Formel E in Berlin

Nico Rosberg: „Die Formel E muss schneller werden“

| Lesedauer: 7 Minuten
Philip Häfner
Nico Rosberg beim Formel-E-Rennen in Monaco – allerdings nicht vor einem E-Rennwagen.

Nico Rosberg beim Formel-E-Rennen in Monaco – allerdings nicht vor einem E-Rennwagen.

Foto: GERMAIN HAZARD / picture alliance / DPPI Media

Am Wochenende gastiert die Formel E in Berlin. Ein Interview mit Rosberg über Schwächen der Serie und Elektromotoren in der Formel 1.

Berlin. Nico Rosberg war 2016 der bislang letzte deutsche Weltmeister in der Formel 1. Inzwischen engagiert sich der 33-Jährige als Anteilseigner in der Formel E, die am Freitag (freies Training) und Sonnabend (Qualifikation und Rennen) in Berlin Station macht. Zum Gastspiel der Elektrorennserie auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof organisiert der 33-Jährige in diesem Jahr zudem erstmals das Greentech Festival über grüne Technologien.

Berliner Morgenpost: Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone äußerte unlängst, er würde sich als junger Unternehmer heute eher für die Formel E als für die Formel 1 entscheiden. Was würden Sie als junger Fahrer wählen?

Nico Rosberg: Natürlich die Formel 1, weil sie schneller ist, einfach die Königsklasse des Motorsports. Das wird sie meiner Meinung nach auch immer so bleiben, allein schon von der Tradition her. Die Formel E gibt es ja erst seit knapp fünf Jahren. Aber ich sehe beide Rennserien nicht unbedingt als Kontrahenten, eher als Ergänzung. Die Formel E ist anders, sie wählt den Weg in die Innenstädte und richtet sich an Familien. Aber vor allem gehört der Elektromobilität die Zukunft. Deshalb denke ich, dass auch die Formel 1 eines Tages elektrisch fahren wird. Wenn alle Welt Elektroautos fährt, macht es keinen Sinn, dass die Formel 1 noch Verbrenner verwendet. Vor allem, wenn die Technologie adäquat ist und die Performance darunter nicht leidet.

Bislang sind die Elektrorenner allerdings noch deutlich langsamer.

Ganz klar: Die Formel E muss in den nächsten Jahren schneller werden. Allerdings sind die Voraussetzungen auch ganz anders. Aus Gründen der Nachhaltigkeit muss jedes Team an einem Rennwochenende mit nur zwei Reifensätzen auskommen, noch dazu Allwetterreifen, die kaum Grip haben – das wirkt sich natürlich auf die Geschwindigkeit aus. Wenn wir in diesem Bereich zulegen wollen, müssen wir daher vor allem die Batterie weiterentwickeln. Das ist der entscheidende Punkt.

Für gute Unterhaltung ist schon jetzt gesorgt: In den ersten neun Rennen der laufenden Saison gab es acht verschiedene Sieger. Doch je mehr Hersteller in die Formel E drängen, desto größer wird die Angst vor einem Rüstungswettlauf, der schon in der Formel 1 dazu geführt hat, dass nur noch wenige Teams eine reelle Siegchance haben. Ist diese Sorge berechtigt?

Die Formel E hat feste Regeln, die genau solch eine Entwicklung verhindern sollen. Zum Beispiel muss jeder Hersteller anderen Teams zu einem festen Preis Motoren zur Verfügung stellen, so dass jeder die Chance hat, erfolgreich zu sein. Zudem sind viele Teile des Elektrorenners Einheitsteile.

Audi und Jaguar sind schon länger dabei, BMW und Nissan seit diesem Jahr, in der kommenden Saison stoßen Mercedes und Porsche dazu. Wieso ist die Formel E so interessant für die Hersteller?

Der Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße ist nirgendwo so ausgeprägt. Die Elektromotoren, die in der Formel E entwickelt werden, tauchen zwei Jahre später in den Autos auf, die wir auf der Straße fahren. Das hat es in diesem Ausmaß noch nicht gegeben.

Warum tut sich die Elektromobilität in Deutschland dann trotzdem noch so schwer?

Wir haben die Entwicklung bislang ein bisschen verpennt. Aber Deutschland ist immer noch die Automobilnation Nummer eins in der Welt, von daher bin ich zuversichtlich, dass wir das aufholen können. Die Sache nimmt gerade erst richtig Fahrt auf. Das geht jetzt inzwischen auch zunehmend in die Preisbereiche hinein, die für jeden erschwinglich sind. Und dann geht es ganz schnell, davon bin ich überzeugt.

Mercedes steigt wie erwähnt nächstes Jahr als Werksteam in die Formel E ein. In dieser Saison agiert bereits das HWA-Team als eine Art Vorhut, das bislang aber meist hinterherfährt. Sind Sie überrascht, dass sich HWA und Mercedes mit all ihrer Expertise so schwer tun?

Nein. Die anderen Teams sind HWA und Mercedes zum Teil fünf Jahre voraus, da kann man nicht gleich Wunderdinge erwarten. Zumal in der Formel E wie gesagt viele Teile des Fahrzeugs standardisiert sind und man also nicht einfach ein komplett neues Auto bauen kann, um damit alle in Grund und Boden zu fahren. Aber ich bin überzeugt, dass Mercedes mittelfristig ganz vorn mitfährt. Wenn sie eine Sache angehen, dann wollen sie auch gewinnen.

Es gab in diesem Jahr einen Aprilscherz, dass sie beim Dragon-Team als Teamchef einsteigen. Wäre das tatsächlich etwas für Sie, womöglich bei den Silberpfeilen?

Momentan ist das kein Thema. Ich finde gerade das Unternehmertum im Bereich der grünen Technologien sehr viel spannender. Viele der Firmen, in die ich investiert habe, werden auch beim Greentech Festival in Berlin sein.

Das Greentech Festival (23.-25. Mai) findet in diesem Jahr zum ersten Mal am Rande des Berliner Formel-E-Rennens statt. Was erwartet die Besucher in Tempelhof?

Es ist ein Festival rund um grüne Zukunftstechnologien und einen nachhaltigen Lifestyle. Also nicht nur Mobilität, sondern auch grüne Mode, innovative Lebensmittelproduktionsverfahren und -techniken sowie weitere Produkte, die unser Leben bereichern und gleichzeitig unsere Umwelt schützen werden – kurz: eine riesige Erlebniswelt, und das am Freitag sogar bei freiem Eintritt. Durch die Erweiterung um das Greentech Festival wird Berlin das größte Formel-E-Event, das es je gegeben hat. Unter anderem wird Pininfarina das schnellste Serienauto der Welt vorstellen und Harley-Davidson sein neues Elektrobike. Parallel gibt es die Green Leaders Conference, an der viele führende Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik teilnehmen. Die Resonanz ist riesig und zeigt uns, dass ein solches Festival längst überfällig war. Grüne Technologien und der Klimawandel sind gerade ein Riesenthema. Am Freitag werden wir auch die Schüler der „Fridays for Future“-Demonstrationen zu Gast haben. Bei uns erleben sie quasi hautnah das, wofür sie jede Woche kämpfen.

Noch einmal zum Rennen: Wer gewinnt am Sonnabend (14 Uhr, live bei ARD und Eurosport) in Berlin?

Ich setzte auf einen Deutschen: Daniel Abt vom Audi-Team ist der Titelverteidiger und hat im Vorjahr schon eindrucksvoll bewiesen, dass er in Berlin gut fahren kann. Er ist deshalb mein Favorit.