Leichtathletik

Lisa Marie Kwayie: Meisterin der Beschleunigung

Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig sind nur ein Formtest für Lisa Marie Kwayie. Die Berlinerin will zur WM nach Katar.

Ein Bild, das gute Laune macht: Rebekka Haase, Gina Lückenkemper, Lisa-Marie Kwayie und Tatjana Pinto (v.l.) jubeln im Berliner Olympiastadion über den Gewinn von EM-Bronze in der Sprintstaffel.

Ein Bild, das gute Laune macht: Rebekka Haase, Gina Lückenkemper, Lisa-Marie Kwayie und Tatjana Pinto (v.l.) jubeln im Berliner Olympiastadion über den Gewinn von EM-Bronze in der Sprintstaffel.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  Zwei Trainingslager hat Sprinterin Lisa Marie Kwayie in diesem Winter absolviert. Dagegen hatte die Reise, die sie womöglich am meisten vorangebracht hat, überhaupt nichts mit Sport zu tun. Über Weihnachten war die Neuköllnerin zum ersten Mal seit ihrer Kindheit in Ghana. Von dort stammt Kwayie, allerdings war sie mit drei Jahren nach Berlin gezogen. Erst jetzt ergab sich die Möglichkeit, die Verwandtschaft zu besuchen. „Das hat so gut getan und mir neue Kraft gegeben. Danach habe ich mich richtig erholt gefühlt“, berichtet sie.

Plötzlich zählt sie zu den Favoritinnen

Trotzdem sah es zunächst so aus, als würde sich Kwayie in die Liste der Top-Sprinterinnen einreihen, die auf die deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende in Leipzig verzichten. So startet Gina Lückenkemper vom SCC Berlin ebenso wenig wie Titelverteidigerin Tatjana Pinto und Staffel-Weltmeisterin Lisa Mayer. Auch Kwayie war in diesem Winter nur in einem Wettkampf angetreten, im Dezember, noch vor ihrer Reise nach Ghana. Seitdem hatte sie sich nicht mehr auf der Bahn blicken lassen. Doch die 22-Jährige will in Leipzig laufen. Sie betrachtet die Meisterschaften als wichtigen Leistungstest: „Wir wollen wissen, wo ich stehe und was das Wintertraining gebracht hat“, sagt sie. Auf einmal zählt sie nach den Absagen der Konkurrenz sogar zu den Favoritinnen. „Eine Medaille ist auf jeden Fall das Ziel, sonst wäre ich schon enttäuscht.“

Nach den starken Leistungen im vergangenen Jahr sind die Ansprüche gestiegen. 2018 hatte sich Kwayie mit der EM-Teilnahme im Olympiastadion über 100 Meter und dem Gewinn der Bronzemedaille mit der 4x100-Meter-Staffel Träume erfüllt. Bei den deutschen Meisterschaften wurde sie Zweite, bei der Wahl zu Berlins Sportler des Jahres erreichte sie Platz drei. Auf einmal stand Kwayie im Rampenlicht. „Ich habe das sehr genossen“, erzählt sie. „Das vergangene Jahr hat Lust auf mehr gemacht.“ 2019 will sie zur Staffel-WM und zur WM nach Doha (Katar). Eine Medaille in Leipzig wäre da schon einmal ein guter Auftakt.

Die Kürze der Strecke kommt ihr entgegen

Dass in der Halle nur 60 Meter gelaufen werden, kommt ihr entgegen. Kwayies Stärke ist die Beschleunigung aus dem Block heraus. Im Trainingslager auf Lanzarote hat sie noch einmal an ihrer Geschwindigkeit gearbeitet, um nun sogar die Norm für die Hallen-EM Anfang März in Glasgow zu attackieren. Um sich zu qualifizieren, müsste sie am Sonnabend unter 7,25 Sekunden bleiben. Mit 1500-Meter-Läuferin Caterina Granz hat erst eine Berlinerin die Hallen-EM-Norm erfüllt. Sie zählt in Leipzig ebenso wie Marc Koch (beide LG Nord) über 400 Meter zu den Medaillenkandidaten.

Nach wie vor startet Kwayie für die Neuköllner Sportfreunde. Zwar gab es Anfragen größerer Vereine, doch sie ist dem NSF und Trainer Frank Paul treu geblieben. Sie weiß, was sie ihrem Klub zu verdanken hat, der in harten Zeiten zu ihr hielt. Von 2015 bis 2017 war Kwayie immer wieder verletzt gewesen, niemand wusste recht, was die Ursache war. Erst spät stellte sich heraus, dass es an Nebenwirkungen ihrer Antibabypille lag. Sie hatte fälschlicherweise ein Medikament verschrieben bekommen, welches Frauen normalerweise erst in den Wechseljahren nehmen, was bei ihr zu Wassereinlagerungen in Knien und Füßen führte. Erst seit dieses Problem erkannt und behoben wurde, startet Lisa Marie Kwayie im Sprint richtig durch.