Schwimm-WM in Gwangju

Wasserspringer Patrick Hausding wie ein Turnierpferd

Der Berliner Patrick Hausding hat in Südkorea schon WM-Platz vier und fünf erreicht. Seine beste Disziplin kommt aber erst noch.

Patrick Hausding sprang vom Einmeterbrett nur knapp an einer WM-Medaille vorbei. Obwohl sein Jahr bisher alles andere als nach Wunsch verlief.

Patrick Hausding sprang vom Einmeterbrett nur knapp an einer WM-Medaille vorbei. Obwohl sein Jahr bisher alles andere als nach Wunsch verlief.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Gwangju/Berlin.. Ohne allzu große Erwartungen war Patrick Hausding nach Südkorea gereist. Ein missglückter Trainingssprung auf dem Trampolin im Januar hatte ihn monatelang außer Gefecht gesetzt. Taubheitsgefühle in zwei Fingern wollten nicht verschwinden. Erst viel zu spät konnte er sich wieder auf den Saisonhöhepunkt der Wasserspringer vorbereiten. Doch bei den Weltmeisterschaften in Gwangju läuft es nun verblüffend gut für den 30 Jahre alten Berliner.

Knapp an der ersten Medaille vorbei

Platz vier im Synchronspringen an der Seite von Lars Rüdiger war schon erstaunlich, denn das Berliner Duo hat noch gar nicht viele gemeinsame Wettkämpfe absolviert. Und am Sonntag war die Medaille sogar noch greifbarer. Im Springen vom Einmeterbrett lag Hausding in Führung, als ihm ein zweieinhalbfacher Salto rückwärts misslang und er weit zurückfiel. Deprimiert war er deshalb nicht.

„Ich gehe in meinem Kopf mit so einer Scheiß-drauf- oder Mach-einfach-Stimmung auf das Brett und in den Sprung. Diesmal habe ich vielleicht ein bisschen zu viel Kraft reingesetzt“, sagte er stattdessen, „klar ist noch Luft nach oben, aber Luft nach oben ist immer. Wenn keine wäre, würde man ja jedes Mal Weltmeister werden.“ Das wurde der Chinese Wang Zongyuan, für die überragenden Springer aus dem Reich der Mitte war es der fünfte Titel im fünften Wettbewerb.

Stabilität und Aggressivität wieder da

Trotzdem ist Hausding mit seinem bisherigen Abschneiden mehr als zufrieden. Hätte er im Finale den zweieinhalbfachen Salto rückwärts so hinbekommen wie im Vorkampf, wäre ihm Bronze sicher gewesen. „Der vierte Sprung hat mich aus dem Rennen gerissen, da war ich ein bisschen übermotiviert.“ Doch was soll’s: „Wichtig ist, dass ich wieder mehr Stabilität und Aggressivität habe, mich sicherer fühle und auch der Konkurrenz zeige, dass ich wieder im Geschehen bin“, sagte der Berliner, „Vierter und Fünfter in der Welt zu werden, ist eine gute Leistung und aller Ehren wert.“

Zumal das Einzel vom Dreimeterbrett ja noch kommt, seine stärkste Disziplin, in der er in Rio de Janeiro 2016 Olympia-Bronze gewann. So hoch setzt Hausding seine Ziele diesmal gar nicht. Der 30-Jährige möchte sich für die nächsten Olympischen Spielen qualifizieren, seine vierten und vermutlich letzten, 2020 in Tokio.

Zwei Schwimmerinnen in Tokio dabei

Ein Finaleinzug würde den Startplatz sichern. „Ich hoffe, dass ich die Form vom Synchron und vom Einmeterbrett auch vom Dreimeterbrett zeigen kann“, sagte Hausding. Das Vertrauen in die eigene Leistungsstärke ist jedenfalls wieder da, er hat in den WM-Modus umgeschaltet, als sei es trotz der ungenügenden Vorbereitung das Normalste der Welt. „Ich bin wie ein Turnierpferd“, scherzte der Berliner. Die Konkurrenz ist bei so viel Humor gewarnt.

Was Hausding noch schaffen will, ist Finnia Wunram und Leonie Beck schon gelungen. Sie haben sich in Südkorea ihre Olympia-Tickets gesichert. Die 23 Jahre alte Wunram belegte in Yeosu im Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer den achten Platz, Beck (22) schlug als Neunte an. Die ersten Zehn qualifizierten sich für die Sommerspiele in einem Jahr in Tokio.