Bogenschiessen

Lisa Unruh hat auf offenem Feld den Bogen raus

Weil sie nichts aus der Ruhe bringt, gewinnt die Berliner Bogenschützin Lisa Unruh bei der Feldbogen-WM in Einzel und Mannschaft.

Bogenschützin Lisa Unruh gewinnt zweimal Gold

Bogenschützin Lisa Unruh gewinnt zweimal Gold

Foto: Krauthoefer

Berlin.  Dass Bogenschützin Lisa Unruh so schnell nichts aus der Ruhe bringt, weiß man spätestens seit dem vergangenen Jahr. Damals war die Olympia-Zweite von 2016 in einer Gameshow gegen eine Hobbysportlerin angetreten, wobei sie als zusätzliches Handicap von einem Laufband aus schießen musste. Bei der Feldbogen-WM war die Ablenkung nicht ganz so groß, doch der Druck dafür umso größer. Immerhin ist die Berlinerin die amtierende World-Games-Siegerin in dieser nicht-olympischen Disziplin.

Bei der WM in Cortina d’Ampezzo (Italien) holte Unruh nun gleich zweimal Gold, im Einzel sowie mit der Mannschaft. Dabei war vor allem der Teamwettbewerb hochdramatisch: Lisa Unruh hatte eine Scheibe komplett verfehlt, was bei ihr nur äußerst selten vorkommt. Später stellte sich heraus, dass die Entfernung falsch abgemessen worden war – 15 statt 20 Meter.

Die Scheiben wurden aus der Wertung genommen und Deutschland, das bis dahin geführt hatte, zum Weltmeister erklärt. „Die Sache kam mir gleich komisch vor, weil die Konkurrenz auch nur so niedrige Punktzahlen erzielt hatte“, sagt Unruh. Im Einzelfinale gegen die Britin Naomi Folkard war sie am nächsten Tag dann deutlich überlegen und siegte mit 54:40 Ringen.

Geschossen wird auf offenem Feld

„Ich bin richtig glücklich und stolz, mich zweifache Weltmeisterin nennen zu dürfen. Feldbogen macht mir einfach Spaß, das ist nicht bloß stures Geradeausschießen“, sagt sie. Der Bogen ist zwar derselbe wie beim olympischen Bogenschießen, doch es wird nicht auf abgesteckten Bahnen geschossen, sondern auf offenem Feld und im Wald. Dabei müssen die Sportler mal nach oben und mal nach unten schießen, auf wechselnde Entfernungen und zum Teil auch auf unbekannte Distanz.

„Es ist eine komplett andere Disziplin, die auch andere Fähigkeiten erfordert. Beim Feldbogenschießen ist eine andere Körperspannung gefragt, weil man nicht nur den Arm, sondern den gesamten Körper nach dem Ziel ausrichtet“, erklärt die 30-Jährige.

Davon profitiert sie auch bei der olympischen Variante: „Ich bin flexibler und komme auch mit schwierigen Bedingungen gut zurecht, wenn zum Beispiel der Boden etwas uneben ist.“

Finanziell zahlen sich die Erfolge nicht aus

In dieser Saison hat Lisa Unruh bei den wichtigen Wettkämpfen fast immer ihre Leistung abgerufen. Vor den beiden Goldmedaillen in Cortina siegte sie mit der Mannschaft auch schon bei der Hallen-WM und gewann zudem den wichtigsten Weltcup in Las Vegas. Ende des Monats startet Unruh noch beim Weltcup-Finale in der Türkei.

Deutschlands beste Bogenschützin war zuletzt auch häufiger im Fernsehen zu sehen. Finanziell haben sich die Erfolge aber noch nicht ausgezahlt: Die Sponsorensuche gestaltet sich weiterhin schwierig. Das mache sie ein bisschen traurig, sagt Unruh. Doch sie lässt sich auch davon nicht beirren.

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