Nachwuchssportlerin des Monats

Viktoria Folger träumt vom großen Wurf

Die 16 Jahre junge Judoka Viktoria Folger ist Berlins Nachwuchssportlerin des Monats Juni. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele 2028.

Viktoria Folger übt im Training manchmal auch mit einer Lederpuppe – da bleiben ihre Würfe schmerzfrei.

Viktoria Folger übt im Training manchmal auch mit einer Lederpuppe – da bleiben ihre Würfe schmerzfrei.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin. Viktoria Folger war hochkonzentriert. Sie war so im Tunnel, dass sie gar nicht mitbekam, wie viele Freunde und Familienmitglieder zum Judo-Europacup im Sportforum Hohenschönhausen gekommen waren, um ihr die Daumen zu drücken. „Die Anfeuerungsrufe habe ich erst gehört, als ich mir später die Videos angeschaut habe“, erzählt sie. Noch einmal sah sie die Bilder, wie sie Ende April sensationell Platz drei belegte – bereits ihre zweite Medaille bei einem Europacup in diesem Jahr, nachdem sie es zuvor auch schon in Russland aufs Treppchen geschafft hatte.

Ohne Furcht vor großen Namen

Dabei hatte es die Auslosung wahrlich nicht gut mit Viktoria Folger gemeint. Gleich im zweiten Kampf ging es gegen Katarina Kristo aus Kroatien und damit die Zweitplatzierte der Jugend-Weltrangliste, im Viertelfinale dann gegen Maria Diniz (Brasilien), die in dieser Saison schon einen Europacup gewonnen hatte.

Erst im Halbfinale war gegen die damalige Weltranglistendritte (und jetzige Führende) Alessia Corrao aus Belgien Endstation, doch auch in diesem Duell war sie keineswegs chancenlos. „Ich lasse mich von solchen Athleten mittlerweile nicht mehr abschrecken“, sagt sie. Die 16-Jährige hat sich durchgesetzt, so wie jetzt auch bei der Wahl zur Berliner Nachwuchssportlerin des Monats Juni.

Die langen Arme sind ein großer Vorteil

Ebenfalls in diesem Jahr ist sie erstmals deutsche Meisterin in der U18 geworden. Viktoria Folger ist in ihrer Altersklasse momentan die Größte, was man durchaus wörtlich nehmen darf: Bei einer Körpergröße von 1,78 Meter überragt sie die meisten ihrer Konkurrentinnen deutlich. Sie hat dadurch Vorteile in der Griffdominanz und kann die Gegner dank ihrer langen Arme auf Abstand halten.

Es wäre jedoch falsch, sich nur auf die körperlichen Vorteile zu verlassen. Trotzdem ertappt sich Viktoria manchmal dabei, dass ihr im Kampf die letzte Konsequenz fehlt. Dann zieht sie die Würfe nicht ganz durch und bekommt anstatt eines ganzen Punkts, mit dem das Match vorzeitig beendet wäre, nur einen halben. „An der Vollendung muss ich noch arbeiten“, sagt sie.

Ihr älterer Bruder zog sie mit zum Judo

Mit sechs Jahren kam sie zum Judo. Ihr zwei Jahre älterer Bruder hatte die neue Judo-AG an ihrer Schule besucht und war derart begeistert, dass sie es auch gleich ausprobieren wollte. „Ich mag es zu kämpfen“, meint sie. Viktoria Folger stammt aus Spandau und startet auch für die Sportfreunde Kladow, doch sie besucht das Schul- und Leistungssportzentrum (SLZB) in Hohenschönhausen, wo auch größtenteils trainiert wird.

Jeden Tag nimmt sie lange Fahrtwege in Kauf für ihren Sport und das große Ziel von den Olympischen Spielen 2028. Im Juli startet sie erst einmal beim Europäischen Olympischen Jugendfestival (EYOF) in Baku. „Das wird die weiteste Wettkampfreise, die ich je gemacht habe“, sagt sie. Nach zwei dritten Plätzen im Europacup ist das Ziel auch beim EYOF eine Medaille.

Die Konkurrenz in Berlin ist sehr stark

Man darf davon ausgehen, dass sie perfekt vorbereitet nach Aserbaidschan reisen wird. Schließlich gibt es in ihrer Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm mit Charlotte von Leupoldt (SC Bushido) und Lilly Richter (Kaizen Berlin), die im April die Nachwuchssportlerwahl gewonnen hatte, noch zwei weitere starke Kämpferinnen in der Stadt. Vor allem mit Richter trainiert Viktoria fast täglich. „Das ist sicher ein großer Vorteil, dass ich mich regelmäßig mit den Besten messen kann“, sagt sie.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler