegerin Kerber werden. Die Kielerin soll neben ihrer Rolle als Spielerin auch als Turnierbotschafterin auftreten. Angeblich ist für sie im Anschluss an ihre Tennis-Karriere zudem eine Aufgabe als Turnierdirektorin denkbar.

Kerbers Management fungiert zusammen mit der Agentur Perfect Match des Schweizers Markus Günthardt als Veranstalter des Turniers, die Ausrichter des Majors in Wimbledon sind Inhaber der Lizenz. Auch die Kosten für den Um- und Neubau der notwendigen Rasenplätze in Bad Homburg sollen nach Angaben der Stadt zu großen Teilen durch den „All England Lawn Tennis Club“ übernommen werden.

Goldene Zeit des Tennis beim LTTC Rot-Weiß

Quasi parallel wurde bekannt, dass auch Berlin fest mit der Rückkehr der Tennis-Weltelite rechnen kann. Auch hier steht der Austragung des Rasenturniers auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß mit dem 7000 Zuschauer fassenden Steffi-Graf-Stadion zwischen dem 15. und 21. Juni nichts mehr im Weg. Nicht zuletzt deshalb, weil Mitte August die Mehrheit der Rot-Weiß-Mitglieder ihre Zustimmung gab. „Nach meinem Kenntnisstand ist die Sache durch. In Berlin gibt’s keine Hürden mehr, die mir bekannt wären“, sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff der „Bild“. Ähnlich optimistisch hatte er sich während des Wimbledonturniers in diesem Sommer auch in der Berliner Morgenpost geäußert. Eine Bestätigung seitens des LTTC gab es am Freitag noch nicht, doch die Chancen scheinen gut zu stehen.

In Berlin wurden von 1979 bis 2008 die German Open der Frauen ausgetragen. Rekordsiegerin war Steffi Graf, die dort im Zeitraum von 1986 bis 1996 neun Mal gewann. Es war die goldene Zeit des Tennis in Deutschland. Eine Zeit, die unwiederbringlich vorbei ist. Ein kleines Revival bedeutet der heiße Tennis-Monat Juni allerdings schon.