Darts

Mit Hopp steht eine neue Darts-Generation bereit

Die alten Recken des Darts wie Taylor, Barneveld oder Anderson ziehen sich langsam zurück. Talente wie Max Hopp warten nur darauf.

Max Hopp wird in Berlin begeistert empfangen

Max Hopp wird in Berlin begeistert empfangen

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Vor seinem Auftritt bei der Premier League in Berlin war Darts-Spieler Max Hopp etwas besorgt. Er hoffe, dass er seine Emotionen im Griff haben werde, schließlich trat der Hesse am Donnerstagabend vor 10.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena gegen das Idol seiner Kindheit an – den Niederländer Raymond van Barneveld.

Seine ersten Pfeile waren Barney-Pfeile

„Meine ersten Darts waren Barney-Pfeile“, sagte er. „Er war immer einer der Spieler, dessen lockeren Wurfstil ich bewundert habe.“ Wenn zu van Barnevelds Einmarsch die Sirenen heulten und der fünffache Weltmeister zu Rockys „Eye of the Tiger“ auf die Bühne kam, war der junge Max Hopp in seinem Element.

Für den 22-Jährigen war die Begegnung am Donnerstag sein erster Auftritt in der Premier League, nach den Weltmeisterschaften die am höchsten dotierte Wettkampfserie im Darts. Nachdem der Schotte Gary Anderson seine Teilnahme in dieser Saison aufgrund anhaltender Rückenschmerzen absagen musste, rückt für ihn nun an jedem Spieltag ein Ersatzmann nach.

In Berlin kam Max Hopp diese Ehre zuteil. „Das ist einfach genial. Ich bin der erste Deutsche, der diese Erfahrung machen darf“, sagte er. Die Partie ging dennoch mit 3:7 verloren. „Ich bin sehr enttäuscht, das war nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Ich kann das viel besser“, war Hopp enttäuscht: „Aber die Stimmung hat mich schon umgehauen.“

Ära der alten Recken geht zu Ende

Für seinen Gegner van Barneveld war es dagegen einer der letzten Auftritte – er wird am Ende der Saison seine Karriere beenden, während die von Hopp gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt. Das Duell zwischen den beiden stand somit auch für einen Generationswechsel im Darts-Sport. Die Ära der alten Recken geht langsam zu Ende: Der legendäre Phil Taylor hatte bereits 2018 aufgehört, van Barneveld folgt am Jahresende, und auch bei Gary Anderson ist angesichts der Rückenbeschwerden offen, wie lange er noch weiter macht.

Stattdessen steht eine neue Generation in den Startlöchern. Zu den aufstrebenden Talenten zählen neben Max Hopp auch der Engländer Nathan Aspinall, der es bei seinem WM-Debüt Anfang des Jahres auf Anhieb ins Halbfinale schaffte und kurz darauf bei den UK Open seinen ersten Major-Titel gewann, seine Landsleute Luke Humphries und Chris Dobey sowie der Belgier Dimitri Van den Bergh. In der Premier League dürfen sie bislang nur aushilfsweise ran, doch Barry Hearn, Chef des Weltverbandes Professional Darts Corporation (PDC), hat bereits angekündigt, dass sie ab dem kommenden Jahr jüngere Gesichter häufiger ihre Chance bekommen werden.

Der Turnierkalender wird immer voller

„In uns Youngsters brodelt das Feuer“, sagte Max Hopp. Der Österreicher Mensur Suljovic (7:2 gegen Michael Smith/England), neben Hopp einer der Publikumslieblinge beim Event in Berlin, hätte es deshalb gut gefunden, wenn die Jungen schon dieses Mal fest dabei gewesen wären. „Sie hätten stattdessen ja mich herauslassen können“, sagte er. Der Turnierkalender wird auch so immer voller, an 208 Tagen im Jahr finden mittlerweile Wettkämpfe statt – eine enorme Belastung selbst für die Besten. „Das schlaucht ganz schön. Aber vielleicht kommen die Jüngeren damit besser zurecht“, so Suljovic.

Auch Max Hopp hat kürzlich die Anmeldung für zwei Turniere einfach verschwitzt. Das kann schon einmal passieren bei all dem Rummel um Deutschlands aktuelle Nummer eins. Weltmeister Michael van Gerwen (Niederlande), der sein Match gegen den Nordiren Daryl Gurney 5:7 verlor, legte dem Idsteiner in der Vergangenheit bereits nahe, sich stärker auf das Wesentliche zu konzentrieren, das Spiel nämlich, dann wäre er jetzt womöglich schon weiter.

Nächstes Ziel: Top 20 der Welt

In der Weltrangliste steht Hopp auf Rang 29, doch bis Ende des Jahres will er es in die Top 20 geschafft haben. Zur Kritik van Gerwens meinte er bloß: „Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.“ Dann schaut die heutige Jugend in zehn Jahren vielleicht zu ihm auf so wie er einst zu Raymond van Barneveld.

Die Ergebnisse:

Gerwyn Price (Wales) - Rob Cross (England) 4:7

James Wade (England) - Peter Wright (Schottland) 6:6

Michael van Gerwen (Niederlande) - Daryl Gurney (Nordirland) 5:7

Michael Smith (England) - Mensur Suljovic (Österreich) 2:7

Max Hopp (Idstein) - Raymond van Barneveld (Niederlande) 3:7