Berliner Champions

Leander Helms Motto: gewinnen mit Köpfchen

Beim Fechten hat Erfolg, wer immer die Ruhe bewahrt. Der 15 Jahre alte Leander Helm vom SC Berlin ist ein gutes Beispiel dafür.

Leander Helm trainiert im Trainingszentrum Hohenschönhausen

Leander Helm trainiert im Trainingszentrum Hohenschönhausen

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Es war niemand Geringeres als der preußische König Friedrich II., der Leander Helm davon überzeugte, dass Fechten der richtige Sport für ihn ist. 2012 fand im Schloss Charlottenburg ein Kinderfest statt anlässlich des 300. Geburtstags von Friedrich dem Großen. Dort wurden historische Waffen wie Säbel und Degen vorgeführt, was Leander Helm derart beeindruckte, dass er bald darauf selbst in den Fechtverein eintrat.

Ironischerweise ist es jedoch ausgerechnet das Florett – die einzige Waffe also, die keinen historischen Ursprung hat, sondern immer schon ausschließlich als Übungswaffe diente –, das es ihm besonders angetan hat. Schon zweimal wurde der 15-Jährige vom SC Berlin deutscher B-Jugendmeister, damals noch für den Berliner Fechtclub. Zudem erreichte er in diesem Jahr beim weltgrößten Nachwuchsturnier in Breslau einen hervorragenden siebten Platz.

Der Wilmersdorfer gilt als das größte Fechttalent in der Stadt. Fast täglich trainiert er im Sportforum Hohenschönhausen, nur die Wochenenden sind trainingsfrei – dann fährt er zu Turnieren und Lehrgängen in ganz Deutschland. In Berlin tritt er dagegen nur selten an, es gibt kaum Wettkämpfe auf seinem Leistungsniveau. Eine der wenigen Gelegenheiten bietet sich am kommenden Wochenende bei den Berlin Open im Sportforum, den international offenen Landesmeisterschaften. Bei dem Turnier können auch die Zuschauer auf „Besucherbahnen“ selbst in die Fechtkleidung schlüpfen und einem Gegner gegenübertreten.

Ihn fasziniert das Tempo beim Fechten

„Es ist ein unglaublich schneller Sport“, sagt Leander Helm. Genau das fasziniert ihn am Fechten – „ich könnte gar nicht 90 Minuten warten wie beim Fußball, bis der Sieger feststeht“, meint er. Besonders rasant geht es mit dem Florett zu, weil die Waffe weniger wiegt als ein Degen und damit leichter zu handhaben ist.

Kämpfe mit dem Säbel sind aufgrund der größeren Trefferfläche zwar noch ein wenig schneller, doch zumindest in Berlin spielt diese Waffengattung keine große Rolle. Dagegen ist man im Florettfechten Bundesstützpunkt für den Nachwuchs, allerdings nur noch bis Ende des Jahres.

Im Zuge der Leistungssportreform werden derzeit in vielen Sportarten bundesweit Standorte für den Spitzensport aufgelöst. Den Fechtsport hat es besonders hart getroffen, nachdem die internationalen Erfolge in den vergangenen Jahren ausgeblieben sind. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften gab es wie schon bei den Olympischen Spielen 2016 keine Medaille.

Vorsichtige Karriereplanung frei nach dem „Alten Fritz“

Wie geht man als junger Fechter damit um, dass die eigene Sportart an Renommee verliert? Fällt es angesichts dieser Perspektive womöglich schwerer, sich zu motivieren? Leander Helm sagt: „Ich sehe es eher als Ansporn, es in Zukunft besser zu machen.“ Wer im Fechten erfolgreich sein will, braucht vor allem eines: mentale Stärke. „Der Kopf ist das wichtigste Körperteil in unserem Sport“, sagt Helm. Man dürfe nicht nervös werden; wer zu hektisch kämpfe, würde dem Gegner sonst regelrecht in die Klinge hineinrennen.

Mittlerweile ist der Berliner in die A-Jugend aufgerückt. Dort wird jetzt nicht mehr nach Altersklassen getrennt, alle drei Jahrgänge werden zusammen gewertet. Leander Helm hat dennoch große Ziele: Er will sich im nächsten Jahr für die Welt- und Europameisterschaften der Kadetten qualifizieren. Weiter voraus denkt er derzeit noch nicht. „Ich setze mir lieber kleine Ziele“, sagt Helm. Er mache lieber einen Schritt nach dem anderen, ansonsten sei die Gefahr groß, dass man zwischendurch stolpert.

Dem „Alten Fritz“ hätte das sicher gefallen. Schließlich sagte einst schon der Preußenkönig: „Wer seine Absichten zu früh enthüllt, bringt sie zum Scheitern. Doch wer Schweigen kann, der kann zu schönen Eroberungen gelangen.“