100. Geburtstag

Nordberliner SC – ein Jungspund im Klub der Hunderter

Berlins Landesligist Nordberliner SC feiert 100. Geburtstag. Den größten Erfolg verdankt der Klub jedoch seinem Vorgänger SC Tegel.

Der SC Tegel feiert die deutsche Amateurmeisterschaft 1962.

Der SC Tegel feiert die deutsche Amateurmeisterschaft 1962.

Foto: imago sportfotodienst

Berlin. Man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen. Das dachte man sich auch beim Nordberliner SC, und so feiert der Fußballverein aus Reinickendorf am Sonnabend auf der heimischen Anlage am Elchdamm seinen 100. Geburtstag.

Das mutet auf den ersten Blick schon merkwürdig an, wurde der Klub doch erst 2002 gegründet, durch die Fusion des SC Tegel mit dem SC Heiligensee. Da der Tegeler Klub jedoch 1919 gegründet wurde und der Nordberliner SC als Nachfolgeverein gilt, gibt es eben etwas zu feiern.

Wirklich Erfolge hat der heute in der siebtklassigen Landesliga spielende Klub nicht vorzuweisen, bei den Spielen am Elchdamm ist man eher unter sich. Anders der SC Tegel, dem seinerzeit etwas gelang, was kaum jemand für möglich gehalten hatte.

Tegels Teamgeist brachte die Sensation

Weil es diesen SC Tegel gar nicht gegeben hat. So wollte es zumindest das Ankündigungsplakat des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Finale der deutschen Amateurmeisterschaft 1962. An jenem heißen Sonnabend im Juni sollte der FC Tegel gegen den haushohen Favoriten Tura Bonn antreten.

Sogar die Schärpen mit dem Bonner Schriftzug waren schon an den Siegerkränzen befestigt, Tegel würde nur als Staffage dienen für den Klub aus der damaligen Bundeshauptstadt. Ein fataler Irrtum, wie sich herausstellen sollte.

„Nur das Kameradschaftliche, der Teamgeist hat uns zum erfolg geführt“, erinnert sich Volker Behnke, damals bei Tegel einer der jüngsten und schnellsten (100 Meter in 10,7 Sekunden), heute stolze 80 Jahre alt, an den Moment des größten Erfolges für die Nordberliner.

Nordberliner SC mit mehr als 40 Mannschaften

Jedenfalls trauten die 12.000 Zuschauer ihren Augen nicht, als sich SC-Kapitän Karl Bölk, der 35 Jahre alte Kraftfahrer, den Ball zum Freistoß zurechtlegte – und der Ball wenige Augenblicke später im Bonner Tor zappelte. Auf eine Mauer hatte der Favorit verzichtet, nun war er den sicher geglaubten Titel los.

Die Presse titelte damals: „An Tegels Abwehr blieb der Meisterschaftskranz hängen.“ Großes Lob gab es von keinem Geringeren als Helmut Schön: „Das war das stärkste Amateurendspiel der letzten Jahre“, so der spätere Bundestrainer, damals noch Assistent seines Vorgängers Sepp Herberger. Die Berliner hätten „taktisch klug gespielt“.

Die Trophäe von der Amateurmeisterschaft gilt seit Langem verschollen, und auch jener Sensationserfolg ist eine immer weiter verblassende Erinnerung. Heute rühmen sich die Nordberliner ihrer mehr als 40 Mannschaften (davon 34 in der Jugend) und ihrer rund 1000 Mitglieder.

Erhofftes Hertha-Gastspiel fällt aus

Um die Talente zu fördern, arbeitet der Verein mit der Sportschule Berlin zusammen, die Fußballcamps und Fördertraining anbietet. Gegründet wurde die Schule vom ehemaligen Tegeler Jugendspieler Francis Banecki (später Werder Bremen, Eintracht Braunschweig).

Der Nachwuchs wurde bereits Ende Mai gefeiert, nun steht das Fest für die Großen an. Auch Volker Behnke wird dabei sein. Der passionierte Hobbymusiker wird Songs von Elvis Presley oder Johnny Cash zum Besten geben, wenn es um 17 Uhr ins Festzelt geht. Vorher, ab 11 Uhr, warten neben einem Jubiläumsspiel mit ehemaligen Akteuren des SC Tegel und des SC Heiligensee auch ein Ü50-Turnier.

Sogar Hertha BSC war eingeladen. Doch das Gastspiel platzte, weil der Bundesligist „eine fünfstellige Summe für das Erscheinen“ (Behnke) verlangt haben soll. Zu viel für einen Landesligisten, bei dem sich meist nur ein paar Dutzend Zuschauer verlieren.