Kunstturnen

Eine Elfjährige ist Berlins neue Turn-Hoffnung

Ihr Lieblingsgerät ist der Stufenbarren. Die elfjährige Maike Knaak will zur Jugend-EM, muss aber darauf noch zwei Jahre warten.

Glänzende Augen und glänzende Medaille: Maike Knaak

Glänzende Augen und glänzende Medaille: Maike Knaak

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin.  Als ihr Trainer mit ernster Miene auf sie zukam, schien sich das schlechte Gefühl von Maike Knaak zu bestätigen. Am Stufenbarren hatte sie sich bei den deutschen Jugendmeisterschaften noch am meisten ausgerechnet, doch nach einer fehlerhaften Übung im Mehrkampf dachte sie nicht, dass sie sich überhaupt für das Gerätefinale qualifiziert hatte. Aber ihr Trainer Steffen Gödicke sagte: „Da musst du wohl morgen noch einmal ran.“

Beim Bärchenpokal hat sie Platz drei belegt

Im Finale blühte Maike dann richtig auf. Als jüngste Turnerin gewann sie die Silbermedaille in der Altersklasse 12. „Ich hatte ein bisschen Glück, dass die anderen gepatzt haben“, meint die Elfjährige zwar, doch das schmälert nicht ihre eigene Leistung, für die sie jetzt auch zu Berlins Nachwuchssportlerin des Monats Juni gewählt wurde. Die Lichtenbergerin ist eines von insgesamt erst drei Berliner Talenten, die schon mit elf Jahren diese Auszeichnung erhalten haben. Die anderen beiden waren Wasserspringer Lou Massenberg (2012) und die paralympische Schwimmerin Lea Stengel (2014).

Der Stufenbarren ist das Lieblingsgerät von Maike Knaak, an dem sie im vergangenen Jahr schon beim Bärchenpokal Platz drei belegt hatte, dem traditionellen Vergleichskampf von Deutschlands besten Nachwuchsturnerinnen in Berlin. „Der Stufenbarren liegt ihr einfach“, meint Gödicke, der an diesem Gerät schon Dörte Thümmler zu einer Spitzenathletin formte, die Weltmeisterin von 1987. Gödicke lobt Maikes gute Körperhaltung und saubere Ausführung, sagt aber auch: „Im athletischen Bereich kann sie deutlich zulegen.“

Vater, Mutter, Geschwister: Die ganze Familie Knaak turnt

Schon die Eltern von Maike Knaak waren Turner. Auch ihr Bruder und ihre jüngere Schwester betreiben diesen Sport. Schon als Baby war sie in die Turnhalle mitgekommen. Mit zwei Jahren machte sie Rollen auf dem Mattenwagen, als Dreijährige beherrschte sie einen Purzelbaum von einem Hocker in die Rücklage. Im Alter von vier Jahren meldeten ihre Eltern sie beim Berliner TSC an. Mittlerweile trainiert sie täglich im Landesleistungszentrum im Sportforum Hohenschönhausen.

Seit diesem Jahr startet sie zusätzlich in der Bundesliga für die TSG Steglitz. Dort ist sie wieder die Jüngste in der gesamten Liga. Ihre Gegnerinnen: Olympiateilnehmerinnen wie Elisabeth Seitz und Kim Bui oder die WM-Dritte am Schwebebalken Tabea Alt, Maikes großes Vorbild. „In diesem Jahr will ich erst einmal Erfahrung bei den Großen sammeln“, sagt die Sechstklässlerin des Schul- und Leistungssportzentrums. Das nächste große Ziel ist ein Start bei der Jugend-EM, an der sie in zwei Jahren erstmals teilnehmen dürfte. Dafür arbeitet sie hart und lässt sich selbst von einer Operation an der Hand nicht bremsen. Zwar darf sie erst einmal sechs Wochen lang nicht turnen. Doch sie will die Zeit nutzen, um verstärkt an ihrer Athletik zu arbeiten.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler

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