Hockey

Martin Häner: Aus Erfahrung immer besser

Der Berliner Martin Häner ist jetzt auch Eckenschütze im Hockey-Nationalteam. Der DHB-Kapitän peilt in Indien den WM-Titel an.

Martin Häner bestritt bisher 226 Spiele für das deutsche Hockey-Nationalteam

Martin Häner bestritt bisher 226 Spiele für das deutsche Hockey-Nationalteam

Foto: dpa Picture-Alliance / Norbert SCHMIDT / picture alliance / Norbert Schmi

Berlin.  Ein paar Wochen, bevor im August die Bundesligasaison begann, bat Hockey-Bundestrainer Stefan Kermas seinen Kapitän zu einem kurzen Gespräch. Darin teilte er Martin Häner mit, dass er sich künftig im Nationalteam von ihm etwas wünsche, das er bei seinem Verein Berliner HC schon seit Jahren verlässlich tut: Strafecken verwandeln. Also machte sich der 30-Jährige daran, noch mehr als bisher diese so oft gewinnbringende Aktion zu üben. Die Bilanz kann sich sehen lassen: 14 Strafecken hat er verwandelt, 60 Prozent seiner Versuche, das ist herausragend. „So eine Quote hatte ich in meinem ganzen Leben nicht“, sagt Häner, „man sieht, wenn man Sachen besonders trainiert, dann kann man immer noch besser werden.“

Neuer Modus und Hitze als Herausforderungen

Bei der an diesem Mittwoch beginnenden Weltmeisterschaft in Bhubaneswar wird es nicht nur, aber auch darauf ankommen, ob die Schlenzer des Berliners ebenso hochprozentig im Kasten der Konkurrenz einschlagen. Wobei im Nationalteam bei Ecken mit Tom Grambusch und Lukas Windfeder zwei weitere Schützen am Schusskreis Aufstellung nehmen. „Dadurch sind wir unberechenbarer“, lobt Häner die Maßnahme des Bundestrainers.

Unberechenbar sind noch einige andere Dinge bei dem Turnier in Indien. Die Schwüle und Temperaturen bis an die 30 Grad gehen an die Substanz, vor allem in der K.o.-Runde, wo es zu vier Spielen an sechs Tagen kommen kann. Davor ist durch den neuen Modus eher Langeweile angesagt. Erstmals treten 16 Mannschaften an, die in vier Gruppen spielen, immer eine Gruppe pro Tag. „Nur alle vier Tage ein Spiel, das ist unnormal für uns“, sagt Häner, „außerdem sind wir in Indien, da verlässt man das Hotel nur zum Hockeyspielen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Lagerkoller fallen.“

Titel des Weltmeisters fehlt ihm noch

Von möglichen Problemen mit der Nahrungsaufnahme ganz zu schweigen. Da machten die Deutschen 2017 beim World-League-Finale in Bhubaneswar ihre ganz eigenen Erfahrungen. Sie gewannen die Vorrunde, doch dann fingen sich so viele Spieler, einschließlich Häner, einen Magen-Darm-Virus ein, dass Torwart Mark Appel zum Mittelstürmer umfunktioniert werden musste, um das Team komplett zu bekommen. Er erzielte sogar ein Tor, aber das ist eine andere Geschichte.

Das soll sich jetzt nicht wiederholen für die Deutschen, die seit Sonntag in Indien sind. Die Gruppe des zweimaligen Weltmeisters hat es in sich: Am Sonnabend (14.30 Uhr/alle Spiele bei DAZN) beginnen Häner und Kollegen gegen Pakistan, den viermaligen Champion vergangener Zeiten. Am 5. Dezember (12.30 Uhr) folgt die Partie gegen den dreimaligen Weltmeister Niederlande, zum Abschluss am 9. Dezember (12.30 Uhr) wartet Außenseiter Malaysia, der gerade in Asien aber nicht zu unterschätzen ist. Dennoch sagt Häner: „Ich will Weltmeister werden.“ Nicht weil dem Olympiasieger von 2012 und Europameister von 2011 sowie 2013 dieser Titel noch fehlt, „sondern weil wir ein Team haben, mit dem es realistisch ist. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Leuten. Und wir haben mit Timm Herzbruch, Niklas Wellen und Florian Fuchs die schnellsten Stürmer der Welt.“

Karriere kann weitergehen bis Tokio 2020

Obwohl er schon so viel gewonnen hat – sein Ehrgeiz ist ungebrochen, er will sich auch belohnen für den Aufwand, den er betreibt. Von Montag bis Freitag arbeitet Dr. Martin Häner als Assistenzarzt in Orthopädie und Unfallchirurgie von halb acht bis 16 Uhr im Martin-Luther-Krankenhaus. Danach folgen eineinhalb bis zwei Stunden Hockeytraining und von Dienstag bis Donnerstag zusätzlich 90 Minuten Athletiktraining. Am Wochenende stehen Punktspiele an.

Seinen Hauptberuf muss Häner, der im Februar auch noch erstmals Vater wird, trotz der hohen Belastung sehr zufriedenstellend erledigen. Sein Klinik-Chef ermöglicht ihm, den Amateursport Hockey weiter professionell zu betreiben, gab ihm sogar das Okay für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Den Bundestrainer überzeugt er ebenso. „Martin geht voran, er übernimmt Verantwortung und hat die Fähigkeit, seine Mitspieler besser zu machen. Er ist eine natürliche und gestandene Führungspersönlichkeit.“ Und verblüfft mit seiner Fitness. In einigen diagnostischen Bereichen, berichtet Kermas, habe Häner gerade erst Bestleistungen erzielt: „Er agiert erfahren, ohne an Dynamik eingebüßt zu haben.“

2014 in Indien Champions Trophy gewonnen

Häner fühlt sich nach all den Jahren immer noch sichtlich wohl im Hockey. Am Montag sendete er in sozialen Netzwerken ein Bild vom Stadion in Bhubaneswar, in dem 15.000 Zuschauer Platz finden und in dem die Teams ihre Spiele bestreiten werden. „Gestatten: unsere WM-Spielwiese“, schrieb er dazu, „nicht zu schlecht!“ 2014 hat Deutschland an diesem Ort die Champions Trophy gewonnen. Häner war natürlich dabei. Nun schreibt er: „Ein guter Ort, um den nächsten, jetzt etwas größeren Titel zu holen.“

Je mehr Ecken er verwandelt, um so höher die Wahrscheinlichkeit.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.