Leichtathletik

Istaf als Härtetest für die Leichtathletik-WM in Doha

Beim Istaf im Olympiastadion an diesem Sonntag sind viele Leichtathletik-Stars am Start. Sie testen ihre Form vor der WM in Doha.

Malaika Mihambo wurde im Olympiastadion 2018 Europameisterin und sprang am 4. August hier 7,16 Meter weit.

Malaika Mihambo wurde im Olympiastadion 2018 Europameisterin und sprang am 4. August hier 7,16 Meter weit.

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin. Meeting-Direktor Martin Seeber ist schon voller Vorfreude: „Wir werden unglaubliche Rennen sehen“, sagt er voraus. Beim 78. Internationalen Stadionfest der Leichtathleten (Istaf) im Berliner Olympiastadion am Sonntag (Beginn 13.30 Uhr/Einlass 12.30 Uhr) ist besonders in den 100-Meter-Läufen und über die 110 Meter Hürden ein Großteil der Weltklasse am Start.

Das gilt allerdings ebenso für etliche weitere der insgesamt 16 Disziplinen. Der Grund für die gute Besetzung liegt auf der Hand, wie Seeber erklärt: „Sonst gibt es bei uns ein Schaulaufen, diesmal ist das Istaf eine Generalprobe.“ Der große Härtetest vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 27. September bis 6. Oktober in der katarischen Hauptstadt Doha.

Beim Istaf in Berlin treten drei Olympiasieger und sieben Weltmeister an

Die drei Olympiasieger Thomas Röhler (Jena/Speer), Christoph Harting (Berlin/Diskus) und Omar McLeod (Jamaika/Hürden) treten ebenso an wie sieben Weltmeister und 17 Europameister. Der Jamaikaner McLeod etwa, erzählt Seeber, habe erst vor zwei Tagen anfragen lassen, ob er noch einen Platz im Teilnehmerfeld bekommen könne. Der 25-Jährige, der auch Weltmeister in seiner Disziplin ist, brauche dringend noch einen harten Vergleich vor der WM. Den kann er haben: Er wird sich in Berlin unter anderem mit Europameister Pascal Martinot-Lagarde aus Frankreich messen.

Sehr groß ist das Gedränge im 100-Meter-Rennen der Männer. Gleich fünf der Sprinter haben eine Bestzeit von unter zehn Sekunden: Der Südafrikaner Akani Simbine (9,89), die Kanadier Aaron Brown (9,96) und Andre de Grasse (9,91), der Jamaikaner Tyquendo Tracey (9,96) und der Japaner Yoshihide Kiryu (9,98) bilden ein erlesenes Feld, in dem sich die schnellsten Deutschen weit hinten einreihen dürften.

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Mihambo kann Drechslers Rekord brechen

Zu den Stars zählen außerdem die Stabhochspringer: Europameister Armand Duplantis aus Schweden, Weltmeister Sam Kendricks (USA) und der Pole Piotr Lisek haben in diesem Jahr allesamt schon die magische Grenze von sechs Metern überquert. Neben Duplantis sind neun weitere Europameister von 2018 im Olympiastadion dabei, also dort, wo sie im vergangenen Jahr ihre Goldmedaillen gewannen.

Dazu zählt Weitspringerin Malaika Mihambo, die in dieser Saison ihre Bestweite bei den German Finals, ebenfalls in Berlin, auf 7,16 Meter steigerte. Der Istaf-Rekord liegt bei 7,08 Metern, erzielt 1991 von Heike Drechsler. „Da gibt es ja schon mal ein Ziel für mich“, sagt Mihambo, die aber im gleichen Atemzug warnt: „Die sieben Meter sind kein Selbstläufer.“ Nur hat sie die 25-Jährige in diesem Jahr eben schon recht häufig gemeistert. So dass sie sogar als WM-Favoritin gilt.

37.000 Tickets sind verkauft

Aber zunächst einmal freuen sich viele der Athleten auf die Rückkehr ins Olympiastadion, das wegen der vielen Zuschauer und der vielen Wettkämpfe in den vergangenen Jahren in Berlin wie ein Magnet wirkt. Von einem „speziellen Ort“ spricht Olympiasieger und Europameister Röhler, der nach dem Gewinn des EM-Titels 2018 vor Freude sogar in einen Wassergraben hüpfte.

Beim Istaf wird er es vor allem mit dem deutschen Meister Andreas Hofmann und Weltmeister Johannes Vetter zu tun bekommen. Alle drei haben das Gerät schon weiter als 90 Meter geschleudert, nur noch nicht in diesem Jahr.

„Wir haben 37.000 Tickets verkauft“, sagt Seeber, „40.000 sind unser Ziel, wir sind also im Soll.“ So schön es sei, dass alle Starter topfit sein werden so kurz vor dem Saisonhöhepunkt und nicht platt wie sonst nach einem anstrengenden Sommer – ein wenig fehlte im Vorfeld eine EM (wie 2018) oder WM (2017), dass vor lauter Leichtathletik-Begeisterung noch ein paar tausend mehr Fans zuschauen wollen. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau.

Lückenkemper traurig wegen der Party

Die Frohnatur Gina Lückenkemper (22), zum fünften Mal beim Istaf dabei, findet es schöner, wenn das Stadionfest am Ende der Saison stattfindet. „Ganz ehrlich, die Party hinterher ist jedes Mal der Hammer. Und diesmal sitze ich da mit einer Apfelschorle, weil ja die WM noch kommt“, sagt die schnellste deutsche Sprinterin über 100 Meter (10,95) vom SCC Berlin zu der Terminierung.

Aber sie lacht dabei, also ist es wohl nicht ganz ernst gemeint. Im nächsten Jahr wird es auch wieder anders sein. Die Olympischen Spiele in Tokio finden vom 24. Juli bis 9. August statt, weit vor dem Istaf. Und vielleicht bringt Lückenkemper ja sogar eine Medaille mit.