Triathlon

Vom Jojo im Kopf zum Triathlon

Früher war Sascha Vetter Moderner Fünfkämpfer, jetzt ist er erfolgreicher Triathlet. In dieser Sportart gibt es sogar eine Bundesliga.

Triathlet Sascha Vetter war früher ein erfolgreicher Fünfkämpfer. Doch da durfte er nicht Rad fahren.

Triathlet Sascha Vetter war früher ein erfolgreicher Fünfkämpfer. Doch da durfte er nicht Rad fahren.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die wichtigste Disziplin beim Triathlon ist für Sascha Vetter nicht das Schwimmen, nicht das Radfahren und auch nicht das Laufen. Es ist das Umziehen zwischendurch. „Der Wechsel ist entscheidend“, sagt der Pankower vom Berliner Verein A3K, der deshalb sogar ein spezielles Umziehtraining absolviert, damit im Wettkampf später alles glatt läuft. „Das ist die wichtigste Einheit der Woche“, meint er. „Wenn man im Wettkampf mit Puls 190 den Helm nicht gleich zubekommt, verliert man damit vielleicht schon die entscheidenden Sekunden.“

Deutsche Triathlon-Liga ist die beste der Welt

Je kürzer die Streckenlänge, umso mehr kommt es darauf an, dass in der Wechselzone alle Handgriffe sitzen. Das gilt besonders für die Triathlon-Bundesliga, deren Rennen im Sprintmodus ausgetragen werden: 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen – es ist die Hälfte dessen, was auf der olympischen Distanz zu absolvieren ist.

In zwei Wochen startet die neue Saison, in der erstmals auch ein Event in Berlin stattfinden wird: Anfang August im Rahmen der „Finals 2019“. Die deutsche Liga gilt als die beste der Welt, Spitzenleute wie Ex-Europameisterin Laura Lindemann oder die frühere Vizeweltmeisterin Anne Haug sind regelmäßig am Start.

In Zukunft lieber längere Strecken

Für das Triathlon Team Berlin, für das auch Sascha Vetter antritt, ist die erste Liga hingegen Neuland. Der TuS Neukölln und der Triathlon-Verein Berlin 09 hatten im vergangenen Jahr ihre Kräfte gebündelt und auf Anhieb den Aufstieg geschafft. Die Bundesliga wird nun zur Bewährungsprobe.

„Eigentlich bin ich ja zu alt für den Sprint“, meint Vetter. Der 37-Jährige will sich langfristig eher auf die längeren Strecken konzentrieren. „Ich vermute, dass ich so ziemlich der älteste Athlet bin, der jemals in der Bundesliga debütiert hat.“

Als Fünfkämpfer bei EM und WM am Start

Erst seit 2011 bestreitet Vetter überhaupt Triathlon-Wettkämpfe. Davor war er als Moderner Fünfkämpfer erfolgreich und startete dort sogar bei Welt- und Europameisterschaften, unter anderem auch bei der WM 2007 in Berlin. Mit der Regeländerung 2009, dass das Schießen fortan zusammen mit dem Querfeldeinlauf als Combined ausgetragen wird, kam er allerdings nicht zurecht.

Da erinnerte er sich an seine zweite Leidenschaft: „Für mich war immer schon klar gewesen, dass ich irgendwann einmal Triathlon ausprobieren möchte“, sagt er. Sein Fünfkampf-Trainer hatte nie gewollt, dass er aufs Rad steigt, weil er darin eine zusätzliche Belastung sah. Bei gemeinsamen Bundeswehrlehrgängen mit den Triathleten war Vetter mit ihnen aber trotzdem schon heimlich auf Tour gegangen.

Die neue Sportart lässt sich leichter trainieren

Von den Grundlagen aus seiner ersten Karriere profitiert Sascha Vetter bis heute. „Da ist der Moderne Fünfkampf einfach das Nonplusultra“, sagt er. Trotzdem hat er den Wechsel nie bereut. „Früher musste ich mich für jede Disziplin neu fokussieren. Das war den ganzen Tag lang ein mentales Jojo. Jetzt starte ich, und wenn ich ankomme, bin ich fertig. Das ist viel einfacher für den Kopf“, sagt er.

Auch logistisch bietet der neue Sport viele Vorteile. „Als Fünfkämpfer brauchte ich einen Schießstand, eine Fechthalle, ein Pferd. Als Triathlet kann ich dagegen ganz individuell trainieren. So ist es für mich leichter mit dem Beruf zu vereinbaren“, sagt Sascha Vetter. Er arbeitet bei der Feuerwehr und ist dort aktuell in der Taucherstaffel eingeteilt.

Beim Umziehen so schnell wie die Feuerwehr

Ein Job, der ebenfalls viel körperliche Fitness verlangt. Zum Glück gibt es innerhalb der Wache eine 800 Meter lange Laufstrecke, zudem bringt Vetter häufig sein Rennrad mit und trainiert auf dem Rollentrainer, wenn gerade kein Einsatz ansteht. Doch wenn der Alarm ertönt, ist er in wenigen Sekunden einsatzbereit. Das schnelle Umziehen hat er inzwischen ziemlich gut drauf.