Berliner Champions

Ein Hockey-Olympiasieger als großes Vorbild

Paul Dösch ist eine der größten Hoffnungen im Hockey-Nachwuchs. Beim BHC soll er neben Martin Häner zum Nationalspieler reifen.

Hockeyspieler Paul Dösch hat große Ziele mit seinem neuen Team.

Hockeyspieler Paul Dösch hat große Ziele mit seinem neuen Team.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Bislang hat sich aus Mönchengladbach noch niemand bei Paul Dösch gemeldet. Am Sitz des Deutschen Hockey-Bundes wird normalerweise die Silberware gelagert, welche die diversen Nationalteams von ihren Turnieren mit nach Hause bringen. Auch der Europameisterpokal der U21 sollte eigentlich dorthin. Doch direkt nach dem Turnier im Juli fühlte sich niemand so recht verantwortlich. Also schnappte sich Dösch die Trophäe, der als Kapitän des Juniorenteams ohnehin eine tragende Rolle bekleidete, und nahm sie kurzerhand mit nach Hause – dort steht sie bis heute neben seinem Bett. „Das ist ein schönes Gefühl, wenn man morgens nach dem Aufwachen als erstes den Pokal anblickt“, sagt er.

Auch beim Berliner Hockey-Club (BHC) setzen sie darauf, dass Dösch Verantwortung übernimmt. Dorthin ist der 21-Jährige zur neuen Saison gewechselt, die für die Berliner gleich mit zwei Heimspielen am Sonnabend gegen den Crefelder HTC sowie am Sonntag gegen Uhlenhorst Mülheim (jeweils 14 Uhr, Wilskistraße) beginnt. Für Paul Dösch bedeutet der Wechsel von Blau-Weiß zum BHC Rückkehr und Neuanfang gleichermaßen. Beim BHC hatte er mit sechs Jahren mit dem Hockeyspielen begonnen, genau wie vorher schon seine älteren Geschwister.

Wechsel von Blau-Weiß zum Berliner HC

„Trotzdem fühle ich mich als Blau-Weißer. Ich habe jetzt fast zehn Jahre dort gespielt. Alles, was mich als Hockeyspieler ausmacht, habe ich bei Blau-Weiß gelernt“, sagt Dösch. Dreimal wurde er mit dem Klub deutscher Jugendmeister – zweimal in der Halle, einmal draußen – und schaffte dort auch den Sprung zum Nationalspieler. Fast 80 Nachwuchsländerspiele hat der Zehlendorfer absolviert. Vor drei Jahren wurde er in der U18 schon einmal Europameister.

„Es ist mir bestimmt nicht leicht gefallen, Blau-Weiß zu verlassen. Aber langfristig ist das Niveau dort nicht so hoch, wie ich es brauche“, sagt er, zumal der Verein zuletzt wieder in die zweite Liga abgestiegen ist. Paul Dösch schaute sich deshalb nach Alternativen um. Ursprünglich wollte er raus aus Berlin. Er hatte Angebote aus Krefeld und vom Hamburger Polo Club, am Ende entschied er sich doch für die naheliegende Option im Nachbarbezirk.

Als Nachfolger von Häner vorgesehen

Aus finanzieller Sicht sei der BHC sicher nicht die beste Lösung gewesen, „da sind die anderen Vereine uns weit voraus“. Was ihn letztlich überzeugt habe, sei die sportliche Perspektive: „Der BHC hat viele Jugendnationalspieler und ist damit für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Da wird es in den nächsten Jahren richtig steil bergauf gehen.“

Schon in dieser Saison sieht Dösch für seine Mannschaft gute Chancen, das neu eingeführte Viertelfinale zu erreichen. „Das sollte absolut machbar sein“, sagt er. Das Play-off ist indes nicht die einzige Änderung in diesem Jahr: Der neue Modus in der Bundesliga sieht vor, dass zunächst jedes Team einmal auf jeden anderen Klub trifft (elf Spiele), ehe anschließend für die Rückrunde zwei kleinere Gruppen gebildet werden (fünf Spiele). Die besten vier Mannschaften jeder Gruppe stehen im Viertelfinale, die beiden Letztplatzierten müssen ins Play-down.

Neben der allgemeinen Perspektive gab es für Dösch für den Wechsel zum BHC allerdings noch einen weiteren Grund. Künftig läuft er dort in der Innenverteidigung an der Seite seines großen Vorbilds auf: Olympiasieger Martin Häner. „Er ist ein großartiger Mentor. Von ihm kann ich noch viel lernen“, meint Dösch. Er weiß natürlich, dass ihn der Verein in den nächsten Jahren zu Häners Nachfolger aufbauen will, aber ihm ist ob dieser großen Aufgabe nicht bange.

Nach Olympia soll ein Platz im Nationalteam her

„Das wird eine Herausforderung, aber ich traue mir das zu. Ich habe jedenfalls keine Angst davor, eines Tages in seine Fußstapfen zu treten“, sagt er. Häner falle weniger durch extravagante Dribblings oder den härtesten Schuss auf – eher durch Präsenz, Persönlichkeit, Führungsqualitäten. „Man merkt sofort, wenn er auf dem Platz steht“, sagt Dösch. Er selbst bringt ebenfalls viel von diesen Eigenschaften mit. Der Berliner glänzt mit großem Spielverständnis, auch weil er jahrelang im Jugendbereich als Trainer tätig war. „Das hat mir zum einen taktisch weitergeholfen, weil ich sämtliche Systeme auch von außen beobachten konnte. Außerdem habe ich auf diese Weise auch die Grundlagen gefestigt, die man sonst schnell einmal vernachlässigt“, sagt er.

Nach dem U21-Europameistertitel hat Dösch auch in dieser Saison wieder große Ziele mit dem Nationalteam. Im Januar 2020 hofft er auf die Teilnahme an der Hallenhockey-EM, die im Horst-Korber-Sportzentrum ausgetragen wird. Spätestens nach den Olympischen Spielen in Tokio soll es dann auch auf dem Feld mit der A-Nationalmannschaft klappen. „Nach Olympia wird es einen Umbruch geben. Ich bin zuversichtlich, dass ich mir einen Platz im Team erarbeiten kann“, sagt er. Spätestens, wenn er dann wieder eine Trophäe erringt, dürfte der Anruf aus Mönchengladbach bei ihm eingehen.