Motorsport

Eine Berlinerin gibt bei Rallye Dakar Vollgas

Annett Fischer aus Berlin wagt nicht nur den Start bei der Rallye Dakar. Sie bildet auch mit Andrea Peterhansel das erste reine Frauenteam.

In einem solchen Buggy wagt sich auch die Berlinerin Annett Fischer in die härteste Rallye der Welt

In einem solchen Buggy wagt sich auch die Berlinerin Annett Fischer in die härteste Rallye der Welt

Foto: DPPI / picture alliance / DPPI Media

Lima/Berlin.  Es gibt viele Premieren bei der 41. Rallye Dakar. Erstmals führt das Abenteuer nur durch ein Land: Peru. Andere Ausrichter wie Bolivien und Argentinien haben sich vor der elften Austragung in Südamerika aus finanziellen Gründen zurückgezogen, für 2020 steht daher eine Rückkehr nach Afrika zur Diskussion. Mit Annett Fischer und Andrea Peterhansel geht am Sonntag in Lima aber auch erstmals ein reines Frauenteam an den Start. Für die Berlinerin Fischer ist es gleichzeitig das Debüt als Pilotin – nach sieben Teilnahmen, die sie als Physiotherapeutin fürs hessische X-Raid-Team absolvierte. „Früher habe ich gesagt, die Mechaniker reparieren die Autos und wir Physios die Fahrer. Diesmal werde ich wohl selbst repariert“, sagt die 33-Jährige.

Co-Pilotin ist mit einem Dakar-Sieger verheiratet

Ihre Co-Pilotin Andrea Peterhansel (51, Kaufbeuren), verheiratet mit Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel (53, 13 Erfolge), blickt dagegen auf sieben Starts zurück, wobei sie zwischen 1998 und 2002 für KTM und BMW mehrmals die Frauen-Wertung bei den Motorrädern gewann. 2004 kam sie im Mitsubishi in der Gesamtwertung auf Rang fünf. Fischer/Peterhansel sitzen in einem 180 PS starken Can-Am Maverick Buggy.

„Ich war in Marokko mit dem X-Raid-Team beim Training“, erklärt Fischer wie es zum Dakar-Abenteuer gekommen ist. „Andrea und Stephane waren ebenfalls dabei, und sie hat mich gefragt ob wir nicht einfach auch mal eine Runde drehen wollen. Ich hatte Lust. Nach einigen Kilometern meinte Andrea, ob ich auch Lust hätte, mal die Dakar selbst zu fahren – und sie würde, nur so als Training, navigieren“, so Fischer: „Und dann ging es eigentlich alles ganz schnell!“

Fischer kennt die Wüstenstrapazen – auch 2019 führen rund 80 Prozent der 5600 Kilometer durch Dünenlandschaften – aus dem Motorradsattel. 2018 endeten ihre „Ausflüge“ bei der Merzouga- und Touareg-Rallye in Nordafrika jeweils auf dem Podest.

Navigation wird noch einmal erheblich erschwert

Das Großereignis auf vier Rädern hat für sie aber eine ganz andere Bedeutung. „Für mich ist die Dakar wahrscheinlich das gleiche wie für andere Sportler die Teilnahme an Olympischen Spielen. Das ist erst einmal eine einmalige Chance.“ Und ihre Erwartungen? „Wir wollen ins Ziel kommen!“

Was 2019 definitiv eine große Herausforderung sein wird. Warum das so ist, erklärt Timo Gottschalk. Der Berliner ist bereits zum elften Mal dabei. Und der 44-Jährige blickt auf einen Gesamtsieg (2011 im VW Touareg an der Seite des Katari Nasser Al-Attiyah) und einen zweiten Rang 2010 zurück. „Wie es aussieht, haben die Veranstalter die Navigation deutlich erschwert“, so Gottschalk: „Bislang war es so, dass man sich bis auf 800 Meter einem bestimmten Wegpunkt nähern musste, um über das GPS ein Signal zu bekommen, dass man richtig gelegen hat, um diesen dann anzufahren. Jetzt soll die Distanz auf 300 Meter verkürzt sein, was einen enormen Unterschied bedeutet“, sieht der Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik, der am Vorabend einer jeden Etappe pro 100 Kilometer Wertungsprüfung rund einer Stunde Vorbereitungszeit kalkuliert, der Herausforderung mit gemischten Gefühlen entgegen.

Insgesamt sind 19 Frauen am Start

Gottschalk, 2018 mit seinem Piloten Yazeed Al-Raijhi (37, Saudi-Arabien) Sieger der Rallye Kasachstan und der Seidenstraßen-Rallye, zählt im 350 PS starken Mini Cooper Allrad zum erweiterten Favoritenkreis. Top-Favoriten sind Rekordsieger Peterhansel mit Co-Pilot David Castera (beide Frankreich), der zweifache Rallye-Weltmeister Carlos Sainz mit Lucas Cruz (beide Spanien) und Ex-Motorrad-Sieger Cyril Despres mit seinem französischen Landsmann Jean-Paul Cottret. Diese drei Teams vertrauen auf einen Mini Cooper Buggy, der etwa 200 Kilo leichter als das Allrad-Modell ist.

Insgesamt werden beim Prolog 534 Teilnehmer (davon 19 Frauen) in 331 Fahrzeugen (123 Autos, 41 LKW, 138 Motorräder und 29 Quads) über die Startrampe in Perus Hauptstadt fahren – und fortan jeden Meter per GPS überwacht. Was Folgen haben kann: Wer auf den Verbindungsetappen zu schnell unterwegs ist, wird zur Kasse gebeten. Dabei kassieren die Veranstalter etwa den zehnfachen Satz dessen, was man fürs Ignorieren des Tempolimits jeweils in Deutschland zahlen müsste.

Mit einem Auto kostet das Abenteuer 100.000 Euro

Apropos Kosten: Ein Dakar-Start bei der Dakar ist grundsätzlich für jeden möglich. Sinnvoll aber nur mit Wüstenerfahrung. Annett Fischer warnt: „Die körperliche Belastung ist schon für Profis enorm, deswegen sollte man sich sicher sein, fit genug an so eine Herausforderung heranzugehen.“ Die meisten Abenteurer schrecken aber vor dem finanziellen Aufwand zurück. Mit dem Motorrad sieht die Rechnung etwa wie folgt aus: bis 25.000 Euro für die Maschine. Dazu sollte man zwischen 5000 und 10.000 Euro für Verschleißteile einkalkulieren. Etwa 15.000 Euro wechseln für die Startgebühr inklusive der nötigen Lizenzen, einem Internetzugang während der Rallye und Aufwendungen wie Benzin und Biwak den Besitzer. Eine Begleitperson (Mechaniker) schlägt mit etwa 9000 Euro zu Buche. Dazu kommen die Flugtickets. Mit einem Auto liegt der Spaß im Minimum bei rund 100.000 Euro.