Tennis

Wer tritt denn endlich in die Spuren von Steffi Graf?

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Philip Häfner
Alexandra Vecic ist die beste deutsche Nachwuchsspielerin und liegt auf Platz 38 der Jugend-Weltrangliste

Alexandra Vecic ist die beste deutsche Nachwuchsspielerin und liegt auf Platz 38 der Jugend-Weltrangliste

Foto: Juergen Hasenkopfvia www.imago-images.de / imago images / Hasenkopf

Alexandra Vecic soll die Lücke im Frauen-Tennis füllen. Doch der Weg ist hart - wie nun die Jugendmeisterschaften im Grunewald zeigen.

Berlin. Alexandra Vecic war bedient. Gleich mehrfach schmiss die 17-jährige Tennisspielerin wütend ihren Schläger zu Boden, kurz vor Ende des zweiten Satzes versuchte sie es dann sogar mit einem neuen Arbeitsgerät. Doch auch das half ihr nicht mehr.

Die bei den Allianz Kundler German Juniors in Berlin an Nummer eins gesetzte Deutsche scheiterte bereits in der zweiten Runde mit 2:6 und 6:7 gegen die Dänin Hannah Viller Møller. Überhaupt war für die meisten deutschen Teilnehmerinnen dort schon frühzeitig Endstation: Nur zwei von ihnen überstanden die zweite Runde.

Freier Eintritt beim LTTC Rot-Weiß im Grunewald

Die Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften, die noch bis Sonntag bei freiem Eintritt auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß im Grunewald stattfinden, zählen zu den weltbesten Tennisturnieren im Jugendbereich.

Das Sandplatzturnier ist somit ein guter Gradmesser für den Zustand des deutschen Nachwuchses. Bundestrainer Dirk Dier vom Deutschen Tennis Bund (DTB) bleibt aber trotz des bislang schwachen Abschneidens seiner Schützlinge ganz entspannt. „Man muss sich um das deutsche Frauentennis sicher keine Sorgen machen. Wir gehören nach wie vor zu den führenden Tennisnationen der Welt“, sagt er.

Alexandra Vecic beste Deutsche als Nummer 38 der Welt

Zwar sprechen die Zahlen momentan eine andere Sprache: In der Top 100 der Jugend-Weltrangliste ist Alexandra Vecic auf Platz 38 momentan die einzige Deutsche. Und auch beim jüngsten Grand-Slam-Turnier in Paris schaffte sie es als einziges DTB-Mädchen ins Hauptfeld, strich dann jedoch schon nach dem ersten Match die Segel.

Doch Dirk Dier meint: „Es gibt immer Jahre, in denen man nicht so erfolgreich ist und dann wieder welche, in denen es besser läuft. Das sind Wellenbewegungen. Davor sind auch die anderen Nationen nicht gefeit.“

Große Lücke hinter Kerber, Görges und Co.

Tatsächlich gab es auch bei den German Juniors in den vergangenen zehn Jahren gleich vier deutsche Siegerinnen. Zuletzt triumphierte 2017 Jule Niemeier. Allerdings schafften Spielerinnen wie Anna-Lena Friedsam (die Gewinnerin von 2009) oder Antonia Lottner (2012) danach nie wirklich den Sprung in den Erwachsenenbereich.

„Hinter der Generation Kerber, Görges, Petkovic gibt es eine große Lücke. Der Jahrgang mit Witthöft, Beck, Friedsam, Lottner konnte die Erwartungen nicht erfüllen“, sagte Chef-Bundestrainerin Barbara Rittner im „Tennis-Magazin“.

Es braucht Zeit, sich bei den Erwachsenen durchzusetzen

Nun ist eine neue Generation gefordert. Spielerinnen wie Alexandra Vecic. „Sie ist auf dem besten Weg, eine richtig gute Allrounderin zu werden“, sagt Dirk Dier. Trotzdem wird es wohl noch einige Zeit brauchen, bis Vecic sich auch bei den Erwachsenen durchsetzt. In kaum einer Sportart ist der Weg in die Spitze so steinig wie im Tennis; selbst erfolgreiche Jugendspieler hängen zum Teil jahrelang auf Turnieren der untersten Kategorie fest.

Um die jungen Talente optimal vorzubereiten, hat der DTB seit 2017 deshalb insgesamt vier Bundesstützpunkte etabliert – in Stuttgart, Hannover, Oberhaching bei München sowie Kamen in Nordrhein-Westfalen. Die Mädchen können dort tageweise, wochenweise oder dank des angeschlossenen Internats auch durchgehend trainieren. „Ich denke, damit sind wir gut aufgestellt“, meint Dirk Dier. Aber auch er hofft, dass Angelique Kerber und Co. noch ein paar Jahre dranhängen. Damit die Lücke vielleicht nicht ganz so groß wird.