Darts

Michael van Gerwen kämpft um die Herzen der Fans

Niemand wirft die Pfeile präziser als er. Doch bei den Fans ist der Darts-Weltmeister Michael van Gerwen nicht sonderlich beliebt.

In Enschede, seiner Heimat, fliegen auch Michael van Gerwen die Sympathien entgegen.

In Enschede, seiner Heimat, fliegen auch Michael van Gerwen die Sympathien entgegen.

Foto: Robin Van Lonkhuijsen, pa/anp / pa/ANP

Berlin. Wenn Kinder größer werden, trennen sie sich oft vorschnell von einst geliebten Gegenständen. Dartspieler Michael van Gerwen trägt in seinem Pfeilkoffer aber immer ein Stück seiner Kindheit mit sich herum, wenn er beim Wettkampf die Bühne betritt. Der Niederländer vertraut noch immer auf die gleichen Pfeile wie als Kind, seit 17 Jahren hat er das Modell nie gewechselt. Bei seinen Darts kennt van Gerwen keine Kompromisse: Verlässlich gut müssen sie sein. Genau wie er selbst.

Dreimal Weltmeister, viermal Sieger der Premier League

Seit über einem halben Jahrzehnt dominiert van Gerwen das Geschehen an der Scheibe. Seit 2014 führt er die Weltrangliste an, die sogenannte „Order of Merit“, die sich berechnet nach den in den vergangenen zwei Jahren erspielten Preisgeldern. Van Gerwen steht auf Rang eins mit rund 1,9 Millionen Euro – doppelt so viel wie der Zweitplatzierte Rob Cross (England).

Dreimal war van Gerwen Weltmeister, viermal gewann „Mighty Mike“ die prestigeträchtige Premier League, zuletzt dreimal hintereinander. In seiner Heimat haben sie dem Glatzkopf den Spitznamen „De kale Sloopkogel“ verpasst, die kahle Abrissbirne, weil er auf der Bühne einfach alles und jeden niedermacht.

Darts fasziniert in Berlin die Fans

Auch in der laufenden Saison der Premier League steht der 29-Jährige gemeinsam mit Rob Cross an der Spitze. Am Donnerstag (20 Uhr, live bei Sport1 und DAZN) gastiert die nach den Weltmeisterschaften höchstdotierte Serie zum zweiten Mal in der Mercedes-Benz Arena.

Karten sind noch erhältlich, doch die Veranstalter rechnen erneut mit einer nahezu ausverkauften Halle. Im Vorjahr wurde in Berlin mit 12.500 Besuchern sogar ein Zuschauerweltrekord seit dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt. Auch dieses Mal wird es wohl eine einzige Party werden. Wobei es gut sein kann, dass sich einige Anhänger beim Auftritt van Gerwens etwas reservierter verhalten werden.

Als Kind gehänselt wegen seines Übergewichts

Bei den Fans ist der Titelverteidiger nicht sonderlich beliebt, trotz oder gerade wegen seiner fast unheimlichen Dominanz. Im WM-Finale Anfang Januar, das van Gerwen gegen den Engländer Michael Smith 7:3 gewann, gab es Buhrufe von den Rängen. Vor seinem ersten Match bei den Weltmeisterschaften hatte ihm ein Fan sogar Bier ins Gesicht geschüttet, was dem Holländer zwar Tränen der Enttäuschung in die Augen trieb, aber nichts daran änderte, dass er dieses Spiel souverän für sich entschied.

Insgesamt gab van Gerwen während der gesamten WM lediglich acht Sätze ab. Selbst das waren aus seiner Sicht zu viele. Es sind Äußerungen wie diese, die ihn gelegentlich arrogant und unnahbar erscheinen lassen. Dabei musste er seit jeher um Anerkennung kämpfen. Als Kind wurde er wegen seines Körpergewichts gehänselt, eine traurige Geschichte. Die Herzen der Fans konnte van Gerwen damit allerdings nicht gewinnen.

Nahezu die gesamte Weltelite ist am Start

Auch in Berlin scheint die Rolle des Publikumslieblings für andere reserviert zu sein. Nahezu die gesamte Weltelite ist in der Arena vertreten. Neun der zehn besten Spieler der Welt sind am Start, darunter Peter Wright (Schottland) als Nummer drei der Weltrangliste, WM-Finalist Smith sowie der Österreicher Mensur Suljovic. Michael van Gerwen trifft auf Daryl Gurney aus Nordirland.

Aus der Top Ten fehlt in dieser Saison nur der Schotte Gary Anderson aufgrund anhaltender Rückenschmerzen – für ihn rückt an jedem Spieltag ein Ersatzmann nach. In Berlin darf sich deshalb der junge Deutsche Max Hopp erstmals in der Premier League beweisen. „Wenn ich daran denke, kriege ich sofort eine Gänsehaut. Ich freue mich mega auf den Abend“, sagt er.

Max Hopp der einzige Deutsche im Feld

Noch wirft der 22-Jährige nur außer Konkurrenz. Langfristig möchte sich die Nummer 29 der Weltrangliste aber auf der großen Bühne etablieren: „Ich will mich jetzt erst mal Stück für Stück weiter nach oben arbeiten. Top 25, dann Top 20, und in einigen Jahren geht der Traum Premier League dann hoffentlich so richtig in Erfüllung“, so Hopp.

Sein Gegner am Donnerstag ist der fünfmalige Weltmeister Raymond van Barneveld aus den Niederlanden. Auf dem Papier ein harter Brocken, doch van Barneveld ist in dieser Saison nur noch ein Schatten seiner selbst und nur dank einer Wildcard überhaupt in der Premier League dabei.

Ex-Weltmeister van Barneveld erhält großen Abschied

Den 51-Jährigen plagen seit Längerem körperliche Schmerzen, hinzu kamen einige private Schicksalsschläge. Vier seiner Freunde starben, seine Frau wurde zu Hause überfallen – alles, während er zum Dartspielen unterwegs war. „Wie soll man das verarbeiten? Es ist schwer damit umzugehen“, sagt van Barneveld. Am Ende des Jahres wird er seine Karriere beenden, diese Saison ist seine Abschiedstournee. Das Publikum wird ihn ausgiebig feiern, dass gerade sein so erfolgreicher Landsmann Michael van Gerwen glatt neidisch werden könnte.